Nach langem Pokern

Finanzinvestoren scheitern mit Übernahme der Aareal-Bank

Von Tim Kanning
04.02.2022
, 19:59
Die geplante Übernahme der Aareal-Bank ist geplatzt.
Obwohl sie ihr ursprüngliches Angebot noch einmal aufgestockt haben, konnten Finanzinvestoren nicht ausreichend Aktionäre überzeugen. Die Zukunft des Wiesbadener Immobilienfinanzierers ist nun offen.
ANZEIGE

Die Niederlage hatte sich angedeutet, nun ist sie wirklich eingetreten: Die beiden Finanzinvestoren Advent Capital und Centerbridge sowie der kanadische Pensionsfonds CPPIB sind mit ihrem Übernahmeversuch der Wiesbadener Aareal-Bank gescheitert. Obwohl sie ihr ursprüngliches Gebot noch einmal verbessert hatten und den Wiesbadener Immobilienfinanzierer zuletzt mit 1,86 Milliarden Euro bewerteten, erreichten sie nicht ihre selbst gesetzte Mindestannahmeschwelle von 60 Prozent der Aareal-Anteile. Das Übernahmeangebot sei damit erloschen und werde rückabgewickelt, teilten die Bieter am Freitagabend mit. Die Annahmefrist für das Angebot war am Mittwochabend abgelaufen.

Mit dem Scheitern dürfte die im M-Dax gelistete Aareal-Bank in eine tiefe Krise stürzen. Denn sowohl das Management als auch der Aufsichtsrat der Bank hatten sich früh und deutlich für eine Übernahme durch die Bietergesellschaft ausgesprochen. Wichtige Investoren, darunter die aktivistischen Investoren Petrus Advisers und Teleios, die gemeinsam rund 20 Prozent an der Aareal halten, hatten immer wieder ihr Missfallen ausgedrückt.

ANZEIGE

Großaktionär fordert Rücktritte

So war früh klar, dass die Übernahme kein Selbstläufer werden würde. Um ihre Chancen zu verbessern, hatten sie vor zwei Wochen die Annahmeschwelle von 70 auf 60 Prozent gesenkt und das Angebot um zwei Euro auf 31 Euro je Aktie erhöht. Erst im November war auch noch der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky zu einem der größten Aareal-Aktionäre aufgestiegen, der dem Vernehmen nach das verbesserte Angebot der Investoren angenommen hatte. Streit unter den Investoren und der Unternehmensführung gibt es vor allem schon lange um die IT-Tochtergesellschaft Aareon, die als wertvollster Teil des Konzerns gilt. An ihr ist Advent bereits seit 2020 mit 30 Prozent beteiligt.

Petrus Advisers reagiert unmittelbar nach Bekanntgabe des Scheiterns am Freitagabend mit einer abermaligen Stellungnahme, in der sie unter anderem den Rücktritt des erst im Dezember angetretenen Aufsichtsratsvorsitzenden Hermann Wagner forderten. Vorstandschef Jochen Klösges und Finanzvorstand Marc Hess riefen sie dazu, auf noch in den nächsten Wochen eine überarbeitete Strategie vorzulegen oder andernfalls ebenfalls zurückzutreten.

ANZEIGE

Klösges meldete sich ebenfalls noch am Freitag Abend zu Wort. „Wir werden nun aus eigener Kraft die Umsetzung unserer erfolgreichen Strategie vorantreiben“, schrieb der Vorstandsvorsitzende in einem Statement. „Die Aareal Bank Gruppe hat in allen Segmenten erhebliche Wachstumspotenziale, die wir in den kommenden Jahren konsequent nutzen wollen. Hierüber werden wir selbstverständlich einen intensiven Dialog mit unseren Investoren führen.“

Petrus hatte wiederholt vorgeschlagen, die Bank nicht zu verkaufen, sondern stattdessen Aareon abzuspalten. Der Vorstand hält das für nicht machbar. Mit der Aareon-Software können Wohnungseigentümer etwa die Mieten verwalten. Die Bank profitiert davon, weil viele dieser Kunden Mieten und Kautionen in Milliardenhöhe bei ihr deponieren, was für sie eine günstige Refinanzierungsmöglichkeit ist. Ohne Aareon fiele diese weg.

ANZEIGE
Quelle: F.A.Z.
Autorenpoträt / Kanning, Tim (kann.)
Tim Kanning
Redakteur in der Wirtschaft.
  Zur Startseite
Lesermeinungen
Alle Leser-Kommentare
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Tarifportal
Strom-Vergleich: Sparen mit günstigem Strompreis
Kapitalanlage
Pflegeimmobilien als Kapitalanlage der Zukunft
Immobilienbewertung
Verkaufen Sie zum Höchstpreis
Hypothekenrechner
Jetzt Zinsen vergleichen
Sprachkurs
Lernen Sie Englisch
ANZEIGE