Währungen

Fehlbewertung so ausgeprägt wie nie zuvor

24.06.2010
, 14:03
Die Wirtschafts- und Finanzkrise und die geld- und wirtschaftspolitischen Reaktionen darauf haben am Devisenmarkt zu starken Turbulenzen und zum Brechen vorher etablierter Trends geführt. Die Fehlbewertungen sind so ausgeprägt wie nie.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise und die geld- und wirtschaftspolitischen Reaktionen auf sie haben am Devisenmarkt zu starken Turbulenzen und zum Brechen vorher etablierter Trends geführt. Hatten Währungen wie der Yen, Schweizer Franken, Dollar und die mehr oder weniger direkt daran gekoppelten

Währungen Asiens bis dahin aufgrund der tiefen Zinsen bis dahin zu den schwächsten Währungen weltweit gezählt und der Euro zu den starken, so hat sich das inzwischen gerade ins Gegenteil verkehrt.

Yen erholt sich weiter von seiner strukturellen Unterbewertung

Seit Juli des Jahres 2008 hat der Yen gegen den Euro um knapp 52 Prozent aufgewertet, der Dollar um 30 und der Schweizer Franken um knapp 19 Prozent. Der Yen war in dieser Periode trotz der extrem tiefen Zinsen, der starken Verschuldung und der vergleichsweise schwachen Wirtschaft des Landes die stärkste Währung weltweit. Möglicherweise wird zumindest bei andauernden Turbulenzen an den Kapitalmärkten noch weiter aufwerten, bis die in der Vergangenheit in Yen finanzierten Positionen abgebaut sind. Ähnliches gilt für den Schweizer Franken.

Bild: BNP Paribas

Letztlich lösten tiefe Zinsen in Europa und den Vereinigten Staaten die Auflösung der spekulativen Carry Trades der Vergangenheit aus, die zu einer starken Verzerrung der Wechselkursrelationen - unter anderem zu einer massiven Überbewertung des Euro - weltweit geführt hatten. Allerdings heißt das nicht, dass es heute keine Verzerrungen mehr gibt. Eine Studie der UBS deutet gerade auf das Gegenteil hin.

Gemessen an Bewertungsmodellen wie der Kaufkraftparität und Real Effektiven Wechselkursen gebe es heute aufgrund der globalen Ungleichgewichte im Welthandel noch ausgeprägtere Abweichungen von „fairen“ Wechselkursen als in der Vergangenheit. So seien die Währungen der Industriestaaten trotz der Kurskorrektur der vergangenen Monate im Kern deutlich überbewertet, vor allem die Europas. Dagegen seien die Währungen der asiatischen Staaten deutlich unterbewertet.

Während der Euro gegen den Dollar noch um zehn Prozent überbewertet sei, werde der Yen gegen den Dollar an den Märkten noch um zehn Prozent zu tief gehandelt. Der „faire“ Dollar-Yen-Wechselkurs müsste also bei etwa 80 Yen liegen. Die indische Rupie und der südkoreanische Won seien um 40 sowie der Yuan um 20 Prozent gegen den Dollar unterbewertet, während der Schweizer Franken ein weiteres Aufwertungspozential von fünf Prozent biete. Dagegen seien Währungen wie der brasilianische Real, die tschechische Krone, der ungarische Forint, der chilenische Peso, der russische Rubel und nicht zuletzt auch die norwegische Krone um zwischen 60 und mehr als 20 Prozent überbewertet.

Fehlbewertung sind ein deutliches Zeichen für die strukturelle Rigiditäten

Gemessen an den Real Effektiven Wechselkursen ist die Fehlbewertung verschiedener Währung sogar so ausgeprägt wie nie zuvor, allerdings inzwischen in einer anderen Konstellation als vor der altuellen Krise. Dies stehe nicht nur im Gegensatz zur Theorie, nach welcher die Mobilität von Kapital, Gütern und Arbeitskräften zu einem Ausgleich führen würden. Sondern die Fehlbewertung seien ein deutliches Zeichen für die strukturellen Rigiditäten, die die Weltwirtschaft und den Handel prägten. Diese führten letztlich zu den Ungleichgewichten und hielten Währungen sogar über lange Zeit fern von ihren angemessenen Wechselkursen.

Betrachte man Faktoren wie geld- und fiskalpolitische Spielräume oder Bilanzqualitäten, die zu einer Über- oder Unterbewertung führten, so seien in Europa größere Risiken auszumachen als etwa in den Vereinigten Staaten oder Japan. Dagegen lägen die asiatischen Staaten um unteren Ende des Risikospektrums, heißt es in der Studie weiter.

Zur Auflösung der Fehlbewertung der Währungen und der Ungleichgewichte seien politische Veränderungen wie die Reform der Kapitalmärkte, die Deregulierung von Produkt- und Arbeitsmärkten, flexiblere Wechselkurse sowie die Umorientierung verschiedener Volkswirtschaften auf ihre Binnenmärkte statt auf den Export notwendig. Solche Schritte seien zwar nicht unmittelbar zu erwarten, allerdings sei das Potenzial dafür in den asiatischen Staaten am ausgeprägtesten, heißt es weiter. Das deutlichste Aufwertungspotenzial bieten demnach zumindest langfristig die Währungen Chinas, Indiens, Indonesiens und Thailands.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @cri
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