Devisenmarkt

Euro zu Franken und Dollar am 20-Jahres-Tief

Von Martin Hock
05.07.2022
, 11:45
Der Euro versprüht aktuell keinen Glanz.
Der Außenwert des Euro sinkt zusehends. Mittlerweile wird dafür nicht mal mehr ein Franken bezahlt. Im Gegenwert zum Dollar scheint dies auch nicht mehr allzu fern.
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Der Kurs des Euro ist am Montag auf den tiefsten Stand seit fast 20 Jahren gefallen. Unter den aktuell 1,033 Dollar lag der Kurs zuletzt an Weihnachten 2002. Anleger setzen darauf, dass die Zinserhöhung in der EZB aufgrund einer drohenden Rezession weniger stark ausfallen werden. An den Geldmärkten wird derzeit nur noch eine Zinserhöhung von 1,4 Prozentpunkten in diesem Jahr eingepreist. Vor drei Wochen waren es noch 1,9 Prozentpunkte. Damit würde sich die Zinsdifferenz zur amerikanischen Notenbank wieder ausweiten, was den Dollar attraktiver macht. Der Euro hat damit allein in diesem Jahr gegen den Dollar schon 8 Prozent verloren. die Kursverluste des Dienstags seien indes auch durch eine geringe Liquidität und Verkäufe gegen den Schweizer Franken bedingt gewesen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Der Euro stehe vor großen Problemen, schreibt Neil Wilson, leitender Marktanalyst von Markets.com. Die europäische Notenbank sei weit weg von ihren geldpolitischen Zielen und stehe vor dem noch größeren Problem einer Fragmentierung der Kreditmärkte des Euroraums. Zu Zeiten niedriger Inflation habe EZB-Präsident Mario Draghi die Länder des Nordens noch dazu zwingen können, eine Umverteilung Richtung Süden durch Niedrigzinsen hinzunehmen. Die Voraussetzungen hätten sich aber geändert. Die kritischen Äußerungen von Bundesbankpräsident Nagel zu den Bestrebungen der EZB, ein Auseinanderlaufen der Anleihenrenditen zu verhindern, zeige eine Spaltung.

Die Eurobullen verabschiedeten sich nach und nach, meint Ipek Ozkardeskaya der Swissquote Bank, Weil sie zunehmend weniger überzeugt seien, dass die Notenbank überhaupt ein Werkzeug habe, um die Fragmentierung zu verhindern. Die Inflation in Spanien und Belgien sei im Juni auf mehr als 10 Prozent gestiegen, und vom nächsten EZB-Treffen werde nur eine unbedeutende Zinserhöhung von 0,25 Prozentpunkten erwartet. Da sei es auch kein Wunder, dass der Kurs des Euro zum Schweizer Franken unter die die Parität gefallen sei - dies war bislang in der Geschichte des Euro nur ein einziges Mal der Fall, nämlich im Januar 2015, als die Schweizer Notenbank die Untergrenze für den Franken überraschend aufgehoben hatte.

Diese fundamentale Schwäche des Euro trifft auf eine Stärke des amerikanischen Dollar, dem globale Rezessionssorgen den Rücken stärken. Mit aktuell 105,8 Punkten liegt der Dollar-Index, der den Außenwert des Dollar zu den wichtigsten anderen Währungen der Welt widerspiegelt, widerspiegelt, auf dem höchsten Stand seit November 2002. Natürlich ist ein Teil dieser Stärke auch die Schwäche des Euro. Nichtsdestoweniger gilt der Dollar stets als sicherer Hafen, wenn international die Aktienkurse fallen und die Risikoaversion zunimmt.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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