Umfrage

Dollar wird Talfahrt aus der Bush-Ära fortsetzen

01.11.2004
, 14:04
Der Chart zeigt die Entwicklung der Parität Euro-Dollar
In der ersten Amtszeit von Bush hat der Dollar die stärksten Verlust in einem Wahlturnus seit Reagan erlitten. Und die meisten Devisenexperten gehen davon aus, daß sich die Dollarschwäche fortsetzen wird.
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Von Bloomberg News befragte Händler, Investoren und Strategen rund um den Globus rechnen damit, daß der Dollar weiter nachgeben wird. In der Amtszeit von Präsident George W. Bush hat die amerikanische Währung 21 Prozent an Wert verloren. In der letzten wöchentlichen Umfrage vor den Wahlen in Amerika am 2. November rieten 54 Prozent der Befragten, den Dollar gegenüber dem Euro zu verkaufen. Auch gegenüber der japanischen Währung erwarten sie eine Abschwächung des Greenback.

"Die Dollar-Schwäche wird weiter gehen," prognostiziert Lyle Gramley, ein früherer Fed-Gouverneur und jetzt Berater bei Schwab Soundview Capital Markets in Washington. "Die Gefahr einer Abschwächung der amerikanischen Konjunktur ist gestiegen. Daher käme bei diesen Rahmenbedingungen eine Dollar-Rally sehr überraschend."

Nachfrage nach amerikanischen Wertpapieren aus dem Ausland sinkt

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Zu schaffen machen dem Dollar die schwächere Nachfrage ausländischer Anleger nach Wertpapieren, das sich ausweitende Handelsdefizit und das langsamere Wirtschaftswachstum in Amerika. Die Abwärtsbewegung dürfte an Fahrt gewinnen, sollte sich nicht sofort ein eindeutiger Wahlgewinner herauskristallisieren, erwartet Jake Moore, Währungsstratege bei Barclays Capital Plc in Tokio.

Weitgehend einig waren sich die Umfrageteilnehmer, die eine Handelsempfehlung für die Stunden nach Schließung der Wahllokale am Dienstag abgaben. Bis auf zwei sagten alle, der Dollar werde sinken, sollte der Name des nächsten Präsidenten nicht feststehen, wenn die Händler am Mittwoch zur Arbeit kommen.

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Dollar-Optimisten hoffen auf einen klaren Wahlsieger

Nach Umfragen von Washington Post, Reuters/Zogby und Fox News zwei Tage vor der Wahl liefern sich Bush und sein demokratischer Herausforderer John Kerry ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Als im Jahr 2000 der Wahlausgang nicht klar war, büßte der Dollar zwischen dem Wahltag und dem 12. Dezember 2,2 Prozent ein.

Hingegen werde sich "ein klarer Sieg eines Kandidaten positiv auf den Dollar auswirken," prognostiziert Neil Jones, Leiter Devisenhandel bei BNP Paribas SA in London. "Es wird jedoch keine längerfristig positiven Auswirkungen haben. Der Trend geht immer noch hin zu einem niedrigeren Dollar."

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In der vergangenen Woche hat der Dollar 0,9 Prozent gegenüber dem Euro eingebüßt. Gegenüber dem Yen hat er 1,4 Prozent verloren. "Der Dollar steht unter Abwärtsdruck," berichtet Stuart Eizenstat, stellvertretender Finanzminister unter Präsident Bill Clinton und jetzt Teilhaber bei der Sozietät Covington & Burling in Washington. "Wir rechnen damit, daß er erst einmal nach unten geht, bevor er wieder anzieht."

Hedgefonds und andere spekulativ orientierte Investoren haben in der Woche zum 26. Oktober die Spekulationen auf einen fallenden Dollar erhöht. Die Differenz zwischen Wetten auf einen steigenden Euro und einen fallenden Euro erreichte den Rekordwert von 45.531, teilte die Commodity Futures Trading Commission mit.

Stärkste Verlust in einem Wahlturnus für den Dollar seit Reagan

Gegenüber einem handelsgewichteten Währungskorb der Fed hat der Dollar seit dem Amtsantritt von Bush im Januar 2001 etwa 21 Prozent eingebüßt. Das ist der stärkste Rückgang seit der zweiten Amtszeit von Reagan, als der Greenback 35 Prozent abgab.

Während der schwächere Dollar die Umsatzzahlen von amerikanischen Unternehmen wie Gilette Co., Avon Products Inc. beflügelte, hatte er keinen positiven Einfluß auf das Leistungsbilanzdefizit. Der Fehlbetrag weitete sich im zweiten Quartal auf 166,2 Milliarden Dollar aus, das entspricht 5,7 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt. Die USA müssen jedoch täglich etwa 1,8 Milliarden Dollar an ausländischem Kapital anziehen, um das Leistungsbilanzdefizit auszugleichen und den Wert ihrer Währung zu halten. Das wird angesichts eines langsameren Wirtschaftswachstums und Renditen von etwa vier Prozent bei zehnjährigen Staatsanleihen schwierig werden, erwartet Ryan Faulkner, Devisenstratege bei Lehman Brothers Holdings Inc. in London.

Wie das Finanzministerium am 18. Oktober berichtete, haben ausländische Investoren im August ihre Positionen an amerikanischen Wertpapieren so wenig aufgestockt wie seit zehn Monaten nicht mehr. Die Notwendigkeit, das Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren, dürfte den Dollar nach unten und die Zinsen nach oben treiben, warnte eine Studie, die Ökonomen der New York Fed am 28. Oktober herausgegeben haben.

Quelle: Bloomberg
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