Ausblick Carmignac

Alles im Blick behalten

Von Martin Hock
Aktualisiert am 06.12.2019
 - 16:22
Amerikas Notenbank in Washington
Die Fondsgesellschaft Carmignac erwartet für das Jahr 2020 wenig von der Konjunktur. Eine Besserung will man aber auch nicht ganz ausschließen.

Nachdem dieses Jahr konjunkturell ein bisschen versöhnlicher endete, setzen einige darauf, dass das Jahr 2020 doch zumindest besser wird als befürchtet. Etwas zurückhaltender ist die französische Fondsgesellschaft Carmignac. „Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass das Umfeld so bleibt, wie es zuletzt war“, sagt Gergély Majoros, Mitglied des Investment-Komitees von Carmignac. „Das heißt es gibt wenig Wachstum bei niedriger Inflation.“

Es sei aber schon möglich, dass die Konjunktur etwas besser laufe. Wenn sich das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und China entspanne, könnten die Investoren ihre Zurückhaltung etwas aufgeben. Auch von der amerikanischen Zentralbank Fed könne ein Impuls kommen. Davon überzeugt ist Majoros allerdings nicht. Er rechnet ohnedies schon mit mehr als nur einer Zinssenkung in Amerika im nächsten Jahr, ohne dass sich daraus eine zyklische Erholung ergäbe. Die sei auch tendenziell schon eingepreist.

Aber so ganz ausschließen will Majoros eine Erholung auch nicht. „Wir schauen uns das an wie die Milch auf dem Herd. Wenn die Konjunktur etwas aufkocht, könnten auch wir mehr zu zyklischen Aktien greifen.“ Den jüngsten Trend in diese Richtung will er nicht überbewerten. Man wisse noch nicht, ob das nicht nur eine technische Gegenbewegung gewesen sei.

Schwellenländer im Vorteil

Wenn Carmignac für eine Region etwas mehr Hoffnung hat, so sind dies vor allem die Schwellenländer, wo „das Glas halbvoll“ sei. Im laufenden Jahr hätten diese unter eine konjunkturellen Abschwächung und der zunächst strafferen Geldpolitik der Fed gelitten. Doch gerade letztere Restriktion sei ja entfallen. Dass die Fed zuletzt mehr Mittel in den Markt für die kurzfristige Bankenfinanzierung gepumpt hat, bewertet Majoros positiv. „Es erhöht die Dollar-Liquidität und das kommt den Schwellenländern zugute.“ Deswegen habe man die Gewichtung zuletzt erhöht und werde diesen Weg im nächsten Jahr womöglich weitergehen.

Auf der Aktienseite gebe man kurzfristig Asien und China den Vorzug. „Allerdings erwarten wir von China erstmal keinen massiven konjunkturellen Impuls, sondern nur eine Stabilisierung auf dem aktuellen niedrigen Niveau. Aber das ist schon positiv.“

Europa könne davon profitieren. Hier werde es auch keine Rezession geben, das verhindere schon die lockere Geldpolitik. Positive Impulse könne diese aber nicht mehr geben und so könnten die allenfalls von der Fiskalpolitik kommen. „Die Frage ist, ob Länder wie Deutschland oder die Niederlande ihre Staatsausgaben erhöhen. Die günstige Refinanzierung gibt diesen Ländern Spielräume. Allerdings könnte es sein, dass in Deutschland die Politik erst zu spät reagiert.“

Deswegen heißt Carmignacs Devise in Europa doch weiter: gut auswählen und nicht den Markt kaufen. Champions gebe es genug, etwa unter den Luxusgüteranbietern. Amerikanische Aktien seien in einem globalen Portfolio immer hoch zu gewichten. Wie gut sich diese im Jahr 2020 entwickeln werden, hänge am Ende wie immer vom Konsum in den Vereinigten Staaten ab.

Auf der Anleihenseite bevorzugt Carmignac Russland – und die Türkei: „Die politische Lage hat sich stabilisiert, die AKP hat die Niederlagen in Ankara und Istanbul akzeptiert. Zudem stehen aktuell keine wichtigen Wahlen an. Da sind 7 Prozent Rendite in Dollar für zehn Jahre durchaus attraktiv.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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