Bitcoin

Höhenflug trotz begrenzten Nutzens

Von Franz Nestler
29.12.2020
, 14:11
Der Preis von Bitcoin ging über Weihnachten auf Höhenflug. Über die Gründe gibt es viele Vermutungen. Der Nutzen als Zahlungsmittel ist es jedenfalls nicht.

Die Digitalwährung Bitcoin hat ihren Höhenflug über Weihnachten fortgesetzt. Der Kurs kletterte am Sonntag bis auf 28.635 Dollar und überschritt damit erstmals in seiner Geschichte die Marke von 28.000 Dollar. Danach konnte sie das Niveau nicht halten – am Dienstag notiert sie noch mit rund 26.900 Dollar – doch seit dem Weihnachtswochenende steht nichtsdestotrotz ein Plus von 3700 Dollar zu Buche. Damit ist die Jahresbilanz der ältesten und bekanntesten Kryptowährung beeindruckend: Noch im März war der Kurs auf rund 4000 Dollar gefallen, seit Ende November verteuerte sich der Bitcoin um rund 7000 Dollar oder 35 Prozent.

Begründungen für den Kursanstieg gibt es einige. Wie valide diese sind, lässt sich aber kaum sagen. Man kann festhalten, dass das Thema Digitalwährungen wieder deutlich mehr in den Fokus gerückt ist. Zu verdanken dürfte dies vor allem dem Zahlungsdienstleister Paypal sein, der seinen Kunden die Bezahlung in Digitalwährungen wie etwa Bitcoin ermöglichen will. Auch Facebook, das mit einem Konsortium eine eigene Digitalwährung an den Start bringen will, hat viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Zudem sollen institutionelle Investoren mehr in Kryptodevisen investieren, valide Angaben dazu lassen sich aber kaum finden. Zu guter Letzt wird auch die Corona-Pandemie als Grund für die Beliebtheit der Digitalanlagen genannt. So soll die stark steigende Staatsverschuldung Investoren in Bitcoin treiben. Einige Anleger sollen deswegen eine mittel- bis längerfristig steigende Inflation fürchten, wogegen sie sich mit alternativen Anlagen absichern wollen.

Vielleicht ist das Spekulieren mit der Digitalwährung aber auch einer der wenigen verbliebenen Nutzen, den Bitcoin noch haben. Denn als Währung taugen sie seit einiger Zeit nicht mehr. So kostet eine Transaktion aktuell rund acht Dollar – viel zu viel, um wirklich als Zahlungsmittel nützlich zu sein. Die mittlere Bestätigungszeit für eine Transaktion beträgt 13 Minuten. Wer digital mit Paypal oder Kreditkarte zahlt, kann über solche Gebühren oder Bestätigungszeiten nur müde Lächeln.

Unabhängig davon können andere Digitalwährungen vom Bitcoin-Boom nicht so recht profitieren. Die Marktkapitalisierung aller Kryptodevisen beträgt rund 725 Milliarden Dollar. Doch davon macht Bitcoin knapp 70 Prozent oder 500 Milliarden Dollar aus. Alle anderen Digitalwährungen zusammen sind also nur knapp 225 Milliarden Dollar wert. Zur Boomzeit im Januar 2018 waren es einmal bis zu 525 Milliarden Dollar.

Wie schnell es mit dem Kryptoboom vorbei sein kann, sieht man im Moment eindrucksvoll an Ripple. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC leitete Ermittlungen gegen die Betreiber der Digitalwährung ein. Daraufhin wurde der Handel auf vielen Handelsplattformen ausgesetzt; der Kurs brach um bis zu 60 Prozent ein.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Nestler, Franz
Franz Nestler
Redakteur in der Wirtschaft.
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