Ausbreitung des Coronavirus

Anleger setzen auf Hilfen durch die Notenbanken

02.03.2020
, 10:08
Nach den großen Verlusten in der vergangenen Woche steigen die Kurse nun wieder leicht.
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Der Kursrutsch an den Börsen pausiert, auch der Dax startet stabiler in die neue Woche. Das liegt nicht nur am amerikanischen Zentralbankchef.
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Nach hohen Kursverlusten sind die Aktienbörsen zumindest einigermaßen stabil in die neue Woche gestartet. Der deutsche Standardwerteindex Dax tendierte zu Handelsbeginn mehr als 1 Prozent fester und überwand dabei die Marke von 12.000 Punkten. Überdurchschnittlich legten die Kurse von Wirecard, Fresenius Medical Care und Volkswagen zu. Auch an den anderen europäischen Börsen starteten die Aktienkurse überwiegen positiv. Im Vormittagsverlauf verpuffte diese Bewegung allerdings wieder.

In der vergangenen Woche erlebten Anleger zumal in Amerika die schlechteste Börsenkursentwicklung seit der internationalen Finanzkrise, die im Jahr 2008 eskaliert war. Diesseits wie jenseits des Atlantiks verminderten sich die Kurse im zweistelligen Prozentbereich.

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Der Kursrutsch grenzte sich erst ein, als am Freitag der Präsident der amerikanischen Notenbank Federal Reseve, Jerome Powell, öffentlich verlautbarte, dass die Währungshüter angemessen reagieren würden auf die Ausbreitung des Coronavirus. Damit signalisierte er aus Sicht der Börsianer, dass die Fed-Direktoren wohl während ihres nächsten Treffens am 18. März die Leitzinsen senken werden. Die Fachleute der amerikanischen Investmentbank sagen nun eine Zinssenkung von einem halben Prozentpunkt voraus im März und von einem Prozentpunkt in diesem Jahr insgesamt – noch am Freitag waren sie von einem kleineren Schritt ausgegangen.

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Der amerikanische Präsident Donald Trump bekräftigte infolgedessen seine schon häufig vorgebrachte Forderung nach niedrigeren Zinsen in Amerika. „Unsere Fed sollte anfangen, eine Führungsrolle zu übernehmen“, sagte er am Wochenende während einer Pressekonferenz aus dem Weißen Haus, umgeben von Gesundheitsbeamten und Vizepräsident Mike Pence. „Wir sollten die niedrigsten Zinssätze haben. Wir haben nicht die niedrigsten Zinssätze. Unser Leitzins ist höher. Man schaue auf Deutschland, auf Japan und auf andere Länder.“

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Die amerikanischen Notenbanker sind indes nicht die einzigen, die an Maßnahmen arbeiten, um die wirtschaftlichen Folgen der Epidemie einzuhegen. Die Finanzminister der sieben wichtigsten Industriestaaten (G7) wollen in dieser Woche über die Folgen des Coronavirus-Ausbruchs für das Wirtschaftswachstum sprechen. „Es wird eine konzertierte Aktion geben“, kündigte der französische Kassenwart Bruno Le Maire schon einmal an. Er habe am Sonntag mit dem amerikanischen Finanzminister Steven Mnuchin gesprochen, der den G7-Vorsitz innehat. Es werde eine Telefon-Konferenz geben, „um unsere Reaktionen zu koordinieren“, sagte Le Maire dem Fernsehsender France 2.

Heuschreckenplage in China

Auch die Finanzminister der Europäischen Währungsunion stehen seinen Worten zufolge in Kontakt. Er wolle auch mit der Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, reden. „Wir müssen so handeln, dass diese Auswirkungen, von denen wir wissen, dass sie wichtig für das Wachstum sind, so gering wie möglich sind“, betonte Le Maire.

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Die EZB steht wiederum nach Ansicht des französischen Notenbank-Präsidenten Francois Villeroy de Galhau bereit, nötigenfalls wegen des sich ausbreitenden Coronavirus die Konjunktur zu unterstützen. Zusätzliche Schritte seien aber derzeit noch nicht erforderlich, sagte er im französischen Radiosender BFM Business. Die Geldpolitik sei bereits konjunkturfördernd. Sie stelle den Banken reichlich Liquidität zur Verfügung zur Finanzierung der Wirtschaft. „Falls mehr erforderlich ist und wir überzeugt sind, dass das effektiv wäre, dann können wir mehr machen, aber da sind wir noch nicht“, sagte Villeroy.

