SuperReturn in Berlin

Finanzinvestoren im Übernahme-Fieber

Von Klaus Max Smolka
09.11.2021
, 10:35
Hunger nach mehr: Finanzinvestoren erwerben Unternehmen wie den Tierbedarf-Händler Zooplus.
Die Corona-Pandemie hat die Private-Equity-Branche eher wenig tangiert: Es werden Summen erreicht, die sogar das Rekordjahr 2007 übersteigen. Derzeit treffen sich die Finanzinvestoren zum Leitkongress SuperReturn in Berlin.
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Schon klar, in den Lockdowns der schwierigsten Corona-Zeit sehnten sich mehr Leute nach einem Haustier. Und brauchten deswegen mehr Tierfutter und Zubehör: den Kratzbaum für die Katze, einen Korb für den Hund, Innenfilter für das Aquarium. Und ja, Verbraucher erledigten als Folge von Corona generell mehr ihrer Einkäufe über das Internet, warum nicht auch jene für ihre Haustiere? Beides Faktoren, die dem Onlinetierbedarfshändler Zooplus zupasskommen. Wenn also die Aktie Anfang des Jahres 2020 um die 80 Euro kostete, scheint plausibel, dass sie nun deutlich über diesem Kurs notiert.

Aber 480 Euro? Das Sechsfache? So viel jedenfalls ist das Papier jetzt wert, nachdem die beiden Beteiligungsgesellschaften Hellman & Friedman (H&F) und EQT den Münchener Onlinehändler für sich entdeckt haben. Im August eröffnete H&F den Ringkampf um Zooplus, der auch für Private-Equity-Fachleute einiges Ungewohnte bereithielt. Die Amerikaner boten zunächst 390 Euro je Aktie und riefen die Wettbewerber KKR und EQT auf den Plan. Zooplus sprach mit allen, die Bieter peitschten einander hoch. Im letzten Schritt verbündeten sich EQT und H&F, legen nun jene 480 Euro auf den Tisch, entsprechend 3,7 Milliarden Euro Transaktionswert.

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Das Geschäft ist dreifach besonders: zum Ersten wegen der hohen „Prämie“, denn das Niveau liegt 85 Prozent über dem Durchschnittskurs der Drei-Monats-Periode vor Bekanntwerden der ersten Übernahmepläne. Zum Zweiten ist ungewöhnlich, dass sich zwei Rivalen eines laufenden Bieterverfahrens verbünden, um die Transaktion noch zu sichern. „Club-Deals“ – also eine Übernahme durch zwei oder mehr Private-Equity-Gesellschaften – sind in Milliardendimension öfters zu sehen.

Selten ist aber, dass zwei Parteien zusammenfinden, die einander eben noch in derselben Transaktionen überboten. Für Vergleichbares muss man ins Jahr 2007 zurückgehen, als Macquarie und BC Partners erst einzeln gegeneinander für den Heizkostenermittler Techem boten und anschließend gemeinsam – wobei sie am Ende an der angestrebten Mehrheitsquote scheiterten. Was zum Dritten den Fall Zooplus besonders macht: Entgegen dem üblichen Geschäftsmodell zahlen die Beteiligungsgesellschaften gänzlich aus eigenen Mitteln, nehmen kein Fremdkapital auf.

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Öffentliche Übernahmen werden beliebter

Das alles sind Zeichen dafür, wie heiß der Private-Equity-Markt gelaufen ist. Und so gibt es viel zu besprechen, wenn Beteiligungsprofis und ihre Geldgeber in Berlin zur Leitkonferenz SuperReturn zusammenkommen; an diesem Dienstag geht es mit einigen Sonder-„Gipfeln“ los, etwa dem „German Private Equity Summit“.

