Währungsmärkte

Der Euro als Spekulationsobjekt

Von Daniel Mohr
13.09.2011
, 07:00
Für Unternehmen und Privatanleger ist der Devisenmarkt stets von Interesse, um sich abzusichern. Allerdings birgt er auch einige Risiken: Die Währungsmärkte sind besonders schwer vorhersehbar.

Die Währungsmärkte sind gemessen am Handelsumsatz unter den Finanzmärkten mit Abstand die größten. Zahlreiche Unternehmen sichern sich gegen unliebsame Kursschwankungen ab. Aber auch für Spekulanten sind Devisenmärkte stets von Interesse. Privatanleger halten sich in der Regel zwar zurück. Doch auch für sie gibt es zahlreiche Finanzprodukte. Allerdings sind Währungsmärkte besonders schwer vorhersehbar: Eine Vielzahl volkswirtschaftlicher Daten gehen in die Betrachtungen ein, ebenso Erwartungen über die künftige Zinsentwicklung. Zudem ist der Einfluss politischer Entscheidungsträger besonders groß und kaum kalkulierbar.

In Deutschland hat sich in diesem Marktsegment jedoch eine kleine, aber sehr rege Gruppe von Anlegern gebildet, die mit riskanten Papieren auf kurzfristige Wechselkursänderungen spekuliert. Dementsprechend ist auch das Produktangebot der Banken eher auf kurzfristige, riskante Spekulation ausgelegt. Wer zum Beispiel der Auffassung ist, der jüngste Kursrutsch des Euro war erst der Anfang einer längeren Abwärtsbewegung, der findet etliche Hebelzertifikate auf einen fallenden Euro-Kurs gegenüber dem Dollar. Einen solchen "Turbo-Put" bietet HSBC Trinkaus unter der Wertpapierkennnummer (WKN) TB64XB an. Er kostete am Montag bei einem Euro-Kurs von 1,3636 Dollar 4,40 Euro. Sollte der Euro entgegen der Erwartung des Anlegers auf mehr als 1,4236 Dollar (Knock-Out-Schwelle) steigen, verfällt das Papier sofort wertlos.

Die Knock-Out-Schwelle sinkt

Fällt der Euro hingegen auf 1,30 Dollar, ergibt sich ein Preis für den "Turbo-Put" von 9,50 Euro. Eine Abschwächung des Euro um knapp 5 Prozent hat somit einen Wertgewinn des Hebelzertifikats von 116 Prozent zur Folge, was einem Hebel von mehr als 22 entspricht. Umgekehrt ist das Risiko erheblich. Entwickelt sich der Euro nur um 5 Prozent in die aus Sicht des Anlegers falsche Richtung, beträgt der Wertverlust unwiderruflich 100 Prozent. Die Knock-Out-Schwelle sinkt dabei täglich geringfügig.

Entsprechende Zertifikate gibt es auch für die umgekehrte Marktmeinung. Wer den jüngsten Kursrutsch des Euro gegenüber dem Dollar für übertrieben hält und angesichts der Probleme der amerikanischen Wirtschaft an einen Wertgewinn des Euro glaubt, kann zum Beispiel das Hebelzertifikat mit der WKN TB9WN3 kaufen. Hier droht der Komplettverlust, sobald der Euro entgegen der Erwartung auf weniger als 1,30 Dollar verliert. Gewinnt der Euro hingegen an Wert, partizipiert der Anleger daran mit einem Hebel von 22. Steigt der Euro also um 1 Prozent, gewinnt das Zertifikat 22 Prozent.

Bonuszertifikate sind nicht so spekulativ

Deutlich weniger spekulativ sind hingegen Bonuszertifikate auf das Wechselkursverhältnis von Euro und Dollar. Für den Euro-Optimisten bietet sich zum Beispiel ein Zertifikat von Macquarie mit der WKN MQ3LRY an. Es kostete am Montag knapp 94 Euro. Wird der Euro bis Juni 2013 nie unter 1,25 Dollar gehandelt, erhält der Anleger 116,57 Euro je Zertifikat. Sinkt der Euro hingegen beispielsweise auf 1,20 Dollar, betrüge die Rückzahlung nur 78,33 Euro je Zertifikat. Für den Pessimisten ist hingegen eher die WKN MQ3V3H geeignet. Solange der Euro bis Juni 2013 nie mehr als 1,65 Dollar kostet, erhält der Anleger 113,28 Euro für ein Zertifikat, das am Montag 103 Euro kostete.

Wer hingegen weder ein Freund von Euro noch Dollar ist, findet von der Citigroup eine Währungsanleihe in Norwegischen Kronen. Unter der WKN A1AZUQ sind noch Stücke der ersten Tranche erhältlich. Der Anleger erhält hier einen jährlichen Kupon von 3,5 Prozent. Aktuell notiert die Anleihe bei 98 Prozent ihres Nennwerts. Die Rückzahlung erfolgt im September 2013 zu 100 Prozent. Die Anleihe notiert in Norwegischen Kronen. Verliert die Krone bis zum Ende der Laufzeit an Wert, sind Verluste möglich. Gewinnt die Krone hingegen gegenüber dem Euro, profitiert der Anleger entsprechend. Die zweite Tranche befindet sich bis Ende September unter der WKN A1GU4S in Zeichnung. Hier beträgt der Kupon 3 Prozent und die Laufzeit zwei Jahre.

Quelle: F.A.Z.
Daniel Mohr  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Mohr
Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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