Zertifikate

Rohstoff-Zertifikate: Einfach heißt nicht schlecht

27.09.2005
, 15:16
Es gibt viele Möglichkeiten, sein Geld in Rohstoff-Zertifikaten unterzubringen. Dabei sind die einfachsten Konstruktionen nicht immer die schlechtesten.

Groß sind die Spekulationen, ob die Rohstoffhausse nun zu Ende geht oder nicht. Sicherlich wird es nicht mehr so einfach wie in den vergangenen Jahren sein, mit Rohstoffen Geld zu verdienen - wenn es denn überhaupt je einfach war. Andererseits ist es ja nicht so, daß Rohstoffe nun gar nicht mehr gebraucht würden.

Es kommt also auf die Wahl des richtigen Rohstoffs an - und auf die Wahl des richtigen Investitionsinstruments. Selten bietet sich das physische Investment an, allein aus praktischen Gründen: Wer hat schon Platz für eine Wagenladung Kakao? Und Fremdlagerung schmälert doch die Rendite erheblich. Zu heiß sind vielen Anlegern Futures aufgrund der Hebelwirkung. Aktien und Fonds sind meistens zu weit weg vom eigentlichen Anlagezweck.

Vor allem Öl und Gold

Was sich anbietet, sind Zertifikate. Dieses boomende Anlageinstrument hat jede Anlageklasse erfaßt, so auch Rohstoffe. Doch letztlich bieten nur wenige Emittenten eine größerer Auswahl von wirklichen Rohstoffzertifikaten. Beispielsweise weist HSBC Trinkaus auf seinen Webseiten zwar Rohstoff-Basket-Zertifikate aus - doch handelt es sich dabei um ein Korb von Aktien.

Nur acht der 18 größten Zertifikateanbieter bieten Rohstoff-Zertifikate an, davon lediglich vier (ABN Amro, Goldman Sachs, Raiffeisen Centrobank und Société Générale) eine größere Auswahl. Unter den Basiswerten ist vor allem Gold und in zweiter Linie Rohöl, und drittens, etwas überraschend, Silber am häufigsten im Angebot.

Palladium haben noch fünf Emittenten im Angebot, Platin nur noch vier, Aluminium drei. Basismetalle bieten vor allem die Société Générale und ABN Amro, Agrarprodukte ABN Amro und Goldman Sachs. Eher exotische Rohstoffe wie mageres Schweinefleisch oder Raps finden sich nur bei ABN Amro.

Einfacher Klassiker: Open-End-Zertifikate

Vielfältig wie das Angebot an Rohstoffen sind auch die Zertifikat-Konstruktionen. Für den Anleger am einfachsten verständlich sind einfache Preis-Zertifikate, die wie Index-Zertifikate die Preisentwicklung des Rohstoffs 1:1 abbilden. Derartige Anlagevehikel bieten vor allem ABN Amro und die Société Générale in Form von Open End-Zertifikaten an. Die Niederländer haben dabei praktisch alle Rohstoffe im Angebot, wohingegen die Franzosen den Schwerpunkt im Metallbereich haben.

Wie bei Rohstoffinvestitionen generell haben auch die Open-End-Zertifikate den Nachteil, daß sie außer der Preisentwicklung auch die Wechselkursentwicklung zum Dollar an den Anleger weitergeben. So hat sich etwa das Kupfer Open End Zertifikat der ABN Amro (ISIN: NL0000212934) in den vergangenen drei Jahren zwar langfristig analog zum Kupferpreis entwickelt.

Kurzfristig aber kam es immer wieder zu Abweichungen. Als Kupfer etwa Ende Juni leicht konsolidierte, machte das Zertifikat die Bewegung nicht mit. Umgekehrt profitierten die Anleger vom Hoch des Kupferpreises im Frühjahr nicht im selben Maße. Gerade in den vergangenen Tagen kam es zu einer erstaunlichen Diskrepanz. Als Kupfer um fast zehn Prozent einbrach, ging der Preis des Zertifikats praktisch weiter nach oben. Open-End-Zertifikate sind daher - wie Rohstoff-Futures - nicht nur Rohstoff- sondern auch Devisen-Terminkontrakte.

Nur scheinbar sicherer: Quanto-Zertifikate

Als Alternative bieten sich sogenannte Quanto-Zertifikate an, die die beiden Banken ebenfalls im Angebot haben und die vor Währungsrisiken schützen sollen. Indes bringen Quanto-Zertifikate die Währungsschwankungen auf einem Umweg zumindest teilweise wieder zurück. Denn in der Konstruktion wird eine Absicherungsgebühr verrechnet, die sich nach dem Zinsgefälle zwischen dem Dollar und dem Euro bemißt.

