EU-Osterweiterung

Sündenbock für Euroschwäche

24.04.2001
, 19:16
Keinesfalls als Gefahr für den Euro sehen Experten die EU-Osterweiterung. Der Außenwert sollte sogar profitieren.
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„Die EU-Osterweiterung muss immer wieder als Grund für die Euroschwäche herhalten. Aber das ist nicht gerechtfertig“, meint Valentin Hofstätter, Devisenanalyst bei der Raiffeisen Zentralbank Österreich (RZB). Vor allem im anglo-amerikanischen Raum würden oft die Fakten vermischt und nicht zwischen EU-Erweiterung und Beitritt zur Währungsunion differenziert.

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Dabei ist die Einführung des Euro bei den Beitrittskandidaten noch in weiter Ferne. Während die ersten osteuropäischen Länder 2005 zur Europäischen Union zählten dürften, folgt die gemeinsame Währung frühestens zwei Jahre später. „Ich rechne damit, dass zwischen 2007 und 2010 die Erweiterungskandidaten den Euro einführen“, meint Hein-Dieter Smeets, Professor für Volkswirtschaft an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Mit der Aufnahme in die EU verpflichten sich die Mitgliedsstaaten zur Einführung des Euro, aber die im Vertrag von Maastricht festgelegten Konvergenzkriterien stellen keine Vorbedingung für die EU dar. Der EU-Beitritt und die Einführung des Euro sind demnach zwei getrennte Schritte im Beitrittsprozess.

Bewährungsprobe bis zum Euro

Bei der Europäischen Zentralbank gibt es auch noch keinen Zeitplan für die Euro-Anwärter. „Ab dem Tag der Mitgliedschaft in der EU dürfen die neuen Länder ihren Notenbankpräsidenten in den erweiterten Rat entsenden“, erläutert Niels Bünemann, Pressesprecher der EBZ das Procedere. Dieser erweiterte Rat trifft vier Mal im Jahr zusammen und hat keine Entscheidungsbefugnis. Zugleich dürfte die EZB dann Mitarbeiter aus den Ländern einstellen. Auf ihrem Weg zum Euro müssen die Länder nach dem Beitritt zunächst am Wechselkursmechanismus (WKM II) teilnehmen. Hierbei legen die neuen EU-Mitglieder einen Wechselkurs fest, um den die heimische Währung nur 15 Prozent schwanken darf. In dieser Bandbreite müssen sich der Außenwert mindestens zwei Jahre halten bevor der Euro als Zahlungsmittel umläuft.

Die Experten sehen keine Probleme, wenn Polen und Ungarn 2007 oder später ihr Brot und Butter mit Euromünzen bezahlen. Denn an der Märkten kursierten viele Ammenmärchen. „Die EZB kann sich mit den Beitrittsländern gar keine Inflation ins Haus holen, weil sich die Länder mit dem Euro der europäischen Geldpolitik unterwerfen“, stellt Smeets klar. Die Befürchtungen, dass die Osteuropäer die Geldpresse anwerfen und somit Inflationausstreuen und den Euro belasten, seien unnötig. Auch seien die Auswirkungen auf den Euro begrenzt. „Alle zwölf Beitrittsländer gemeinsam machen rund sechs Prozent vom europäischen Bruttoinlandsprodukt aus“, rückt der Volkswirt und Experte für Europäische Integration die Ängste am Stammtisch zurecht.

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Besser als der Ruf

Smeets rechnet mit Problemen eher auf institutioneller Ebene. Denn bislang sei noch unklar, wie die Kandidaten sowohl in den EU-Gremien als auch in der EZB vertreten sein sollen. Jürgen Konrad, Leiter Osteuropa-Reseach bei der Deutschen Bank sieht aus fundamentaler Sicht wenig Probleme für die EU-Osterweiterung: „Die Länder sind deutlich besser als ihr Ruf.“ Die Beitrittskandidaten - mit Ausnahme von Rumänien - erfüllten bereits heute sehr dicht die Maastricht-Kriterien. Bis 2005 dürften die Nachbarstaaten keine Probleme haben, die Bedingungen für den Euro zu treffen. Auch sei die Geldmenge der Beitragsländer im Vergleich zu Euroland so gering, dass daher kaum stabilitätsgefährdende Einflüsse auf den Euro ausgingen.

Die derzeitige Schwäche des Euro hat andere Gründe: „Hier befürchten vor allem die Amerikaner einer Reformstau in der Eurozone“, meint Konrad. Daher könnte die EU-Osterweiterung sogar dem Euro helfen. Denn immerhin sei der Weg gen Osten politisch gewünscht, sei mit den derzeitigen Rahmenbedingungen aber nicht zu finanzieren. „Die Struktur- und Agrarreformen sollten mit der EU-Erweiterung beschleunigt werden, was nur gut für den Euro sein kann“, so Konrad.

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Quelle: @ank
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