EU-Osterweiterung

Die Richtung bei den Beitrittsländern stimmt

18.04.2001
, 19:25
Noch ist der Abstand zu den alten EU-Ländern groß. Doch immerhin stimmt die von den EU-Beitrittsländer eingeschlagene Richtung.
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Auf den ersten Blick sieht alles ganz gut aus. Erstmals seit dem Zusammenbruch des ehemaligen Ostblocks kam es im Vorjahr in Osteuropa einheitlich zu Wachstum. Und auch im laufenden Jahr scheint trotz aller weltweiter Konjunkturängste Wachstum angesagt zu sein. Zumindest sagen die Analysten von Deutsche Bank Research den osteuropäischen Beitrittskandidaten Zuwachsraten beim realen Bruttoinlandsprodukt zwischen 2,2 und 6,5 Prozent voraus (siehe Link: Die EU-Beitrittskandidaten im Profil).

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Deswegen ist aber noch lange nicht alles Gold was glänzt. Die Arbeitslosenquoten liegen oft noch bei über zehn Prozent, der Produktivitätsrückstand ist beträchtlich und der Abstand beim erwirtschafteten Bruttosozialprodukt zum EU-Durchschnitt sehr groß. Auch die Inflation ist wie im Falle der von Standard & Poor´s MMS für Ungarn im Jahr 2001 geschätzten durchschnittlichen Rate von 9,1 Prozent häufig zu hoch. Aber entscheidend ist, dass die Richtung stimmt. Die Inflationsraten fallen und der Wachstumsvorsprung gegenüber den EU-Staaten bleibt erhalten.

Außerdem sind einige der ersten Beitrittskandidaten von der Erfüllung der Maastrichter Konvergenzkriterien nicht mehr allzu weit entfernt. Dazu zählt neben Malta speziell die aus den Ländern Polen, Ungarn, Tschechische Republik, Estland, Slowenien und Zypern bestehende Luxemburg-Gruppe, deren Vertreter allgemein als erstes der Beitritt zugetraut wird. Noch mehr Hausaufgaben zu machen haben auch aus Sicht der EU-Kommission die Länder Lettland, Litauen und Slowakei, doch auch hier stimmt zumindest die Richtung. Keine baldigen Beitrittschancen werden dagegen Bulgarien, Rumänien und der Türkei eingeräumt.

Große Beitrittswelle im Jahr 2005?

Ähnlich beurteilen auch die Analysten der Deutschen Bank Research die Lage. Allerdings setzen sie auf den gleichzeitigen Beitritt einer großen Gruppe. Demnach sollen im Jahr 2005 die Staaten Ungarn, Slowenien, Polen, Tschechien, Slowakei, Estland, Lettland und Litauen gemeinsam ihren Einstand feiern.

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Bis dahin gibt es aber noch viel zu erledigen. Die EU hat zwar reichliche Erfahrungen mit Erweiterungen - man denke nur an die Aufnahme von Dänemark, Irland und Großbritannien im Jahr 1971, dem Beitritt Griechenlands im Jahr 1981, die Erweiterung um Portugal und Spanien 1986 und nicht zuletzt an die Integration von Österreich, Finnland und Schweden im Jahr 1995. Doch verglichen mit allen diesen Beispielen handelt es sich diesmal um eine echte Herkulesaufgabe. Schließlich geht es unter dem Strich um eine Flächenerweiterung der EU um über ein Drittel und um eine Bevölkerungszunahme von mehr als 100 Millionen. Die EU-weit erhoffte höhere Wachstumsdynamik und die größere politische Stabilität wird also erst hart erarbeitet werden müssen, stehen diesen Pluspunkten doch als Negativfaktoren Budgetbelastungen und ein härterer Wettbewerb gegenüber.

Langwieriger Aufholprozess

Zu vorschnellen Hoffnungen besteht daher trotz aller berechtigter Hoffnungen für alle Beteiligten kein Anlass. Dies unterstreicht auch das Ergebnis einer Studie der Europäischen Kommission. Demnach wird es wohl 40 bis 50 Jahre dauern, bis die Beitrittskandidaten das Wohlstandsniveau des EU-Durchschnitts erreicht haben. Der EU-Osterweiterungsprozess wird folglich auch Züge eines Geduldspiels in sich tragen. Ob es an den Finanzmärkten trotzdem schon vorher etwas zu verdienen gibt, wird im nächsten Dossierbeitrag mit Blick auf die osteuropäischen Rentenmärkte beantwortet.

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Quelle: @jüb
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