Das „Trockenpulver“ – das von Investoren zugesagte Kapital – steigt und steigt: Je nach Erhebung wird die Summe global auf einen hohen dreistelligen Milliarden- Dollar-Betrag oder einen Billionenwert beziffert. Das steigert den Anlagedruck, es scheint gar nicht mehr genügend Unternehmen zu geben, in welche die Beteiligungshäuser investieren können.

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So nimmt auch die Bereitschaft zu, für börsennotierte Unternehmen zu bieten, was in Deutschland übernahmerechtlich kompliziert ist. „Es hat lange gedauert, dass sich Private-Equity-Gesellschaften wieder an öffentliche Übernahmen gewagt haben“, befindet Berthold Fürst, Ko-Leiter für das globale Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) der Deutschen Bank: „Das ist Ausdruck eines Transaktionsdrucks, aber auch des Selbstbewusstseins, sich wieder an komplexe Transaktionsstrukturen zu wagen.“

Trotz Corona Rekordsummen

Finanzinvestoren tragen maßgeblich zur Hochkonjunktur im allgemeinen M&A-Geschäft bei. Letzteres wird in diesem Jahr einen Rekordwert erreichen, das ist schon jetzt entschieden. Denn das bislang addierte globale Volumen dieses Jahres hat kürzlich den Gesamtwert des bisherigen Rekordjahres 2007 – nämlich 4,6 Billionen Dollar – übertroffen. Dies hat der Statistikdienstleister Dealogic ermittelt. In den Jahren 2010 bis 2020 lag der Anteil von Private Equity bei 25 Prozent.

Im bisherigen Jahresverlauf seien es mehr als ein Drittel, nämlich 35 Prozent, wie die Investmentbank J. P. Morgan vorrechnet. „Private Equity spielt eine immer einflussreichere Rolle im globalen M&A-Geschäft“, konstatiert ihr M&A-Chef im deutschsprachigen Raum, Patrik Czornik. Die Gebühren für Investmentbanken dürften nach Dealogic-Kalkulation dieses Jahr global um ein Viertel steigen und auch in Euro gerechnet die 100-Milliarden-Grenze übertreffen.

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Die Beteiligungsgesellschaften legen Fonds von immer höherem Volumen auf. Hellman & Friedman und CVC sammelten für einzelne neue Töpfe jeweils mehr als 20 Milliarden Dollar ein, KKR brachte es im zweiten Quartal zusammengenommen auf 59 Milliarden Dollar. Immerhin ist der Anstieg der relativen Kaufpreise („Multiples“) kein Selbstläufer: Im dritten Quartal lagen sie für europäische Mittelständler bei durchschnittlich 11,3 in Bezug auf den operativen Gewinn (Ebitda), deutlich unter den 12,9 des zweiten Quartals. Dies hat das Private-Equity-Haus Argos berechnet. Als Grund nennt es, dass sich die Anzahl der Transaktionen in traditionell sowieso höher bewerteten Sektoren wie Gesundheit und Technologie nach einem Sonderboom normalisiert habe: „Dennoch liegen die Multi­ples weiterhin auf hohem Niveau.“

So hat die Private-Equity-Branche nur ein kurze Delle durch Corona erlitten: einige wenige Wochen der Lähmung im Frühjahr 2020. Kurz darauf sicherte die schier grenzenlose Liquidität schon wieder das Geschäft. Einziges Opfer war die SuperReturn im Februar dieses Jahres, denn sie musste verschoben werden, und das am Ende dreimal. Aber zum Nachholtermin ist der Kongress nun ausverkauft: 2000 Teilnehmer haben sich angekündigt – mehr ließ der Veranstalter nicht zu.

Zooplus-Übernahme

Der Online-Tierbedarfshändler Zooplus soll von der Börse verschwinden. Die Beteiligungsgesellschaften Hellman & Friedman (H&F) und EQT wollen das Unternehmen nach dem Mehrheitserwerb vom Kurszettel nehmen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Smolka, Klaus Max
Klaus Max Smolka
Redakteur in der Wirtschaft.
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