Leere Börsenmäntel

EU-Aufsicht will Spacs-Geschäft untersuchen

Von Markus Frühauf
22.04.2021
, 15:57
Die Welle ist aus den Vereinigten Staaten nach Europa geschwappt. Kritiker werten die Spacs als weiteres Indiz für den Überschwang an den Kapitalmärkten.

Auf die Welle an Börsenmänteln, sogenannten Special Purpose Acquisition Companies (Spacs), will nun die EU-Börsen- und Wertpapieraufsicht Esma einen näheren Blick werfen. Das kündigte die designierte Exekutivdirektorin der Esma, Natasha Cazenave, in ihrer Anhörung vor dem Europäischen Parlament am Donnerstag an. Die Börsenmäntel, in denen noch keine Unternehmen enthalten sind, aber über die später geeignete Kandidaten an die Börsen gebracht werden sollen, werfen nach Aussage der Französin die Frage auf, ob sie im Einklang mit den EU-Regularien stehen.

Kritiker werten Spacs als weiteres Indiz für den Übermut an den Finanzmärkten. In Europa hat der frühere Commerzbank-Vorstandschef Martin Blessing einen Spac an die Amsterdamer Börse gebracht. Ebenfalls in das Geschäft mit Börsenmänteln ist der frühere Unicredit-Chef Jean-Pierre Mustier zusammen mit dem reichsten Franzosen, dem LVMH-Präsidenten Bernard Arnault, eingestiegen. Bislang gab es in Europa zehn Spac-Börsengänge mit einem Volumen von insgesamt 1,3 Milliarden Dollar. In den Vereinigten Staaten waren es im vergangenen Jahr 522 Börsenmäntel über mehr als 300 Milliarden Dollar.

„Wir müssen verstehen“

„Wir müssen verstehen, warum Spacs so beliebt sind, warum Menschen Geld nur auf der Grundlage der Namen der Sponsoren und der Ankündigung eines Projekts bereitstellen“, sagte Cazenave. Noch sei es aber zu früh, eine Entscheidung über eine angemessene Regulierung zu treffen. Cazenave soll Nachfolgerin der Deutschen Verena Ross werden, die wiederum im Rennen um die Esma-Spitze steht, nachdem der Niederländer Steven Maijoor Anfang des Monats regulär seine Amtszeit beendet hat und zur niederländischen Notenbank gewechselt ist.

Amerikas Börsenaufsicht SEC beschäftigt sich schon mit dem Spacs-Thema. Sie will wissen, wie die Investoren mit den damit verbundenen Risiken umgehen. Auch die britische Finanzaufsicht FCA prüft ihre Regeln, weil der Finanzplatz London ein führender Standort für diese Börsenmäntel werden will.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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