Edelmetalle

Goldkritiker sehen sich bestätigt

Von Tim Höfinghoff
07.03.2012
, 16:57
Der Investor Warren Buffett hält nicht viel von Gold als Geldanlage. Nachdem der Preis stark gesunken ist, büßt das Edelmetall seinen Ruf als sichere Anlage ein.
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Als der legendäre Investor Warren Buffett Ende Februar in seinem jährlichen Brief an Investoren auf das Edelmetall Gold zu sprechen kam, ließ er keinen Zweifel daran, dass er nicht viel für diese Geldanlage übrig hat: Anleger sollten Gold meiden, schrieb Buffett, der Nutzen des Metalls sei begrenzt. Zudem würden die meisten Goldkäufer davon ausgehen, dass die Zahl der ängstlichen Anleger zunehme und deshalb Gold teurer werde. Kurzum: Ein gutes Investment, so Buffett, sehe anders aus.

Zwar weisen Goldfreunde stets darauf hin, dass sich das Metall bestens zum Werterhalt in Krisenzeiten eigne und seit elf Jahren in Folge verteuert hat - auch dieses Jahr ist der Goldpreis um 8 Prozent im Plus. Doch Goldkritiker wie Buffett müssen sich nach dem starken Preisrückgang in dieser Woche bestätigt fühlen.

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Goldpreis durchbricht 200-Tage-Linie

Am Dienstag waren wegen der Debatte um den Schuldenschnitt in Griechenland nicht nur die Aktienkurse erheblich unter Druck geraten, auch die Rohstoffpreise fielen. Der Goldpreis durchbrach dabei die 200-Tage-Preislinie. Für Anleger, die vor allem auf solche Chart-Indikatoren setzen, war dies ein Warnsignal und ein Indiz für weiter fallende Preise. Auch der Silberpreis war im Sinkflug - so stark wie seit Ende Januar nicht mehr. Dabei hatte Silber bisher den Preisanstieg unter den Edelmetallen angeführt: Silber liegt seit Jahresanfang mit knapp 20 Prozent im Plus.

Mit der gestiegenen Risikoscheu der Investoren zeigt sich, dass auch Edelmetalle wie Gold und Silber verlieren und ihren klassischen Ruf als sichere Anlage in Krisenzeiten einbüßen. „Schon seit dem vergangenen Herbst verhalten sich Edelmetalle wie riskante Anlageformen“, sagt Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst der Commerzbank. Fritsch prognostiziert, dass es bezüglich des Goldpreises in den kommenden Wochen „eine Seitwärtsbewegung gebe“.

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Der Goldpreis sollte erst in der zweiten Jahreshälfte über die Marke von 1800 Dollar je Unze (31, 1 Gramm) klettern. Am Mittwoch kostete eine Unze 1675 Dollar. „Es wird zunächst ein Tauziehen zwischen spekulativ orientierten Anlegern und den physischen Käufern geben“, sagt Fritsch. Die Spekulanten am Terminmarkt seien wohl zu euphorisch geworden in den vergangenen Wochen und „haben sich die Finger verbrannt, das dürfte Druck auf die Preise ausüben“. Das gesunkene Preisniveau sollte allerdings auch wieder Käufer anziehen.

Silberpreis leidet unter Konjunktur-Skepsis

Zuletzt hatte auch die hohe Nachfrage der Investoren nach börsengehandelten Indexfonds (ETF), die mit Gold hinterlegt sind, die Goldbestände dieser ETF auf ein Rekordhoch klettern lassen. In der vergangenen Woche haben alle Gold-ETF zusammen Barren im Umfang von rund 2400 Tonnen in ihren Portfolios gehalten, meldete der ETF-Anbieter ETF Securities.

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Mit Blick auf Silber ist Rohstoffanalyst Fritsch skeptisch, dass der Preis im ersten Halbjahr zulegen sollte: Das Metall habe kurzfristig wenig Aufwärtspotential. „Wenn die Skepsis bezüglich der Konjunkturaussichten zunimmt, sollte Silber wegen seiner hohen industriellen Verwendung weniger gefragt sein.“ Erst wenn sich die Konjunkturzuversicht unter den Investoren wieder durchsetzen könne, werde der Silberpreis wieder steigen. Am Donnerstag legte der Silberpreis um 0,7 Prozent auf 32,60 Dollar je Unze zu.

Quelle: F.A.Z.
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