<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Altkanzler Schröder

„Lasst uns ruhig einen Apfelbaum pflanzen“

Von Antonia Mannweiler
 - 16:25
Warnt vor einer hysterischen Debatte über das Klima: Gerhard Schröder (SPD)

Wenn jemand im Aufsichtsrat eines Unternehmens sitzt und einen Vortrag zum Thema Nachhaltigkeit hält, fällt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch der Name des jeweiligen Unternehmens – und mit ebenso hoher Wahrscheinlichkeit in einem positiven Zusammenhang. Gerhard Schröder sitzt im Aufsichtsrat des russischen Mineralölkonzerns Rosneft sowie bei Nordstream 2, einer Tochtergesellschaft des Gasanbieters Gasprom. So verwundert es wenig, dass er in seiner Eröffnungsrede des Fondskongresses in Mannheim immer wieder fallen ließ, dass diese Unternehmen nachhaltig produzieren und man derzeit auf fossile Brennstoffe noch nicht verzichten könne.

Die Rede stand unter der Überschrift: Wie sich nachhaltiges Investieren auszahlt. Aus Sicht des Altkanzlers beschränke sich der Begriff der Nachhaltigkeit zu sehr auf das Klima. Dabei müsse sie das Soziale und die Wirtschaftlichkeit mit einschließen. „Investitionen in Nachhaltigkeit zahlen sich langfristig aus“, sagte er. Wie genau das aussieht, davon sprach der Kanzler a.D. nicht, nur was er sich nicht darunter vorstelle: „Divestment“.

Fossile Energie unverzichtbar

Unter dem englischen Begriff, zu deutsch Desinvestition, versteht man den bewussten Abzug von Investitionen in klimaschädliche Unternehmen. „Ich halte dies für einen falschen Weg“, sagte Schröder auf der Bühne. Auch wenn erneuerbare Energien ausgebaut werden – auf die fossilen Energieträger könne man noch auf lange Zeit nicht verzichten. Ihm sei bewusst, dass dies eine unpopuläre Haltung sei, doch helfe es, sich die Fakten anzusehen: Öl, Kohle und Erdgas spielen in der Energieversorgung noch immer eine entscheidende Rolle.

Viele dieser Unternehmen tätigen große Investitionen in Nachhaltigkeit; das müsse man stärken, nicht schwächen, findet der Altkanzler. Rosneft etwa engagiere sich für die Herstellung nachhaltiger Kraftstoffe und Herrenknecht, in dessen Kontrollgremium Schröder auch sitzt, arbeite daran, technische Effizienz mit Nachhaltigkeit zu verbinden. Innovation zu fördern sei sinnvoller und verspreche mehr Erfolg als eine Desinvestition, findet er denn. Man müsse zudem sozialverträgliche Lösungen anstreben. Dabei nannte er den Kohleausstieg als Beispiel.

In den betroffenen Regionen dürfe dieser nicht zu einer Massenarbeitslosigkeit führen. Dass in der Braunkohleregion in der Lausitz mehr als 30 Prozent aller Wähler die AfD gewählt haben, sollte nachdenklich stimmen. Man müsse Unternehmen dabei unterstützen, Prozesse nachhaltig zu machen. Das benötige eben Investitionen und auch Zeit, betonte Schröder. Denjenigen, die meinen, es sei morgen zu Ende, setzt er Luther entgegen: „Lasst uns ruhig einen Apfelbaum pflanzen. Die Zeit, die wir brauchen, müssen wir uns auch schon nehmen.“

Auf den Vortrag Schröders folgte ein Panel, an dem auch der Chef des Textilunternehmens Trigema, Wolfgang Grupp, teilnahm. Er wollte von Zeit lassen und einem langsamen Anpassen an den Zeitgeist nichts wissen. Ganz im Gegenteil, er gab sich kämpferisch: In einer ausgestorbenen Branche habe er überlebt, weil er Probleme früh gelöst habe. „Wenn mir heute einer sagt: Ich habe ein großes Problem, sag ich ihm, du bist ein Versager. Hätte er das kleine Problem gelöst, hätte er kein großes.“

Das Thema Nachhaltigkeit sei eine „Riesen-Chance“ und es liege in seiner Verantwortung, dass das Unternehmen zukunftsfähig bleibe und den Trend zu erkennen. Er sei aber kein „Sozial-Säusler“, sondern Egoist und wolle Geld verdienen, konstatierte Grupp. „Je besser ich meine Mitarbeiter behandle, desto mehr Leistung bringen sie. Sie bieten ihre Arbeit an, ich die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes.“ Man müsse Wachstum anders definieren und das endlich erkennen, sagte der Unternehmer. „Wir wachsen über Innovation und nicht über Massenprodukte.“ Die Kleiderschränke seien voll. Müsse man denn ständig expandieren und wachsen? Schließlich müsse er doch nicht die Welt erobern.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Mannweiler, Antonia
Antonia Mannweiler
Redakteurin in der Wirtschaft.
Twitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenGerhard SchröderAltkanzlerBundeskanzlerRosneftMannheim

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.