Aktienmarkt

Konjunkturhilfe in China hellt Stimmung an Europas Börsen auf

20.05.2022
, 13:38
Das Tief des M-Daxes und des S-Daxes wird wohl anhalten.
An den Aktienmärkten ist es zum Wochenschluss wieder aufwärts gegangen. Der Dax schaffte es abermals über die Marke von 14.000 Punkten. Doch die Zuversicht ist nicht ungetrübt.
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Mit ihren konjunkturstützenden Maßnahmen hat die chinesische Notenbank zum Wochenschluss wieder für mehr Optimismus an Europas Aktienmärkten gesorgt. Der Dax gewann nach seinen jüngsten Verlusten am Freitag zeitweise 1,9 Prozent auf 14.147 Punkte und schaffte es damit wieder über die Marke von 14.000 Punkten. Der deutsche Nebenwerteindex M-Dax legte 2 Prozent auf 29.609 Punkte zu. Der Auswahlindex für den Euroraum Euro-Stoxx-50 rückte um 1,6 Prozent vor.

Für Auftrieb sorgte, dass China einen Schlüsselzinssatz im Immobiliensektor für langfristige Kredite überraschend stark gesenkt hat. Die Behörden versuchen damit den Häusermarkt anzukurbeln und einer deutlichen Konjunkturabschwächung infolge der strengen Null-Covid-Politik mit zahlreichen Beschränkungen entgegenzusteuern. Die sei ein Schritt in die richtige Richtung, sagte Carlos Casanova, Ökonom bei der Union Bancaire Privee in Hongkong. An der Börse in Shanghai wurde die Ankündigung der Zentralbank mit einem Plus von 1,6 Prozent honoriert. In den Vereinigten Staaten hatte die Wall Street am Donnerstag noch im Minus geschlossen.

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Der amerikanische Standardwerteindex Dow Jones hatte 0,8 Prozent auf 31.253 Punkte verloren. Für die Technologiewerte im Nasdasq Composite war es um 0,3 Prozent auf 11.389 Punkte abwärts gegangen.

Einige Analysten zweifelten allerdings am Nutzen dieser Maßnahme. Sie dürfte nur der Tropfen auf den heißen Stein einer Rezessionsgefahr im Reich der Mitte sein, urteilte Jürgen Molnar von RoboMarkets. „Solange die massiven Einschränkungen anhalten, dürfte Chinas Wirtschaft Mühe haben, wieder die von ihr gewohnte Fahrt aufzunehmen und damit auch die Weltwirtschaft mitzuziehen.“ Zhiwei Zhang, Chefökonom bei Pinpoint Asset Management, rechnet in den nächsten Monaten mit weiteren Zinssenkungen. „Ich erwarte auch mehr politische Maßnahmen in den Bereichen Fiskal-, Eigentums- und Plattformökonomie.“

Notenbanken in der Zwickmühle

Neben der Entwicklung in China treibt die Anleger derzeit jedoch auch die Frage um, ob die US-Notenbank Fed wie auch die Europäische Zentralbank (EZB) es schaffen werden, die Teuerung zu bremsen, ohne die Konjunktur abzuwürgen. „Das Wachstum wird sich weiter abschwächen, die Inflation aber vorerst hoch bleiben – die Notenbanken stecken in der Zwickmühle“, sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck.

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Während die Fed die Zinswende schon vollzogen hat, nimmt nun aus Sicht von Commerzbank-Analyst Ralph Solveen auch auf die EZB der Druck zu, schon bald die Zinsen anzuheben. Die noch einmal gestiegenen deutschen Produzentenpreise ließen „befürchten, dass auch bei den Verbraucherpreisen zumindest die Kernrate den Hochpunkt noch lange nicht erreicht hat.“ Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte kletterten im April binnen Jahresfrist um durchschnittlich 33,5 Prozent. Sie gelten als Vorläufer für die allgemeine Inflation. Aktuell ist die Inflationsrate mit 7,4 Prozent schon so hoch wie seit 1981 nicht mehr. Spekulationen auf eine baldige Zinswende im Euroraum trieben die Gemeinschaftswährung am Donnerstag um mehr als ein Prozent in die Höhe. Zum Wochenschluss notierte der Euro kaum verändert bei 1,0586 Dollar.

Luxuswerte nach Richmont-Zahlen unter Druck

Unter den Einzelwerten machten vor allem die Luxuswerte von sich Reden, nachdem Richemont mit seinem Gewinn hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Hermes, LVMH, Moncler und Kering gaben zeitweise zwischen 3,4 und 1,7 Prozent im Kurs nach. Im MDax notierten Hugo Boss gut zwei Prozent schwächer. Die Aktien des Schweizer Luxusgüterkonzerns Richemont rutschen um fast 14 Prozent ab.

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Im Dax gingen zahlreiche Titel, die seit Jahresbeginn stark gefallen waren, auf Erholungskurs. Die größten Kursgewinne verzeichneten die Aktien des Autozulieferers Continental mit einem Plus von rund 5 Prozent, gefolgt von den Papieren des Kochboxen-Versenders HelloFresh, die mehr als 4 Prozent im Kurs zulegten. Zeitweise waren es für diese Papiere sogar ein Aufschlag von 7 Prozent, sie kommen seit Anfang Januar allerdings auf ein Minus von fast 50 Prozent. Der Dax selbst hat im selben Zeitraum 12,6 Prozent an Wert eingebüßt. Am Dax-Ende zeigten sich am Freitag die Papiere der Versicherer Hannover Rück und Munich Re sowie die Titel der Deutschen Bank wenig verändert.

Quelle: Reuters/kpa.
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