Finanzmärkte

Rohstoffpreise auf Rekordkurs

23.02.2005
, 19:55
Der CRB-Index kletterte in dieser Woche auf das höchste Niveau seit 1981. Vor allem der Rohstoffhunger Chinas macht Preiserhöhungen der Konzerne möglich.

Ungeachtet eines etwas langsameren Wachstums der Weltwirtschaft ist die Hausse vieler Rohstoffe ungebrochen. Der die Preise von 17 Rohstoffen abbildende Reuters-CRB Commodity Index kletterte in dieser Woche auf das höchste Niveau seit 24 Jahren. Dahinter steht unter anderem das Kalkül, daß der zuletzt wieder fallende Dollar die globale Nachfrage nach Rohstoffen weiter anheizt. Rohstoffe werden an den Terminmärkten fast ausschließlich auf Dollar-Basis gehandelt. Allein seit Jahresbeginn ist der CRB-Index um 6 Prozent gestiegen, nachdem schon für das Gesamtjahr 2004 ein Plus von 11 Prozent zu Buche steht.

Die Dollar-Baisse erklärt freilich nur einen Teil der Preisschübe bei vielen Rohstoffen. Experten verweisen in erster Linie auf den ungeheuren Rohstoffhunger der aufstrebenden Wirtschaftsmacht China. Seit dem Jahr 2000 haben sich beispielsweise die Eisenerzimporte Chinas mehr als verdreifacht. Aufgrund der hohen Nachfrage können die Bergbaukonzerne denn auch kräftige Preiserhöhungen durchsetzen. Ein regelrechter Preisschock für die Stahlindustrie ist jedoch die jüngste Einigung der brasilianischen Companhia Vale do Rio Doce (CVRD) mit den beiden japanischen Stahlkonzernen Nippon Steel und JFE Holdings und dem koreanischen Stahlriesen Posco. Für die Erzlieferungen in den zwölf Monaten von April an hat CVRD, der größte Eisenerzproduzent der Welt, eine Preiserhöhung von jeweils 71,5 Prozent durchgesetzt. Die Preiserhöhung im Jahr davor, bis dato die höchste überhaupt, hatte nur bei 18,6 Prozent gelegen.

Preisverdopplung bei Kokskohle

Diese Vereinbarung wollen europäische Stahlhersteller wie Arcelor, Thyssen-Krupp und Salzgitter, die unlängst schon eine Preisverdopplung bei Kokskohle hinnehmen mußten, zwar nicht als wegweisend verstanden wissen. Eine Meßlatte ist jetzt aber gesetzt. Und da am Markt Zweifel bestehen, daß die Stahlhersteller diese höheren Kosten voll auf ihre Abnehmer überwälzen können, sind Stahlaktien in den beiden vergangenen Tagen unter Abgabedruck geraten.

Die Kehrseite der Medaille sind die Aktienkurse der Bergbaukonzerne: Die Papiere von CVRD und den beiden australischen Wettbewerbern BHP Billiton und Rio Tinto haben jeweils Rekordhöhen erreicht. Allein seit Jahresbeginn errechnen sich Kursgewinne von 15 bis 20 Prozent. BHP Billiton und Rio Tinto sind nach CVRD die größten Produzenten von Eisenerz. Die beiden Unternehmen sind, ebenso wie die südafrikanische Anglo American, die am Mittwoch ihre Quartalszahlen präsentierte, im britischen Aktienmarktindex FT-SE 100 enthalten und gelten als Standardwerte für Rohstoffinvestments. BHP, der größte Bergbaukonzern der Welt, meldete unlängst für die sechs Monate bis Dezember einen um 110 Prozent höheren Gewinn von 2,8 Milliarden Dollar - bei einem Umsatzanstieg von 42 Prozent. Erzrivale Rio Tinto berichtete für das Gesamtjahr 2004 über einen Gewinnanstieg von 87 Prozent, bei Anglo American stellt sich der Zuwachs auf 83 Prozent. Immer mehr Analysten fragen sich freilich, wie lange die Rohstoff-Party noch andauern wird. Der Schlüssel für eine Fortsetzung liegt in China, lautete die gängige Antwort. Solange das Land sein hohes Wirtschaftswachstum von zuletzt nahezu 10 Prozent beibehalten kann, dürfte auch der Rohstoffmarkt, allen voran die Märkte für Basismetalle und Rohöl, unter Dampf bleiben, sagen Experten.

Quelle: dri., F.A.Z., 24.02.2005, Nr. 46 / Seite 25
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