Scherbaums Börse

Die Alkohol-Aktie Pernod Ricard lohnt sich für Anleger

Von Christoph Scherbaum
27.08.2021
, 10:48
Der französische Anisschnaps ist nur eine von vielen starken internationalen Marken von Pernod Ricard.
Das Unternehmen Pernod Ricard hat sich zum international zweitgrößten Wein- und Spirituosenkonzern gemausert. Es bietet nicht nur französisches Savoir-vivre, sondern internationale Genuss-Trends.
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Defensive Wachstumswerte sind bei erfahrenen und langfristig orientierten Anlegern seit vielen Jahrzehnten ein wichtiger Bestandteil des eigenen Portfolios. Beliebt sind dabei vor allem Aktien von Konsumgüterkonzernen. Entsprechend finden sich Titel wie Heineken, Diageo oder Colgate-Palmolive auf den Kurslisten wieder. Wer wiederum eine gewisse Affinität zu Frankreich hat, kommt um eine Aktie nicht herum, die in Deutschland zuletzt nicht so viele Investoren auf dem Schirm hatten: Pernod Ricard.

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Der französische Spirituosenhersteller ist Verbrauchern bekannt durch Marken wie Chivas Regal, Glenlivet (Whisky), Havana Club (Rum), Monkey 47, Beefeater (Gin) oder Absolut Vodka. Der international zweitgrößte Wein- und Spirituosenkonzern hat diese Woche nun mitgeteilt, dass man für das laufende Jahr mit einem höheren Gewinn rechnet. Pernod Ricard bekommt einen unerwarteten Geldregen aus Amerika, in Form von einer Rückerstattung von Importzöllen, die einen zusätzlichen Gewinn vor Steuern in Höhe von 163 Millionen Dollar bedeuten würden.

Schnelle Erholung

Den Franzosen kommt dies nicht ungelegen, entspricht diese Summe unter dem Strich doch einem zusätzlichen organischen Wachstum von knapp einem Prozent im aktuellen Geschäftsjahr, nachdem im vergangenen Jahr noch die gesamte Branche unter den im Zuge der Corona-Krise erlassenen Lockdown-Maßnahmen sowie Reise- und Kontaktbeschränkungen gelitten hatte.

Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg. Bild: Christoph Scherbaum

Die Impfprogramme und die Öffnung der Wirtschaft mit der Rückkehr der Gastronomie haben beim französischen Konzern in den vergangenen Monaten aber für mehr Optimismus gesorgt. Die Erholung schreitet sogar noch schneller voran als man dies auf Managementseite angenommen hatte. Lediglich das Geschäft rund um die Reisebranche will wegen anhaltender Beschränkungen noch nicht so recht wieder anspringen.

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Pernod Ricard wird seine Zahlen zum Geschäftsjahr 2020/21 (Ende Juni) zwar erst am 1. September vorstellen. Dennoch dürfte es heute schon klar sein, dass der Konzern wieder auf Kurs ist. In den ersten neun Monaten war das Unternehmen bereits zum organischen Umsatzwachstum zurückgekehrt. Die besser als erwartet voranschreitende Erholung sowie die im Zuge der Corona-Krise ergriffenen Sparmaßnahmen haben sogar dazu geführt, dass die Prognose für das Wachstum des Ergebnisses aus fortgeführten Geschäften für das Gesamtjahr von ursprünglich 10 Prozent auf 16 Prozent angehoben wurde. Das Ergebnis aus fortgeführten Geschäften soll auf diese Weise in etwa das 2019er-Vorkrisenniveau erreichen.

Bereits vor Ausbruch von Covid-19 hatte Pernod-Ricard eine umfassende, bis 2030 angelegte Konzern-Umwandlung unter dem Namen „Transform & Accelerate“ angestrengt. Hierbei wurde unter anderem mit den Vereinigten Staaten, China, Indien sowie der weltweiten Reise- und Tourismusbranche vier wichtige Regionen und Felder für das zukünftige Wachstum identifiziert.

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Für den amerikanischen Markt wurde mittelfristig ein Wachstumsziel im mittleren einstelligen Prozentbereich ausgegeben. In China will Pernod Ricard im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich wachsen. Zudem soll der Importanteil von 2017 bis 2025 von 1 auf 2 Prozent verdoppelt werden. Teil der Wachstumsinitiative in China sind auch die Stärkung des E-Commerce-Handels und des Konsums von Wein- und Spirituosen zu Hause. Letzteres hat sich in Zusammenhang mit COVID-19 als wichtige Initiative erwiesen. In Indien will derweil Pernod Ricard mittelfristig im niedrigen zweistelligen Prozentbereich wachsen und vor allem seine marktführende Stellung mit einem Marktanteil von rund 45 Prozent ausbauen.

Schon heute beherrscht der Konzern rund ein Viertel des Reise- und Tourismusmarktes. Trotz des COVID-19-Rücksetzers wird hier weiterhin viel Potenzial gesehen. Entsprechend haben die Franzosen ein Auge auf die Spitze im Premium-Segment und die Marktführerschaft Tourismuseinzelhandel geworfen.

Erfolgreiches langfristiges Investment

Bei allen Problemen und Schwierigkeiten durch Corona hat Pernod Ricard zuletzt bewiesen, dass Anleger mit der Aktie Geld verdienen können. Selbst im Krisenjahr legte der Aktienkurs zu. Wer wiederum vor zehn Jahren 10.000 Euro in Aktien des Konzerns investiert hatte, kann heute knapp 30.000 Euro in der Position sein Eigen nennen. Ein Blick dazu auf den Verlauf des Aktienkurses seit 2019.

Nachdem die Aktie von Pernod Ricard im September 2019 auf ein neues Rekordhoch bei 178,80 Euro kletterte, brachen die Notierungen bis zum März 2020 um rund ein Drittel auf in der Spitze 117 Euro ein. Doch es folgte eine steile Aufholbewegung, im Zuge der im Mai dieses Jahres der Ausbruch über das 2019er-Allzeithoch gelang. Nach diesem starken Kaufsignal ging es bis zum Juni auf einen neuen Höchststand bei 189 Euro weiter nach oben, woraufhin der Kurs bis Ende August zeitweise knapp unter die 180er-Marke zurücksetzte. Trotz der aktuellen Korrektur zeigen die Trendpfeile weiter klar nach oben, wie der nach wie vor große Abstand zur 200-Tage-Linie (169 Euro) belegt.

Da die Aktie – allen Krisen zum Trotz – sich seit dem Jahr 2000 in einem übergeordneten Aufwärtstrend befindet, sind weiter steigende Kurse realistisch. Seit 2000 legte der Kurs im Schnitt um 12 Prozent pro Jahr zu. Dabei verlief die Kursentwicklung mit Ausnahme weniger Jahre, wie 2008 oder zuletzt 2020, über die meisten Jahre hinweg sehr stabil, weshalb die Aktie für konservative Anleger geeignet ist, auch wenn die aktuelle Bewertung mit einem 2020er-KGV von mehr als 30 nicht mehr günstig ist.

Quelle: FAZ.NET
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