Nach Konjunktureinbruch

Abwärtswelle an den Aktienmärkten

Von Hanno Mußler
Aktualisiert am 30.07.2020
 - 18:19
Der Schatten des Bäres, der für sinkende Kurse steht, und der des Bullen auf dem Pflaster vor der Frankfurter Börse
Der Dax fällt auf den tiefsten Stand seit vier Wochen. Dafür sind schlechte Nachrichten der Volkswirtschaften und der Unternehmen verantwortlich. Auch Donald Trump sorgt für Verunsicherung.

Eine ganze Ladung schlechter Nachrichten hat am Donnerstag die Aktienindizes in Europa und Amerika tief gedrückt. Dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal um 10,1 Prozent und damit noch deutlich stärker als befürchtet geschrumpft ist, versetzte dem deutschen Aktienindex Dax am Morgen einen ersten Abwärtsschub. Als am Nachmittag der amerikanische Aktienindex Dow Jones 2 Prozent tiefer eröffnete, geriet der Dax noch in eine zweite Abwärtswelle und fand erst auf dem Tagestief von 12260 Punkten Halt, ein Minus von mehr als 4 Prozent. Bis Handelsschluss erholte sich der Dax nur etwas und schloss im Tagesvergleich 3,5 Prozent tiefer auf 12.379 Punkte, dem tiefsten Stand seit vier Wochen.

Für starke Verunsicherung unter den Anlegern sorgte auch Donald Trump. Der amerikanische Präsident brachte eine Verschiebung der Wahlen im November ins Spiel, nachdem die amerikanische Wirtschaft im zweiten Quartal auf das Jahr hochgerechnet sogar um 32,9 Prozent geschrumpft ist. Darüber hinaus belasteten einige Berichte europäischer Unternehmen die Aktienmärkte, während einige amerikanische Unternehmen positiv überraschten.

Börsenerholung vorbei?

Damit könnte die Phase der Börsenerholung, die den Dax vom Corona-Tief im März bei rund 8300 Punkten bis auf fast 13.200 Punkte vor zwei Wochen geführt hat, vorbei sein. Am Donnerstag war im Dax die Aktie von VW mit einem Minus von 7 Prozent größter Verlierer. Der deutsche Automobilhersteller berichtete über einen höher als erwartet ausgefallenen Verlust im zweiten Quartal, sein französischer Konkurrent Renault sogar über einen Rekordverlust. Auch der Gesundheitskonzern Fresenius, der im Dax ähnlich hohe Kursverluste wie VW erlitt, enttäuschte mit seinen am Donnerstag vorgelegten Quartalszahlen.

Im M-Dax war die Aktie des Siliziumscheibenherstellers Siltronic mit einem Kursverlust von 8,5 Prozent größter Verlierer, nachdem er schwache Geschäfte für das zweite Halbjahr angekündigt hatte. Der Euro indes setzte zum Dollar seinen Aufstieg fort und kostete erstmals seit 2018 wieder mehr als 1,18 Dollar. An den amerikanischen Börsen lief die Abwärtswelle allerdings am Donnerstag zunächst aus. Das lag auch daran, dass der Chipkonzern Qualcomm, der Lieferdienst UPS und der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble überraschend gute Geschäftszahlen vorlegten. Den Anlegern gefiel auch, dass der Pharmakonzern Johnson & Johnson mit klinischen Tests seines Corona-Impfstoff-Kandidaten beginnt. Der Dow Jones verringerte daraufhin seinen Tagesverlust auf 1 Prozent. Der Nasdaq-Index glich seine anfänglichen Verluste nahezu aus.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Mussler, Hanno
Hanno Mußler
Redakteur in der Wirtschaft.
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