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Edelmetalle

Der Goldmarkt ist gespalten

Von Judith Lembke
 - 17:20
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Zwei Männer, beide verdienen ihr Geld mit Gold und doch könnte ihre Lage kaum unterschiedlicher sein: Der legendäre Hedgefonds-Manager John Paulson kämpft in Amerika um sein Renommee. Der Rückgang des Goldpreises in den vergangenen Wochen hat die Gewinne seines Goldfonds, mit dem er vor allem in Minenaktien investiert hat, fast aufgezehrt. Mehr als 16 Prozent seines Wertes soll der Fonds im September verloren haben. Innerhalb des Monats war der Goldpreis um 200 Dollar auf 1623 Dollar je Unze (31,1 Gramm) zurückgegangen. Paulson hatte hingegen auf einen steigenden Goldpreis gewettet. Nun muss er sich gegenüber seinen Geldgebern erklären.

Ganz anders ist die Lage in München. Robert Hartmann, Geschäftsführer von Pro Aurum, dem größten privaten Edelmetallhandelshaus in Deutschland, frohlockt. Seit der Goldpreis von seinem Höchststand bei 1921 Dollar je Unze Anfang September heruntergekommen ist, stehen die Käufer bei ihm Schlange, um physisches Gold in Form von Barren und Münzen zu erstehen. „Die Kunden nutzen die Korrektur für Zukäufe", sagt Hartmann. Vor allem Anleger, die schon lange darauf gewartet hätten, in den Goldmarkt einzusteigen, wollten von den gefallenen Preisen profitieren, um bei einem abermaligen Kursanstieg dabei zu sein. Noch stärker sei jedoch das Interesse an Silberprodukten, sagt Hartmann. „An einigen Tagen verkaufen wir fünf Tonnen Silber, das ist ein absoluter Spitzenwert." In normalen Zeiten verkaufe Pro Aurum etwa die Hälfte dessen. Seit dem Frühjahr hat sich Silber von knapp 50 Dollar je Feinunze auf 30 Dollar je Feinunze verbilligt.

Der physische Goldmarkt hat sich abgekoppelt

Die Geschichten der beiden Unternehmer stehen für einen Trend, der sich gerade am Goldmarkt vollzieht: Der Markt für physisches Gold hat sich von den Spotmärkten abgekoppelt. Während das Geld aus den Goldfonds abfließt - im September wurden knapp 17 Tonnen Gold aus den ETF abgezogen - und Investoren ihre Terminkontrakte verkaufen, sind Barren und Münzen gefragter denn je.

Die Korrektur des Goldpreises hatte verschiedene Ursachen. Der starke Dollar verdarb vielen Anlegern den Appetit auf das Edelmetall, das in amerikanischer Währung gehandelt wird. Gleichzeitig hob die amerikanische Terminbörse CME Group die Sicherheitsleistungen (margins), die bei Termingeschäften hinterlegt werden müssen, deutlich an. Die Käufer physischen Goldes bewegen jedoch andere Gründe: Angesichts von Schreckensnachrichten über Euro- und Bankenkrise wollen sie vor allem ihr Vermögen in Sicherheit wissen.

Zentralbanken stocken Goldvorräte auf

Auch Zentralbanken und Regierungen stocken ihre Goldvorräte weiter auf. Im ersten Halbjahr 2011 kauften sie nach Angaben des World Gold Council knapp 200 Tonnen Gold - im gesamten Jahr 2010 waren es dagegen nur 77 Tonnen. Zudem ist die Nachfrage nach Goldschmuck unvermindert hoch, gerade in Asien. Ihr sei es vor allem zu verdanken gewesen, dass der Goldpreis nicht noch viel stärker eingebrochen sei, heißt es in einem Marktkommentar der Commerzbank. Im ersten Halbjahr sei die Schmucknachfrage um 7,5 Prozent gestiegen, obwohl der Goldpreis im gleichen Zeitraum um 25 Prozent zugelegt habe, heißt es im aktuellen Marktbericht des auf Edelmetalle spezialisierten Analyseunternehmens GFMS. Der Anstieg sei vor allem auf Käufer aus China und Indien zurückzuführen, schreibt GFMS.

Unterdessen zeigen sich die Analysten mit Blick auf die weitere Entwicklung des Goldpreises unentschieden. Während sich Rohstoffanalyst Eugen Weinberg von der Commerzbank wundert, dass der Goldpreis angesichts einer Rückkehr des Risikoappetits, der sich unter anderem in steigenden Aktienkursen zeigt, nicht noch stärker unter Druck gekommen ist, erhöhen andere Banken ihre Prognosen. Die Investmentbank Morgan Stanley hat ihre Goldpreisprognose für das kommende Jahr gerade auf 2200 Dollar je Feinunze erhöht. Zwar könnten Goldverkäufe durch die Europäische Zentralbank oder von Seiten privater Banken die Korrekturphase verlängern. Neben technischen Faktoren sehen die Analysten einen Preisanstieg beim Gold vor allem in seiner Funktion als "sicherer Hafen" begründet. Vor allem die Unsicherheit über den Schuldenabbau in Amerika sowie das Unvermögen der europäischen Politiker, den Marktteilnehmern die Ängste hinsichtlich der Krise im Euroraum zu nehmen, sehen die Analysten der Investmentbank als Preistreiber.

Quelle: F.A.Z.
Judith Lembke
Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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