Währungspolitik

Banken fürchten Risiken durch EZB-Plan für digitalen Euro

Von Markus Frühauf
12.05.2021
, 09:56
Die EZB will im Sommer darüber entscheiden, ob sie ihre Pläne zur Digitalisierung des Euro umsetzt. Doch eine Umfrage zeigt, dass Fachkräfte Bedenken über die Umsetzung haben.

In fünf Jahren kann sich die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, die Einführung eines digitalen Euros vorstellen. Bis dahin ist also noch etwas Zeit, um Führungskräfte in Banken, Fondsgesellschaften und anderen Finanzinstituten über das Projekt und seine Auswirkungen aufzuklären. In einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Forschungsinstituts der Frankfurter Goethe-Universität, des Centers for Financial Studies (CFS), zeigt sich die Mehrheit der befragten Fach- und Führungskräfte noch unschlüssig darüber, wie sie das Vorhaben einordnen sollen.

In dieser Unsicherheit überwiegen dann auch die Sorgen. Denn mit fast drei Vierteln bekundet eine klare Mehrheit Sorgen mit Blick auf das eigene Geschäftsmodell, sollte die EZB den Unternehmen und Haushalten zur Einführung des digitalen Zentralbankgeldes erlauben, bis zu einer bestimmten Grenze Einlagen bei ihr zu halten. Es kann die Refinanzierung der Banken erschweren, wenn die Notenbank einen Teil ihrer Einlagen abnimmt. Jedoch muss der EZB zugutegehalten werden, dass sie eine Destabilisierung der Geschäftsbanken durch den digitalen Euro in jedem Fall vermeiden will.

Gruppenzwang im internationalen Bankenwesen

In diesem Sommer wollen die Gremien der Zentralbank eine Entscheidung darüber treffen, ob das Projekt des digitalen Euros fortgesetzt werden soll. Aufgrund der umfangreichen Vorbereitungen wie einer öffentlichen Konsultation sowie den Arbeiten anderer Zentralbanken an digitalem Geld ist davon auszugehen, dass die EZB die Entwicklung weiter vorantreiben wird. Am weitesten ist die chinesische Zentralbank, die den digitalen Yuan schon in bestimmten Städten testet.

Derweil herrscht in deutschen Finanzinstituten noch Rätselraten: „Die Umfrage zeigt, dass viele Marktteilnehmer noch kein klares Meinungsbild haben, ob man einen digitalen Euro braucht und wie er ausgestaltet werden sollte“, sagte Volker Brühl vom CFS. Er fordert, die Finanzindustrie in das Projekt aktiv einzubinden.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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