Das nächste Einhorn

Pleo wird wertvollstes dänisches Fintech

Von Antonia Mannweiler
05.07.2021
, 19:04
Das dänische Fintech Pleo verspricht: Keine lästige Zettelwirtschaft mehr bei der Spesenabrechnung.
Ein Ende der Mega-Deals für Fintechs ist nicht in Sicht. Der Anbieter von Firmenspesenkarten aus Kopenhagen sammelt 150 Millionen Dollar ein – und knackt die Milliarden-Bewertung.

Noch ist kein Ende in Sicht für den Sommer der Mega-Deals für Fintechs. Nachdem für den Neobroker Trade Republic und den Insurtech Wefox aus Berlin großen Investitionsrunden abgeschlossen wurden, folgt nun das dänische Finanz-Start-up Pleo. Das Unternehmen sammelte, wie es am Dienstag bekanntgab, 150 Millionen Dollar ein und kommt damit auf eine Bewertung von 1,7 Milliarden Dollar. Es ist damit das erste dänische Fintech-Einhorn. So werden Start-ups mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar bezeichnet. Angeführt wurde die neuerliche Finanzierungsrunde von den beiden großen US-Wagniskapitalgebern Bain Capital Ventures und Thrive Capital, die sich auch an anderen großen Start-ups wie LinkedIn oder Lemonade beteiligt haben.

Das in Kopenhagen ansässige Fintech Pleo bietet nach eigenen Aussagen vor allem kleineren und mittelgroßen Unternehmen von bis zu 1000 Mitarbeitern eine Komplettlösung für Unternehmensausgaben an. Konkret erhalten etwa Mitarbeiter eigene Firmenspesenkarten erhalten, mit denen sie Anschaffungen für die Arbeit oder auch dienstliche Bahnfahrten und Flüge bezahlen können. Auch können Mitarbeiter Kassenbelege einfach mit dem Smartphone abfotografieren und in der App abspeichern – das Unternehmen wirbt: keine lästige Zettelwirtschaft mehr.

Die Rechnungen werden dann digital kategorisiert. Die Unternehmen können für die Karten Ausgabenlimits setzen. Die Ausgaben selbst werden in Echtzeit in einer App verfolgt und gespeichert. Auch kann die Pleo-App in die Buchhaltung integriert werden, damit soll der Prozess der Ausgaben komplett automatisiert werden.

Überblick verloren

Es gehe darum, als Organisation die Kontrolle über die Ausgaben zurückzuerlangen, sagt Pleo-Mitgründer Jeppe Rindom im Gespräch mit der F.A.Z. Unternehmen vergeudeten viel Zeit mit dem Ausgabenmanagement. Die Idee sei ihm als Finanzchef in einem anderen Unternehmen gekommen. Dort habe es keine individuellen Karten für Mitarbeiter gegeben, so dass diese für diverse Ausgaben auch gelegentlich Rindoms Karte verwendeten. Er habe mit der Zeit aber den Überblick verloren, wer gerade seine Karte habe oder welche Abonnements noch über die Firmenkarte liefen. Die Komplexität sei viel zu hoch gewesen, so Rindom. Dabei wollte er das Problem vor allem von der Payment-Perspektive aus lösen, und nicht von einer Software-Seite beleuchteten wie etwa SAP dies tue.

Pleo ist nicht der einzige Anbieter, der auf den lukrativen Markt für das Ausgabenmanagement drängt. Das französische Start-up Spendesk ist aktuell auch in Deutschland mit einer eigenen Software präsent. Dort können wie bei Pleo alle Ausgaben in einer App gesammelt und nachverfolgt werden. Auch der deutsche Anbieter pliant gehört zu den Konkurrenten.

Die Unternehmen zahlen für die Nutzung von Pleo monatlich 10 Euro je Mitarbeiter, der den Service nutzt. Das sei nicht viel Geld, sagt Rindom, wenn man bedenke, dass man damit Geld in Höhe eines Monatsgehalts eines Angestellten sparen könne. Kleineren Unternehmen mit fünf bis zehn Mitarbeitern bietet Pleo auch die kostenfreie Nutzung der Plattform mit weniger Funktionen an.

Ehrgeizige Ziele

Mittlerweile zählt das 2015 gegründete Fintech Pleo rund 17.000 Unternehmen in Dänemark, Schweden, Deutschland, Großbritannien, Irland und Spanien zu seinen Kunden. Jede Woche kämen insgesamt 300 neue Unternehmen dazu, sagt Rindom. Der größte Markt sei derzeit noch Großbritannien – dort sei man jedoch früher gestartet – dahinter folge aber schon Deutschland. Gerade der deutsche Markt scheint attraktiv, Schätzungen gehen immerhin von knapp 3,5 Millionen kleinen und mittelgroßen Unternehmen hierzulande aus.

Das Geld aus der Finanzierungsrunde soll dem weiteren Wachstum dienen und unter anderem zur Finanzierung von Neueinstellungen genutzt werden. Derzeit arbeiten 330 Mitarbeiter für Pleo - Ende nächsten Jahres sollen es 1000 sein. Das dürfte auch notwendig sein, will man die äußerst ehrgeizige Ziele erreichen: Bis Ende 2025 soll die Zahl der Kunden auf eine Million steigen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Mannweiler, Antonia
Antonia Mannweiler
Redakteurin in der Wirtschaft.
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