Digitalwährungen

Mastercard setzt auf Kryptowährungen

Von Franz Nestler
26.10.2021
, 18:07
Mastercard setzt nun auch auf Digitalwährungen.
Raus aus Maestro, rein in Digitalwährungen – wo will der Kreditkartenkonzern Mastercard hin?
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Der Kreditkartenanbieter Mastercard ist immer wieder für eine Überraschung gut. Nachdem er vergangene Woche das Aus für Maestro verkündete, kommt diese Woche der nächste Paukenschlag: Der amerikanische Konzern möchte seinen Kunden nun Zahlungen in Bitcoin ermöglichen. Das hat natürlich eine Wucht: Mastercard hat 35 Millionen Vertragsunternehmen und 2,8 Milliarden ausgegebene Karten und ist damit einer der größten Zahlungsdienstleister weltweit. Was steckt dahinter?

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Vereinfacht gesagt, möchte Mastercard allen Kunden, Händlern und Banken, die an das Netzwerk angeschlossen sind, Zahlungen mit Bitcoin und weitere Kryptoservices anbieten. Das sagte Sherri Haymond, verantwortlich für digitale Partnerschaften bei Mastercard, dem amerikanischen Fernsehsender CNBC. Dieser hat auch noch mehr Details erfahren: So soll Mastercard künftig das Senden und Empfangen von Bitcoin anbieten wollen. Es soll aber auch Bitcoin-Wallets, auf denen die Digitalwährungen gespeichert werden, oder auch Belehnungsprogramme geben. Vorstellbar sei zum Beispiel, dass über Flüge und Hotelbuchungen erhaltene Treuepunkte in Bitcoin umgewandelt werden können. Ob noch andere Kryptowährungen unterstützt werden, ist noch nicht bekannt.

Dazu hat sich Mastercard mit Bakkt zusammengetan, einem Wallet-Anbieter, der die entsprechende Infrastruktur verantworten soll. Der Kurs der Aktie des Unternehmens schoss daraufhin in die Höhe: Von 9 Dollar ging es hoch auf mehr als 30 Dollar – eine Verdreifachung des Kurses. Bakkt arbeitet auch mit Google Pay zusammen.

Abfluss in Kryptosektor verhindern

Doch welches Ziel verfolgt Mastercard? Das sagte Haymond ganz offen: Ziel sei es, den stetigen Abfluss aus dem traditionellen Finanzsektor in den Kryptosektor zumindest abzubremsen. Schon mindestens seit Jahresanfang liegen die Vorschläge in der Schublade. Damals hieß es in einer Pressemitteilung: „Unsere Philosophie in Bezug auf Kryptowährungen ist ganz einfach: Es geht um Wahlmöglichkeiten. Mastercard ist nicht hier, um Ihnen zu empfehlen, Kryptowährungen zu verwenden. Aber wir sind hier, um Kunden, Händlern und Unternehmen die Möglichkeit zu geben, digitale Werte – herkömmliche oder Kryptowährungen – zu bewegen, wie sie wollen. Es sollte Ihre Entscheidung sein, es ist Ihr Geld.“

Dass man sich von Maestro verabschiedet hat, erscheint da nur folgerichtig: Immer weniger Menschen nutzen weltweit den Service. Er ist im Internet auch nicht nutzbar. Zusätzlich ist er für Mastercard teuer. Im hart umkämpften Markt für Bezahlkarten – seien es Debitkarten oder Kreditkarten – ist die Marge ohnehin gering. Deswegen versucht der Konzern nun zum einen, neue Geschäftsfelder zu erreichen – etwa durch Kryptowährungen –, und zum anderen, die Margen zu erhöhen und die eigenen Produkte zu fördern, wie durch das Maestro-Aus.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Nestler, Franz
Franz Nestler
Redakteur in der Wirtschaft.
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