Europäische Zentralbank

Inflation bekämpfen!

EIN KOMMENTAR Von Christian Siedenbiedel
05.08.2022
, 15:41
EZB
Die Europäische Zentralbank hat viel zu spät auf die Inflation reagiert. Jetzt müssen sich die Verantwortlichen im EZB-Turm auf ihr eigentliches Ziel konzentrieren: Preisstabilität.
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Die Europäische Zentralbank hat sich in ihrer Einschätzung der Entwicklung der Inflation kräftig geirrt. Das hat schwerwiegende Folgen. Viel zu spät haben die Verantwortlichen im Frankfurter EZB-Turm eingegriffen. 8,9 Prozent hat die Inflationsrate im Euroraum mittlerweile erreicht, in manchen Euroländern liegt sie schon bei mehr als 20 Prozent.

Jetzt kommt es darauf an, diese Entwicklung unbedingt wieder in den Griff zu bekommen. Dafür ist es wichtig, dass die Notenbank sich auf ihr eigentliches Ziel konzentriert: Preisstabilität. Und nichts sonst. Die Feinsteuerung von Anleiherenditen im Euroraum ist nicht ihre Aufgabe, auch nicht die Unterstützung hoch verschuldeter Länder mit Regierungskrisen.

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In Zeiten, in denen sie ihr Ziel problemlos erreicht, kann sie sich auch um andere wirtschaftspolitische Fragen kümmern, so sehen es die Statuten vor. Aber solche Zeiten haben wir nicht.

Es kommt jetzt darauf an, zu beweisen, dass die Notenbank sich nicht zum Büttel nationaler Politiker macht, mit welcher Ausrede auch immer. „Fiskalische Dominanz" nennen Ökonomen eine Situation, in der Erwägungen der Haushaltspolitik von Staaten die Entscheidungen einer Notenbank bestimmen und nicht die Notwendigkeiten der Geldpolitik. Die EZB muss zeigen, dass sie nicht in diese Falle tappt. Ansonsten steht nichts Geringeres auf dem Spiel als die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik selbst.

Quelle: F.A.Z.
Christian Siedenbiedel - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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