Gescheiterter Stablecoin Iron

Kein Weltuntergang

EIN KOMMENTAR Von Martin Hock
22.06.2021
, 22:26
Im geheimnisvollen Krypto-Dschungel lauert auch manches Unheil.
Das spektakuläre Scheitern des Stablecoins Iron zeigt Gefahren, die in diesem Bereich lauern. Es ist aber kein Grund für die totale Verdammung.

Kryptoanlagen sind umstritten, seit es sie gibt. Manche heben sie in den Himmel, manche verdammen sie zur Hölle. Recht hat keiner. Denn wie immer kommt es schlicht darauf an, wovon genau man redet.

Krypto-Zahlungen sind zu teuer? Nicht im Fuse-Netzwerk. Man kann damit nichts anfangen? Zahlreiche Anwendungen von Ethereum legen andere Schlüsse nahe. Ihre Preise sind zu volatil? Da sagen Stablecoins etwas anderes. Aber halt! Schon wieder kommt es darauf an. Dass nämlich nicht jeder Stablecoin auch gleich eine stabile Münze ist, hat das Desaster des kurzlebigen Iron nun wohl bewiesen, während der USD-Coin wieder einen anderen Eindruck macht.

Der Fall Iron könnte nun die Mühlen der Regulatoren, die in jüngster Zeit an Tempo zugelegt haben, noch schneller laufen lassen. Und man muss sagen: Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass Regulierung etwas Positives sein kann, dann hat ihn diese Entwicklung erbracht. Der Glaube, dass das Zusammenleben von Menschen keiner geschriebenen Regeln bedarf, war immer und über all irrig und verdrängt im Grunde, dass Menschen zum einen eben doch nicht immer das Wohl des Ganzen im Auge haben.

Und zum anderen, dass sie eben fehlerhaft sind. Die Schöpfer von Iron hatten die Rechnung ohne den Gast (Nutzer) gemacht. Ihrem Selbstbewusstsein (oder ihrer Ignoranz?) hat es nicht geschadet: Sie wollen der Welt ein Iron 2.0 bescheren. Hoffentlich nicht.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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