Edelmetalle

Die Gründe für eine Pause beim Goldpreisboom

24.02.2012
, 04:47
Der Goldpreis tritt seit einem halben Jahr per saldo auf der Stelle. Und laut den Analysten der LBBW gibt es gute Gründe, die zunächst für eine Fortsetzung dieses Seitwärtstrends sprechen.

Seit Ende Dezember, als die Notiz mit 1.522 Dollar auf ein Mehrmonatstief abgerutscht war, hat der Goldpreis wieder spürbar um mehr als 200 Dollar je Feinunze zugelegt. Der zuvor erlittene zwischenzeitliche Einbruch ist somit wieder wettgemacht. Doch noch bewegt sich die Notiz in einer bereits seit August gültigen Preisspanne (siehe Grafik).

Gestützt wird der Goldpreis derzeit nicht zuletzt vom regen Interesse der Notenbanken. Diese haben 2011 so viel Gold gekauft wie zuletzt 1964. Während diese noch im Jahr 2008 per Saldo knapp 240 Tonnen veräußerten, wurde zuletzt nur in geringfügigem Umfang Gold verkauft, bilanziert die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in einer Studie. Dagegen traten mit Mexiko, Südkorea und Bolivien drei weitere Schwellenländer als Käufer auf den Plan. Nach Angaben des World Gold Councils betrugen die Notenbankkäufe 2011 in der Summe knapp 440 Tonnen Gold. Und auch 2012 sind von dieser Seite hohe Käufe zu erwarten (siehe Grafik).

Investmentnachfrage in diesem Jahre bislang gering

Deutlich nachgelassen hat jüngst dagegen laut LBBW-Analyst Thorsten Proettel die Nachfrage von Seiten der Investmentgemeinde. In den vergangenen Jahren haben die vielen volkswirtschaftlichen Hiobsbotschaften zwar viele Anleger zu Goldinvestments getrieben. Auch 2011sei die Nachfrage nach Barren von 900 auf 1.160 Tonnen gestiegen und die Münznachfrage habe sich leicht auf knapp 240 Tonnen erhöht, während sich der Absatz von physisch hinterlegten Wertpapieren in etwa halbierte. Die Goldkäufe der Emittenten hätten im Vorjahr nur gut 150 Tonnen nach knapp 370 Tonnen im Jahr 2010 betragen. Hieran zeige sich eine deutliche Schwerpunktverschiebung der Nachfrage von der westlichen Welt, wo ETFs und Münzen beliebt seien, hin zu den Schwellenländern, wo die Wahl tendenziell auf Barren falle (siehe Grafik).

In der Summe belief sich die Nachfragesteigerung auf knapp 5 Prozent und damit den niedrigsten Wert der vergangenen Jahre, fasst Proettel zusammen. Und 2012 könnte die Investmentnachfrage nach seiner Einschätzung sogar etwas zurückgehen. Hierfür spreche einerseits eine gewisse Sättigung in vielen Märkten wie auch das allgemein freundlichere Kapitalmarktumfeld. Aufgrund der großen Liquiditätsspritzen der EZB entspanne sich nicht nur der europäische Staatsanleihenmarkt. Als Folge davon seien die Aktienmärkte haussiert und die Goldnachfrage sei in den vergangenen Wochen ausgesprochen klein geblieben.

Minenförderung steuert 2012 auf Rekordjahr zu

Gleichzeitig berichtet Proettel über eine wieder steigende Goldproduktion. Von 2001 bis 2008 sei die Goldförderung im Trend um 1,3 Prozent jährlich gesunken und habe dadurch einen guten Nährboden für Preissteigerungen gebildet. Das Anziehen der Notierungen habe allerdings immer mehr Minenprojekte rentabel gemacht, die früher nicht wirtschaftlich gewesen seien. Noch stärker wirke sich das Hochfahren der bestehenden Förderung aus. Entsprechend sei die Goldgewinnung von etwa 2.400 Tonnen im Jahr 2008 auf 2.800 Tonnen im Jahr 2011 gestiegen. Der Zuwachs habe sich im vierten Quartal etwas verlangsamt. Dennoch dürfte die Goldausbeute in verschiedenen afrikanischen Staaten weiter zulegen und die Minenförderung 2012 deshalb mit schätzungsweise mehr als 2.900 Tonnen auf ein neues Rekordjahr zusteuern, schätzt Proettel (siehe Grafik).