Steigen etwa die Zinsen in der Eurozone, während sie in Amerika konstant bleiben, schlägt sich dies in einer geringeren Absicherungsgebühr nieder. In jüngster Zeit verfolgt aber die amerikanische Notenbank eine Politik der kontinuierlichen Zinsanhebung, wohingegen die EZB die Zinsen konstant hält. Das bedeutet, daß Quanto-Anlegern derzeit steigende Absicherungsgebühren die Kursgewinne zunehmend anfressen.

Insofern ist ein Quanto Open End-Zertifikat auch nur ein Doppel-Terminkontrakt, in dem der Währungskontrakt durch einen Zins-Kontrakt ersetzt wird. Ob sich Quanto-Zertifikate gegenüber normalen Open End-Zertifikaten lohnen, ist letztlich schwer zu sagen. Denn Wechselkurs und Zinsdifferential können, müssen aber nicht gleich laufen. Daher kann es in einer Periode mal zugunsten des einen, und in einer anderen mal zugunsten des anderen Konstrukts ausgehen.

Futures im Kleinformat: Turbos

Weiterhin beliebt sind Turbo-Zertifikate in unterschiedlichen Varianten. Hier tun sich vor allem Goldman Sachs und die Raiffeisen Centrobank hervor. Turbos haben - wie der Name schon andeutet - ein deutlich höheres Risiko, bieten gleichzeitig auch entsprechen höhere Chancen. Es handelt sich dabei eigentlich um nichts anderes als für Privatanleger nachgebaute Futures. Das theoretisch unbegrenzte Verlustpotential wird durch eine Notbremse begrenzt. Gerade bei den volatilen Rohstoffen gilt: der Stop-Loss-Level ist schneller erreicht, als man vorher glaubt. In diesem Fall wird die Laufzeit beendet und zumeist der innere Wert des Papiers ausbezahlt, der in der Regel gering ist.

Rendite-Eintopf: Basket- und Index-Zertifikate

Ebenfalls beliebt sind Zertifikate auf Baskets oder Indizes, die in der Regel von den Emittenten selbst konstruiert werden. Hier gilt es, sich das Produkt genau anzuschauen, damit man zum ersten nicht aus Versehen einen Aktienkorb erwischt. Das Problem der Index- und Basket-Zertifikate ist ihre Streuung. Denn die rührt chancenreiche mit weniger aussichtsreichen Investments zusammen.

Dem Quanto Protect Partizipationszertifikat Rohstoff Basket I der Société Générale (ISIN: DE000SG093E0) etwa liegt ein Korb aus Gold, Platin, Aluminium, Kupfer und Rohöl (Brent) zugrunde. Die Spannweite der Kursentwicklung des vergangenen Monats liegt bei nicht weniger als rund 13 Prozent. Öl fiel deutlich, während Gold gut zulegte. Dementsprechend liegt die Entwicklung des Zertifikats ziemlich genau beim Mittelwert der fünf Basiswerte: 1,34 Prozent.

Das zweite Problem sind irreführende Bezeichnungen. So führt Goldman Sachs zwei ähnlich lautende Indizes: den GSCI Excess Return und den GSCI Energy Excess Return. Beide Indizes sind aber im Grunde Ölindizes. Während der GSCI Energy ER, ausschließlich Rohöl, bleifreies Benzin, Heizöl, Gasöl und Erdgas enthält und Brent und WTI auf ein Gewicht von fast 60 Prozent kommen, enthält der GSCI Excess Return zwar 24 Rohstoffe ab, basiert aber zu mehr als drei Vierteln auf Öl und verwandten Rohstoffen. WTI und Brent kommen auf 45 Prozent.

Wer als nicht-professioneller Anleger in Rohstoffe investieren will, fährt trotz aller Nachteile immer noch mit den vergleichsweise risikoarmen Open End-Zertifikaten oder deren Quanto-Varianten am besten. Indes zeigen die Konstruktionen auch deutlich, daß Rohstoffe immer nur eine Depotbeimischung sein können, weil ein erfolgreiches Investment von vielen Faktoren abhängt, die sich sowohl gegenseitig verstärken als auch aufheben können und somit die Ungewißheit über die Wertentwicklung in der Regel erheblich größer ist als bei Aktien oder Anleihen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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