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Bankhaus Metzler

Babyboomer werden für Zinsanstieg sorgen

Von Gerald Braunberger
 - 12:03
Die Babyboomer-Jahrgänge treten bald in den Ruhestand ein – und werden nach Meinung der Wirtschaft einen Großteil ihrer Ersparnisse investieren.

In Japan und in Deutschland liegt die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen um oder leicht über null Prozent. In Indien beträgt die Rendite rund 8 Prozent, in Nigeria fast 14 Prozent. Für diese Renditeunterschiede mag es unterschiedliche Gründe geben, aber es fällt auf, dass die Renditen umso niedriger liegen, je höher das Durchschnittsalter der Bevölkerung ist. In den Niedrigzinsländern Deutschland und Japan liegt es zwischen 45 und 50 Jahren. Im Hochzinsland Nigeria liegt das Durchschnittsalter unter 20 Jahren.

Die Demographie gilt für viele Ökonomen seit langem als ein wesentlicher Grund für die seit Jahrzehnten rückläufigen Zinsen und Renditen in den alternden Industrienationen und in Schwellenländern wie China. Das Frankfurter Bankhaus Metzler sieht diese These durch eigene Berechnungen bestätigt. „60 Prozent der Renditeunterschiede zwischen den Ländern lassen sich mit der Demographie erklären“, heißt es in einer Präsentation der Sparte Privatbankgeschäft. „Die demographische Entwicklung in Deutschland und in China hat zur globalen Sparschwemme beigetragen.“

Nach Ansicht von Metzler läuft dieser den Zins senkende demographische Trend aber aus; vielmehr dürften die demographischen Veränderungen in den kommenden Jahrzehnten den Zins tendenziell steigen lassen. Der Grund liegt im bevorstehenden Eintritt der bevölkerungsstarken Babyboomer-Generation in den Ruhestand. Die Babyboomer befinden sich seit Jahrzehnten im Arbeitsprozess und tragen mit ihren Ersparnissen zu einem hohen gesamtwirtschaftlichen Sparangebot bei, das sinkende Zinsen begünstigt. Aber wenn die Babyboomer in den Ruhestand treten, fällt diese zahlenmäßig starke Bevölkerungsgruppe als Sparer aus; vielmehr dürfte sie eher angesammelte Ersparnisse verbrauchen. Daraus leitet sich die These ab, dass die Demographie in den kommenden Jahrzehnten einen wieder steigenden Zins begünstigen dürfte. „Die Sparschwemme der vergangenen Jahre könnte damit langfristig zu einer Sparklemme werden“, sagte Emmerich Müller, der für das Privatbankgeschäft verantwortliche Partner des Bankhauses. „Ein starker Anstieg des Zinses ist auf absehbare Zeit aber nicht zu erwarten.“

Kein Grund, Aktien den Rücken zu kehren

Damit bleiben Anleihen für Metzler keine interessante Anlage. „Um zu diversifizieren und der Negativverzinsung aus dem Weg zu gehen, kommt man im Anleihebereich weiterhin nicht um Unternehmensanleihen herum“, sagt Frank Endres, der Leiter des Portfoliomanagements. Das Volumen europäischer Unternehmensanleihen habe sich in den vergangenen zehn Jahren von 1,1 auf 2,4 Billionen Euro verdoppelt. „Leider ging mit dieser Angebotsschwemme aber auch eine stetige Verschlechterung der durchschnittlichen Kreditqualität im Gesamtmarkt einher“, schränkt Endres ein. Daher böten die niedrigen Renditen keine angemessene Kompensation für das höhere Risiko: „Vor allem sind die Gefahren bei Anleihen mit langen Laufzeiten und schlechten Bonitäten zu meiden.“

Deshalb legt Metzler wie jeher in seinen Empfehlungen einen starken Fokus auf Aktien. In einem Musterdepot befinden sich derzeit 67 Prozent Aktien und 20 Prozent Anleihen. Die verbleibenden 13 Prozent sind Liquidität, die für künftige Aktienkäufe geparkt wird. 70 Prozent des Vermögens sind in Euro investiert, 18 Prozent in Dollar, der Rest in Schweizer Franken, Pfund und dänischen Kronen.

Die Zuversicht für Aktien wird nicht wesentlich durch die Annahme beeinträchtigt, dass sich der Konjunkturaufschwung in seiner Spätphase befindet und die Notenbanken auf zunehmende Inflationsgefahren mit steigenden Leitzinsen reagieren dürften. „Zukünftig dürften es Aktien schwerer haben“, sagt Müller. „Allerdings ist dies noch kein Grund, Aktien vorschnell den Rücken zu kehren.“

Auf Sicht der kommenden zwei Jahre rechnet Metzler mit einem Ertrag aus Aktienanlagen von rund 6,5 Prozent im Jahr. Diese Rendite setzt sich aus einer Dividendenrendite von 2,5 Prozent und einem Kurspotential von rund 4 Prozent im Jahr zusammen. Europäische Aktien gelten im Vergleich zu amerikanischen Aktien als günstiger bewertet. Mit seiner starken Ausrichtung auf die Aktienanlage sieht sich Müller durch die vergangenen Anlageergebnisse bestätigt. „Unsere Kunden sind glücklich und entspannt“, verrät der Bankier.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Braunberger, Gerald
Gerald Braunberger
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