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Das Scheitern der Facebook-Währung

Von Thomas Klemm
 - 07:31
Libra: Facebooks angekündigte Kryptowährung

An diesem Mittwoch muss Mark Zuckerberg wieder einmal seriös erscheinen. Anzug anziehen, Krawatte binden und in Washington gute Miene zu den Fragen der amerikanischen Kongressabgeordneten machen. Darin hat der Facebook-Chef eine gewisse Routine, hat er sich im Zuge des Datenskandals um Cambridge Analytica doch schon im vergangenen Jahr mehrmals vor Parlamentariern rechtfertigen müssen. Die Anhörungen brachte Zuckerberg überraschend mühelos hinter sich, nächste Woche dagegen dürfte er sich schärferen Fragen stellen müssen. Denn es geht um das Großprojekt Libra, also die von Facebook vorangetriebene Digitalwährung. Sie ist nach Ansicht von Politikern und Notenbankern in aller Welt dazu angetan, das ganze Finanzsystem ins Wanken zu bringen.

Die Warnungen kommen nicht von ungefähr. Anders als beispielsweise die bekannte Kryptowährung Bitcoin soll Libra an einen Korb stabiler Währungen wie den Dollar und den Euro gekoppelt und durch Bankeinlagen und Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit gedeckt werden. Wird dieser Reservefonds sehr groß, weil ein maßgeblicher Teil der 2,4 Milliarden Facebook-Nutzer Libra zum Bezahlen, Überweisen und Aufbewahren nutzt, könnte dies zu enormen Problemen führen: Notenbanken hätten weniger Einfluss auf Geldmenge und Preisstabilität. Und sie könnten nur wenig ausrichten, wenn viele Menschen die Digitalwährung wegen eines Hackerangriffs oder wegen Datenmissbrauchs loswerden wollen und der Libra-Fonds alle Einlagen und Staatsanleihen auf die Schnelle verkaufen müsste. Dies wäre eine Art globaler Bank Run – mit womöglich fatalen Folgen.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Klemm, Thomas
Thomas Klemm
Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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