Finanzen

Spekulation auf steigende Leitzinsen

07.10.2005
, 21:04
Weil EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sich besorgt über erhöhte Inflationsrisiken aufgrund gestiegener Ölpreise gezeigt hat, wird nun über eine Erhöhung des Euro-Leitzinses spekuliert. Als Folge sprang der Zins für Dreimonatsgeld auf 2,4 Prozent.
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Nach den besorgten Äußerungen von Jean-Claude Trichet am Donnerstag wird an den Finanzmärkten nun auf eine Anhebung des Euro-Leitzinses im ersten Quartal 2006 spekuliert. Jedenfalls sind die kurzfristigen Euro-Zinsen seither deutlich gestiegen.

Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), hatte sich im Anschluß an die Sitzung des EZB-Rates besorgt über die erhöhten Inflationsrisiken aufgrund der gestiegenen Ölpreise gezeigt. Die Aussicht auf höhere Euro-Leitzinsen ließ den Euro am Donnerstag im Handelsverlauf um rund 2 Cent auf zeitweilig 1,22 Dollar steigen. Als am Freitag aus Amerika vergleichsweise gute Konjunkturzahlen gemeldet wurden, schwächte sich der Euro aber wieder auf 1,2118 Dollar ab.

„Große Wachsamkeit“ hinsichtlich Inflationsgefahren

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Trichet hatte in der Pressekonferenz auf den Anstieg der Inflationsrate auf 2,5 Prozent im September hingewiesen und deutlich schärfere Töne als zuletzt angeschlagen. Mehrfach betonte er, daß der EZB-Rat hinsichtlich der Inflationsgefahren „große Wachsamkeit“ an den Tag legen werde. „Trichet hat damit die Tür für eine Leitzinserhöhung aufgestoßen“, sagt Peter Müller, ein Anleihefachmann der Commerzbank.

Doch dürfte der EZB-Rat noch mindestens bis Jahresende abwarten, wie sich die Konjunktur im Euro-Raum entwickelt. Denn die EZB sehe auch das Risiko, daß der Anstieg der Ölpreise das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum abwürgt. Sollte es dazu kommen, würden die Inflationsrisiken auch ohne Zutun der EZB abnehmen.

Dollar-Zinsen liegen über Euro-Zinsen

Auf Trichets Äußerungen hin ist der Zins für Euro-Dreimonatsgeld mit Lieferung im März am Freitag auf 2,40 Prozent gestiegen. Daraus läßt sich ablesen, daß die Zins-Terminmärkte nun bis März eine Anhebung des EZB-Leitzinses von derzeit 2,0 Prozent auf dann 2,25 Prozent erwarten. Dies wäre die erste Leitzinsanhebung seit Juni 2003. Noch höhere Wellen als an den Zinsmärkten schlugen Trichets Hinweise auf eine mögliche Anhebung des Leitzinses an den Devisenmärkten. Dahinter steht, daß der Kurs des Euro zum Dollar in letzter Zeit stark vom Zinsdifferential zwischen beiden Währungen bestimmt wird.

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Wegen zunehmender Inflation hat die amerikanische Notenbank Fed ihren Leitzins seit Juni 2004 von 1,0 Prozent auf inzwischen 3,75 Prozent hochgeschraubt, so daß die Dollar-Zinsen nun deutlich über den Euro-Zinsen liegen. Das hat Anleger animiert, Gelder von Euro in Dollar umzuschichten - was den Dollar-Kurs hat steigen lassen. Offenbar werde an den Devisenmärkten nun spekuliert, daß ein Anstieg der Euro-Leitzinsen dem Euro zugute kommen müßte, erläutert Holger Achnitz, Leiter des Devisenhandels bei der Citigroup in Frankfurt.

„Steueramnestie“

Achnitz hält die Erholung des Euro allerdings nur für eine Korrektur, nicht für eine Trendwende. Alles deute darauf hin, daß die Dollar-Leitzinsen in nächster Zeit stärker als die Euro-Leitzinsen steigen dürften, argumentiert er. Damit aber werde der Vorsprung der Dollar-Zinsen eher noch zunehmen. Achnitz sieht den Euro deshalb in nächster Zeit auf Kurse zwischen 1,1870 und 1,1760 Dollar fallen.

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Auch Hans-Jürgen Redeker, Chef-Devisenstratege bei BNP Paribas in London, sieht den Dollar kurzfristig wieder aufwerten - vor allem, weil wegen einer bis Jahresende befristeten „Steueramnestie“ noch viel Geld aus dem Ausland nach Amerika strömen dürfte. Doch sei der Dollar fundamental geschwächt und könnte 2006 deutlich an Wert verlieren, meint Redeker. Die Kursverluste an den amerikanischen Aktien- und Anleihemärkten ließen ausländische Investoren darüber nachdenken, sich von ihren Dollar-Engagements zu trennen.

Quelle: bf., F.A.Z., 08.10.2005, Nr. 234 / Seite 23
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