FAZ plus ArtikelTechnische Analyse

Bärenmärkte dauern oft unangenehm lange

Von Achim Matzke
24.06.2022
, 08:38
Zuweilen ein langsamer Zeitgenosse: der Bär vor der Frankfurter Börse.
Der Aktienindex Euro Stock 50 zeigt seit längerem relative Schwäche. Die defensive Grundhaltung gegenüber dem Index jetzt schon aufzugeben, wäre aber falsch. Denn es droht sogar noch eine Ausweitung der Baisse.
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Nach den Kursverlusten im ersten Halbjahr 2022 werden die wichtigsten Aktienindizes wie der S&P 500, Nikkei 225, Euro Stoxx 50 und Dax auch im zweiten Halbjahr 2022 eher mit den Belastungsfaktoren (hohe Inflationsraten, geopolitische Herausforderungen, restriktivere Geldpolitik vieler Notenbanken, steigende Anleiherenditen, nachlassende Wirtschaftsdynamik etc.) zu kämpfen haben. Dies wird bei vielen Unternehmen zu reduzierten Gewinnerwartungen führen und zusätzlich für ein weiteres Absinken von Bewertungsniveaus sorgen. Beim S&P 500 deutet die technische Gesamtlage einerseits eine Fortsetzung der Baisse an. Andererseits signalisieren aber einige technische Aspekte wie der hohe Pessimismus und die erhöhten Cash-Bestände bei vielen Marktteilnehmern eine Abschwächung der Baissedynamik. Der Dax und der Nikkei 225 haben – vor dem Hintergrund der schwachen Währungen (Euro und Yen) – nicht zuletzt aufgrund des hohen Anteils von Währungsprofiteuren eine moderate relative Stärke im Indexvergleich. Diese sollte in den kommenden Monaten bestehen bleiben. Die Zusammensetzung des Euro Stoxx 50 sorgt – vor dem Hintergrund der aktuellen Belastungsfaktoren – für eine relative Schwäche, wobei für das zweite Halbjahr 2022 neue Baissetiefs in diesem Index nicht überraschen sollten.

Im S&P 500 liegt aus technischer Sicht eine Baisse vor, wenn sich der Index mehr als 20 Prozent vom (Allzeit-)Hoch entfernt. Mit Blick auf die Bärenmärkte seit 1945 ergeben sich zwei zentrale Aspekte. Die Bärenmärkte dauerten im Durchschnitt ungefähr 450 Kalendertage, wobei das Baissetief erst mit zeitlicher Verzögerung festgestellt werden kann. Bei diesem Durchschnitt sind die sogenannten ereignisgetriebenen Bärenmärkte, also sehr kurze, aber heftige Baissebewegungen, die durch einen „externen Schock“, zum Beispiel die Corona-Pandemie, ausgelöst werden, nicht berücksichtigt. Bärenmärkte in Kombination mit einer restriktiven US-Geldpolitik und einer US-Wirtschaftsabkühlung ziehen sich hin. Im Durchschnitt haben diese Baissebewegungen im S&P 500 (seit 1945) Kursverluste von ungefähr 34 Prozent eingebracht. Dies bedeutet, wenn der Index in den Bärenmarkt eintritt (Verlust von mindestens 20 Prozent), ist im Regelfall der größere Teil der Kursverluste bereits in den Index eingearbeitet.

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