EU-Osterweiterung

„Polen-Anleihen bergen große Chancen“

19.04.2001
, 21:13
CS-Fondsmanagerin Benesova: „Im besten Fall sind jährliche Renditen bis zu 15 Prozent drin.”
Osteuropa-Anleihen lohnen sich. Diese Botschaft verkünden Fondsmanagerin Benesova und Rentenmarktexpertin Bischoff im FAZ.NET-Gespräch.
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Es gibt sie noch - die Plätze, an denen Renditejäger auch in Zeiten niedriger Zinsen fündig werden. Und zwar nicht weit entfernt von unserer Haustür. Denn in den meisten osteuropäischen Ländern liegen die Renditen deutlich über dem EU-Schnitt. Für Jana Benesova, Fondsmanagerin des CS BF (Lux) Emerging Europe B Fonds und für Anja Bischoff, Renten- und Währungsexpertin für Schwellenländer bei Deutsche Bank Anlage-Strategie Privatkunden, ein gefundes Fressen. Den im Zuge der EU-Osterweiterung zu erwartenden Konvergenzprozess wollen sie zu ihren Gunsten ausnutzen. Wie Privatanleger daran mitverdienen können, verraten die beiden Expertinnen im Gespräch mit FAZ.NET.

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Die EU-Kommission macht die EU-Beitrittsländer neuerdings auf die Gefahr einer Finanzkrise aufmerksam. Teilen Sie diese Bedenken?

Benesova: Die zentraleuropäischen Staaten befinden sich aus meiner Sicht in einer relativ starken Position. So liegen die Staatsschulden gemessen am Bruttoinlandsprodukt deutlich unter den Werten von Griechenland und Italien - und die beiden sind bekanntlich trotzdem sogar in der Währungsunion.

Neuen Schwung im Konvergenzprozess sieht Deutsche Bank Schwellenländer-Analystin Anja Bischoff.
Neuen Schwung im Konvergenzprozess sieht Deutsche Bank Schwellenländer-Analystin Anja Bischoff. Bild: Deutsche Bank

Bischoff: Für die Länder, die ich am intensivsten verfolge, nämlich Ungarn, Polen und Tschechien, sehe ich keine großen Gefahren. Bei anderen Ländern wie Rumänien, die noch zurückliegen, ist die Gefahr eines schlechteren Ratings nie ganz auszuschließen.

Raten Sie Privatanlegern zur Geldanlage in Osteuropa-Anleihen?

Bischoff: Risikobereite Anleger können auf jeden Fall etwas beimischen. Schließlich stehen dem Währungsrisiko die Chance auf Kursgewinne und die höheren Zinskupons gegenüber. Der Konvergenzprozess hat in den vergangenen Monaten jedenfalls wieder neuen Schwung gewonnen. So sind die Renditen in Polen innerhalb von sechs Monaten um 300 Basispunkte gefallen. Für Osteuropa-Anleihen spricht außerdem, dass sie sich zur Risikodiversifizierung eignen, da sie in ihrer Wertentwicklung nicht eng mit anderen Anlagen korrelieren.

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Benesova: Ich rate auf jeden Fall zu Anlagen. Dafür spricht nicht nur das wegen der Konjunktursorgen eingetrübte internationale Umfeld und die relativ starke fundamentale Verfassung dieser Länder , sondern auch die Performance in der jüngsten Vergangenheit. Seit 1998 haben sich diese Anleihen trotz zahlreicher Krisen in der Welt gut geschlagen. Beispielsweise hat mein Fonds seit seiner Auflegung im Oktober um rund elf Prozent zugelegt. Wenn alles gut läuft, kann ich mir im besten Fall künftig sogar jährliche Renditen zwischen 14 und 15 Prozent vorstellen. Trotz aller Zuversicht sollten alle Anleger aber den Rat beherzigen, ihre Anlagen möglichst breit zu streuen.

Welches Land ist bei Ihnen zurzeit erste Wahl?

Benesova: Eindeutig Polen. Kein anderes Land auf der Welt bietet derzeit bei vertretbarem Risiko ähnlich hohe Renditen. Mit einem Anteil von 53 Prozent sind polnische Anleihen in meinem Depot mit Abstand am stärksten gewichtet.

Bischoff: Langfristig betrachtet sind polnische Sloty-Anleihen wegen des hohen Renditeabstandes gegenüber Bundesanleihen von derzeit rund 800 Prozent sehr interessant. Außerdem rechnen wir mit fallenden Inflationsraten und fallenden Renditen, so dass auch noch Kursgewinne winken.

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Tschechien wird selten als bevorzugte Anlagealternative erwähnt. Warum?

Bischoff: Tschechien sehe ich in erster Linie wegen dem nur noch geringen Renditeaufschlag gegenüber Bundesanleihen von 90 Basispunkten kritisch. Hier ist der Konvergenzprozess schon ziemlich gelaufen und es besteht nur noch wenig Potenzial. Zum Vergleich: selbst die Euro-Anleihen von Griechenland weisen noch einen Spread von 50 Basispunkten auf.

Benesova: Die Gewichtung tschechischer Anleihen habe ich in meinem Fonds auf Null zurückgefahren. Das politische Klima dort ist mir derzeit zu unsicher. Man weiß nicht so recht, wohin die Reise geht. Unter diesen Umständen ist dieser Markt derzeit einfach zu teuer.

Die Gespräche führte Jürgen Büttner

Quelle: @jüb
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