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Finanzdienst aus Schweden

Bankenschreck Klarna eröffnet Tech-Hub in Berlin

Von Antonia Mannweiler
 - 09:25
Finanzarchitekt: In diesem Berliner Gebäude entsteht Klarnas Innovationszentrum

Das Jahr 2019 war für den schwedischen Finanzdienstleister Klarna womöglich das erfolgreichste in seiner 14-jährigen Firmengeschichte: Im August erhielt das Unternehmen in einer Finanzierungsrunde 460 Millionen Dollar. Damit steht der schwedische Paypal-Konkurrent an der Spitze der wertvollsten Fintechs Europas mit einem Unternehmenswert von 5,5 Milliarden Dollar. Derzeit arbeiten auf der Welt rund 2500 Menschen für Klarna – im nächsten Jahr sollen mehr als 250 neue Arbeitsplätze hinzukommen. Dann soll im Berliner Stadtteil Mitte ein Tech-Hub, ein Kompetenzzentrum für Innovation, des Zahlungsdienstleisters entstehen.

In Deutschland macht das von Sebastian Siemiatkowski gegründete Unternehmen mittlerweile einen höheren Umsatz als in seinem Heimatland Schweden. Man wolle daher den Standort Berlin stärken, der nach Stockholm zum zweitgrößten werden soll. Man könne sich nicht nur auf den schwedischen Sitz verlassen, sagt Robert Bueninck, Geschäftsführer von Klarna für Deutschland, Österreich und die Schweiz, im Gespräch mit der F.A.Z. In der deutschen Hauptstadt erhofft sich das Unternehmen vor allem, gute junge Leute als Mitarbeiter zu gewinnen.

Auch die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sieht die Eröffnung des Tech-Hubs von Klarna als gute Nachricht für den Wirtschaftsstandort der Hauptstadt: „Hier sind mehr Fintechs ansässig als in München, Frankfurt und Hamburg zusammen. Unternehmen, die erfolgreich die Finanzbranche digital neu aufstellen, suchen ihren Standort nicht in den traditionellen Zentren der Finanzwirtschaft, sondern dort, wo sie digital affine Fachkräfte finden.“

In Stockholm gebe es eine viel größere Konkurrenz um gut ausgebildete Tech-Talente, erklärt Bueninck. Auch seien mehr Menschen bereit, nach Berlin zu kommen als nach Schweden. Das liege unter anderem an den hohen Lebenshaltungskosten in dem skandinavischen Land. Dass Berlin Stockholm als neuen Hauptsitz des Unternehmens ablösen könne, verneint Bueninck aber.

Alle acht Minuten kommt ein neuer Händler dazu

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Klarna einen Umsatz von rund 532 Millionen Euro und wuchs damit im Vergleich zu 2017 um mehr als 30 Prozent. Und auch das Transaktionsvolumen nahm um mehr als ein Drittel zu und stieg auf 24,6 Milliarden Euro an. „Alle acht Minuten gewinnen wir einen neuen Händler“, sagt Bueninck. Zu den Partnern gehören unter anderem Adidas, Nike oder H&M. Allein in Deutschland nutzen mehr als 30 Millionen Menschen Klarnas Dienste. Der Fokus richte sich künftig aber auch stärker auf das Geschäft in Amerika. Dort wachse man jährlich um sechs Millionen Kunden. Es sei der Markt, in dem Klarna am schnellsten zulege.

Das rasante Wachstum des Finanz-Start-ups begründet sich auch in Klarnas Geschäftsmodell, in welchem Kunden mehr Freiheit erhalten, wie sie ihre Rechnungen zahlen. Das Unternehmen fungiert dabei als Schnittstelle zwischen Online-Shop und Käufer. Die komplette Transaktion wird über das Fintech abgewickelt. Wer in einem der rund 190000 Partner-Online-Shops von Klarna etwas bestellt, kann sich aussuchen, wann und wie er seine Rechnung begleichen will: Entweder bezahlt der Kunde sie sofort, erst bei Erhalt der Ware, bis zu maximal 14 Tage später oder in Raten.

Verbraucher sollen vor Betrug geschützt werden

Für den Verbraucher hat das nicht nur den Vorteil der Flexibilität. Dadurch soll er, so ein Gedanke, auch vor zweifelhaften Händlern geschützt werden – durch die Möglichkeit, dass er das Produkt erst zahlt, nachdem er die Ware erhalten hat. „Der Konsument wird geschützt“, sagt Bueninck. Etwa wenn die Ware gar nicht ankomme, oder man unzufrieden mit ihr sei. Doch nicht nur der Konsument werde in Schutz genommen, betont er. Das gelte auch für die Händler, die Klarna sofort auszahlt – selbst wenn sich die Nutzer für den Kauf auf Rechnung oder auf Raten entschieden haben.

Zudem überprüft das Unternehmen anhand historischer und externer Daten die Verbraucher bezüglich ihrer Kreditwürdigkeit; ob es etwa Einträge bei der Schufa gibt. Man wolle niemandem Zahlungen verweigern, sagt Bueninck. Gleichzeitig könne man aber nicht jeden akzeptieren. So gebe es zum Beispiel immer wieder Versuche von Kunden unter dem Pseudonym „Mickey Mouse“ in Raten zu bezahlen.

„Du kaufst ein. Also entscheidest auch du, wie du bezahlst“, wirbt Klarna. Trotz der Zahlungsflexibilität, die das Fintech und auch andere Zahlungsdienstleister mit dem Konzept „Heute kaufen, morgen zahlen“ anbieten wie Afterpay oder auch Paypal, wird an deren Geschäftsmodell auch Kritik geübt. Auch dass der Rapper Snoop Dogg das Werbegesicht von Klarna ist, hat mit seiner jungen Zielgruppe zu tun. Diese können ihre Rechnungen ohne großen Aufwand auch in Raten zahlen, ohne dafür zur Hausbank gehen zu müssen. Bei einem fixen Ratenkauf fällt für Klarna-Kunden ein Sollzinssatz von rund 10 Prozent an, bei einer Laufzeit zwischen sechs und 24 Monaten. Und wer seine Raten flexibel zurückzahlen will, zahlt sogar rund 12 Prozent. Im Vergleich zu Ratenkrediten sind Ratenkäufe zwar oftmals schneller zu erhalten. Im direkten Vergleich sind sie dafür in den allermeisten Fällen auch teurer.

Es stellt sich die Frage, ob es solche Anbieter erleichtern, sich zu verschulden. Verspätet sich eine Zahlung, kommen drei Mahnbescheide bei den Kunden an – zu jeweils 1,20 Euro. Große Konsequenzen gibt es also für den Zahlungsverzug im ersten Moment nicht. Man wolle Mahnbescheide nicht als Haupteinnahmequelle nutzen, sagt Bueninck dazu und nennt es eine „negative Einnahmequelle“. Langfristig würde man gern darauf verzichten wollen. Die Haupteinnahmequelle solle nach wie vor der Händler sein.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Mannweiler, Antonia
Antonia Mannweiler
Redakteurin in der Wirtschaft.
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