2012 dürfte sich nach Ansicht von Proettel zudem der schon seit längerer Zeit bestehende rückläufige Trend in der Schmuckgoldnachfrage fortsetzen. Hierfür sprächen das voraussichtlich mäßige Wirtschaftswachstum im bislang größten Goldabnehmerland Indien und der Goldpreisanstieg aufgrund der Rupienschwäche. Auch in China zeichne sich nach Jahren üppigen Nachfragewachstums eine Verlangsamung ab. Im vierten Quartal 2011 habe sich der Schmuckgoldbedarf im Reich der Mitte mit 131 Tonnen nur auf Höhe des Vorjahresquartals beziehungsweise des Vorquartals belaufen.

Während sich die Schmuckgoldnachfrage langsam etwas abkühlt, zeigt der seit 2001 stark gestiegene Goldpreis eine stimulierende Wirkung auf das Altgoldrecycling und damit auf die neben der Minenförderung zweite Komponente, aus der sich das Goldangebot zusammensetzt. Laut Proettel stieg das Altgoldaufkommen von 960 Tonnen im Jahr 2007 auf mehr als 1.600 Tonnen in den Jahren 2009 bis 2011. Zuletzt sei zwar in denjenigen Staaten weniger Gold eingeschmolzen worden, in denen das Edelmetall einen traditionell hohen Stellenwert habe wie beispielsweise in Indien und im Nahen Osten. Dafür mache sich der Aufbau der notwendigen Infrastruktur mit einem engmaschigen Händlernetz in Westeuropa allmählich bemerkbar. Da hierzulande die privaten Bestände an nicht mehr getragenen Schmuckstücken und ähnlichem noch längst nicht erschöpft seien, dürfte das Altgoldaufkommen auch 2012 hoch bleiben (siehe Grafik).

Eingetrübte Fundamentallage erschwert Fortsetzung der Hausse

Das steigende Goldangebot und die mit Ausnahme des Notenbanksektors eher schleppende Nachfrage sprechen laut Proettel gegen einen nachhaltig steigenden Goldpreis in diesem Jahr. „Wir rechnen deshalb mit einer Fortsetzung der Seitwärtsbewegung im Bereich von 1.700 Dollar, so der LBBW-Analyst. Neue Aufwärtsimpulse könnten allerdings von einer neuen Runde geldpolitischer Lockerungen kommen. Zudem zeichne sich ab, dass sich die Notenbanken zukünftig etwas toleranter gegenüber inflationären Tendenzen zeigen könnten. Aktuell überwiege im rezessionsgeplagten Euroraum jedoch noch das Deflationsmomentum.

Ergänzend zu der Studie sei noch erwähnt, dass der Goldpreis jüngst den im September aufgenommenen Abwärtstrend überwunden hat. Charttechnisch gesehen ist die Ausgangslage dadurch wieder spannender geworden, denn wenn die Notiz jetzt auch noch die Marke von 1.800 Dollar überwinden sollte, dann könnten trendgetriebene Anschlusskäufe den Preis auch schnell bis auf das im Vorjahr markierte Rekordhoch von gut 1.900 Dollar je Feinunze treiben. Und Preise darüber wären dann wiederum gleichbedeutend mit einem massiven neuen Kaufsignal. Solange das jedoch nicht passiert, kann sich der von der LBBW prognostizierte Seitwärtstrend durchaus auch einstellen.

Quelle: @JüB
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