Bislang spürten die Unternehmen die Hauptlast der wirtschaftlichen Auswirkungen. Je länger die Krise anhalte, umso mehr würden auch Haushalte getroffen. Es bestehe aber die Gefahr dass die Furcht vor einer Erkrankung schlimmere Auswirkungen habe als der Virus selbst. Deshalb müsse man einen kühlen Kopf bewahren.

Die EZB hatte erst im Herbst ein großes Paket zur Stützung der Wirtschaft auf den Weg gebracht. Es umfasste unter anderem eine weitere Senkung des Einlagensatzes gekoppelt mit Erleichterungen für Banken sowie den Neustart ihrer Anleihenkäufe. Inzwischen erwerben die EZB und die nationalen Notenbanken der Euroländer netto wieder Staatsanleihen und andere Wertpapiere im monatlichen Umfang von 20 Milliarden Euro.

Die britische Notenbank kündigte ihrerseits an, das Bankensystem und die Konjunktur vor den Folgen der Conoravirus-Epidemie zu schützen. Dazu werde eng mit dem Finanzministerium und internationalen Partnern zusammengearbeitet, sagte ein Sprecher der Bank of England in London. „Die Bank beobachtet weiterhin die Entwicklungen und bewertet ihre möglichen Auswirkungen auf die globale und britische Wirtschaft sowie auf das Finanzsystem.“ Durch die Zusammenarbeit mit heimischen und internationalen Behörden solle sichergestellt werden, „dass alle notwendigen Schritte zum Schutz der Finanz- und Währungsstabilität unternommen werden“. Die japanische Notenbank äußerte sich ähnlich.

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Die Lufthansa teilte mit, alle Flüge zum chinesischen Festland bis Ende April abgesagt zu haben. Zudem werden jetzt auch Hongkong und Seoul ab Anfang März bis 24. April weniger angeflogen. Wegen der sinkenden Nachfrage dünnt die Lufthansa, zu der auch die Airlines Swiss, Austrian und Brussels Airlines sowie der Billigflieger Eurowings gehören, den Flugplan nach Italien im März aus. Auch die Inlandsflüge in Deutschland werden zusammengestrichen.

Die chinesische Regierung sieht sich unterdessen einer weiteren Herausforderung gegenüber: Sie befürchtet eine Heuschreckenplage. Schwärme der gefräßigen Insekten könnten je nach klimatischen Bedingungen von Pakistan und Indien nach Tibet oder über Myanmar in die südwestlichen Provinz Yunnan eindringen, wie die Nationale Forst- und Grünflächenverwaltung am Montag in Peking mitteilte. Die Insekten könnten aber auch über Kasachstan in die Region Xinjiang vordringen. Die Behörden dieser westlichen Region, die ebenfalls an Pakistan grenzt, sagen vor allem für Juni und Juli eine zunehmende Gefahr voraus, sollten die Ausbrüche im Ausland bis dahin nicht wirksam kontrolliert werden können, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

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Die Wüstenheuschrecken haben bereits in mehreren Ländern Ostafrikas Ernten und Weideland verwüstet. Die Schwärme haben sich bis nach Indien und Pakistan ausgebreitet. Sie können bis zu 150 Kilometer pro Tag mit dem Wind fliegen. Erwachsene Insekten können täglich ungefähr ihr eigenes Gewicht an frischer Nahrung verzehren.

Peking hat eine spezielle Arbeitsgruppe eingerichtet. Sie soll eine mögliche Heuschreckeninvasion überwachen und bekämpfen, kündigte die Forst-Regierungsbehörde an. Auch die lokalen Verwaltungen „müssen sich der extremen Bedeutung der Vorbeugungs- und Bekämpfungsarbeit gegen Heuschrecken voll bewusst sein“. Sie sollten Pestizide und Ausrüstung lagern. Auch müsse genügend Personal bereitstehen, um sofortige und wirksame Maßnahmen zu ergreifen. Das Risiko, dass Schwärme in das Land eindringen, sei aber derzeit noch gering.

Quelle: ala./Reuters
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