Bankenaufsicht teilt mit

Corona-Krise drückt Ertragskraft europäischer Banken deutlich

Von Markus Frühauf
12.04.2021
, 17:12
Die Aufseher der EZB sind weit davon entfernt, Entwarnung zu geben. Nach dem Lockdown droht eine Welle an Insolvenzen und Kreditausfällen und die Banken der Eurozone hinken den amerikanischen Wettbewerbern schon jetzt hinterher.

Die Corona-Krise hat die Ertragskraft europäischer Banken weiter geschwächt. Wie die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) am Montag mitteilte, ging die Eigenkapitalrendite der 112 wichtigsten Institute der Eurozone im vierten Quartal auf 1,53 Prozent zurück. Ein Jahr zuvor lag die Ertragskraft noch bei 5,16 Prozent. Die geringen Gewinne sind für die Aufseher der EZB und ihren Chef Andrea Enria schon seit längerem ein Grund zur Besorgnis, weil die Banken der Eurozone den amerikanischen Wettbewerbern mit weitem Abstand hinterherhinken.

Deshalb macht sich Enria regelmäßig für eine Konsolidierung unter den europäischen Banken stark, damit daraus schlagkräftigere Institute mit gestärkter Ertragskraft und höheren Börsenwerten hervorgehen. Die Aussichten für die Gewinne im laufenden Jahr haben sich aufgrund der weiterhin notwendigen Lockdown-Maßnahmen und den Einschränkungen in der Wirtschaft nicht gebessert. Die EZB-Aufseher haben die Banken in den vergangenen Monaten mehrmals zur Vorsicht im Umgang mit Kreditrisiken aufgefordert.

Allerdings lassen sich diese noch nicht in den nun veröffentlichten Bankenstatistiken der EZB im vierten Quartal 2020 ablesen. Denn die Quote notleidender Kredite ist auf 2,63 Prozent gesunken nach 3,22 Prozent zwölf Monate zuvor. Insgesamt standen Ende 2020 in den Büchern der größten Banken im Euroraum ausfallgefährdete Forderungen im Volumen von 444 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor waren es noch 506 Milliarden Euro an faulen Krediten. Im November 2014, als die EZB-Bankenaufsicht an den Start gegangen war, waren es mehr als 1 Billion Euro.

Nicht mehr ganz so düstere Erwartungen

Zumindest befürchtet Enria nun nicht mehr das schlechteste Szenario bezüglich der Kreditrisiken. Im vergangenen Jahr hatte er einen Anstieg der faulen Kredite auf bis zu 1,4 Billionen Euro für möglich gehalten, sollte die Wirtschaftsleistung im Euroraum, also das Bruttoinlandsprodukt (BIP), um 10 Prozent einbrechen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses ungünstige Szenario eintritt, hat sich jüngeren Prognosen zufolge verringert“, schrieb Enria Anfang 2021 auf eine Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler.

Trotz der Pandemie haben die Banken im vierten Quartal auch ihre Eigenkapitalausstattung verbessern können. Nach Angaben der EZB stieg die harte Kernkapitalquote – also das Verhältnis von bei Verlusten sofort haftenden Eigenkapitalkomponenten wie Aktien oder Gewinnrücklagen zu riskanten Bilanzpositionen wie zum Beispiel Krediten – auf 15,6 von 14,9 Prozent.

Den Banken hat in der Corona-Krise die gute Entwicklung an den Kapitalmärkten nach dem Crash im März 2020 geholfen. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) erwartet auch in diesem Jahr robuste Erträge für die Banken im Kapitalmarktgeschäft. Jedoch dürften diese zwischen 5 und 10 Prozent niedriger ausfallen als im Vorjahr.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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