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Risiken und Chancen

Blackrock warnt vor den europäischen Aktienmärkten

Von Tim Kanning
 - 11:51
Trübe Aussichten: Kapitalmarktstratege Martin Lück hält für Blackrock die deutschsprachigen Märkte im Blick.

Mit drastischen Worten rät der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock seinen Kunden von einer Investition in die europäischen Aktienmärkte ab. „Wir steuern weg von Gegenden, in denen wir begrenzte Chancen für einen Aufschwung und heftige Risiken für einen Abschwung sehen, wie etwa europäische Aktien“, schreibt der weltgrößte Vermögensverwalter in seinem Kapitalmarktausblick, den er an diesem Dienstag veröffentlicht. Auch wenn die Aussichten für das Jahr 2019 insgesamt von schwächeren Wachstumsraten geprägt sein dürften, so favorisiert Blackrock doch amerikanische Aktien oder auch solche aus Schwellenländern.

Wie Blackrock die Welt sieht, hat Gewicht. Mehr als sechs Billionen Dollar haben Anleger aus aller Herren Ländern dem weltgrößten Vermögensverwalter anvertraut. Das New Yorker Finanzunternehmen, das durch seinen Aufsichtsratschef in Deutschland, Friedrich Merz, zuletzt noch zusätzliche Bekanntheit erlangte, bewegt nicht nur selbst große Summen, sondern beeinflusst auch die Entscheidungen von Millionen von Anlegern.

Der Brexit, die populistische Regierung in Italien und nun auch noch die „Gelbwesten“ in Frankreich sorgen für große Unsicherheiten und dafür, dass Blackrock die europäischen Märkte untergewichtet, wie Martin Lück, Leiter der Kapitalmarktstrategie von Blackrock für den deutschsprachigen Raum, im Gespräch mit der F.A.Z. erläutert. „Europa war eingelullt von der guten wirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen Jahre. Zukunftsfähig auch für Krisenzeiten ist Europa aber noch lange nicht“, sagt Lück. Diese Versäumnisse rächten sich nun, da die Zeiten an den Börsen rauher würden.

Vertrauen in chinesisches Wachstum

„Die Vereinigten Staaten und China ringen gerade um die Vorherrschaft in der Welt. Europa steht am Spielfeldrand und beschäftigt sich mit sich selbst“, sagt Lück. Er könne sich kaum ein Szenario vorstellen, in dem europäische Aktien im nächsten Jahr besser laufen sollten als Titel aus China oder den Vereinigten Staaten. Auch wenn der Handelskonflikt zwischen diesen beiden Großmächten derzeit bedrohlich wirke, geht Lück davon aus, dass er am Ende dazu führen könnte, dass die Zölle in beiden Märkten niedriger statt höher ausfallen. Insofern sollten Anleger eher auf Aktien aus diesen beiden großen Märkten setzen.

Auch dort sollten Anleger allerdings starke Nerven mitbringen. Zwar ist Lück nach dem an vielen Märkten schmerzhaften Jahr 2018 für das Jahr 2019 etwas zuversichtlicher. Die Kursschwankungen dürften aber weiterhin groß bleiben. „In den Jahren 2016 und 2017 waren die Aktienmärkte durch ein Schutzschild aus einem starken Wirtschaftswachstum und niedrigen Zinsen vor den politischen Unsicherheiten geschützt. Dieser Schutzschild ist inzwischen geschwächt“, sagt Lück. „2018 gab es schon zwei Wirkungsschläge, wie man im Boxen sagen würde, als die Märkte im Februar und im Oktober starke Rücksetzer hinnehmen mussten.“ Dennoch gelte weiterhin: „Wir erwarten keine Rezession für 2019, weder in Europa noch in den Vereinigten Staaten.“

In Deutschland muss risikoreicher angelegt werden

Um das Wachstum in China macht sich Lück trotz der jüngsten Krisenzeichen wenig Sorgen. Sollte sich eine Konjunkturschwäche andeuten, so ist Lück davon überzeugt, dass die Regierung in Peking wie schon 2015 dafür sorgen werde, dass das Wachstum auf jeden Fall trotzdem über 6 Prozent bleiben werde. In den asiatischen Schwellenländern bleibt Blackrock daher bis auf weiteres übergewichtet. Für andere Schwellenländer etwa in Lateinamerika ist Lück dagegen weiterhin skeptisch. Was die neuen Regierungen in Brasilien und Mexiko bewirkten, sei noch schwer abzusehen. In Argentinien stünden 2019 Wahlen an. Auch die weitere Entwicklung in Russland und Südafrika sei derzeit schwer einzuschätzen.

Für die amerikanischen Unternehmen erwartet Lück auch im Jahr 2019 noch positive Effekte aus der Steuerreform von Ende 2017. Er würde hier zu sogenannten Qualitätsaktien raten, die aufgrund niedriger Verschuldung von steigenden Zinsen nicht so sehr getroffen werden. Allerdings räumt er ein: „Die Politik ist zu einer sehr schwer berechenbaren Variablen geworden.“

Die unterschiedliche Zinspolitik in Europa und den Vereinigten Staaten führt nach Ansicht des Kapitalmarktstrategen dazu, dass Anleger in Deutschland ihr Geld für eine ordentliche Rendite anders anlegen müssen als Amerikaner, und zwar risikoreicher. „In Amerika macht es für Anleger wieder Sinn, in kurzfristige Zinstitel zu investieren. Es gibt da wieder eine echte Alternative zur riskanten Aktienanlage“, sagt Lück. „Wer in Deutschland in Zinstitel investieren will, muss weiterhin auf längere Laufzeiten setzen, um nicht in die negativen Renditen zu rutschen.“

Können denn deutsche Anleger nicht einfach auch in amerikanische Anleihen investieren und so von den dort höheren Zinsen profitieren? Aus Sicht von Lück müssten sie eine solche Anlage gegen das Wechselkursrisiko vom Euro zum Dollar absichern. Dadurch würde aber die Rendite, die sich mit der Anleiheanlage erzielen ließe, schnell wieder aufgezehrt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenpoträt / Kanning, Tim (kann.)
Tim Kanning
Redakteur in der Wirtschaft.
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