Internationale Finanzmärkte

Nächste Schritte in der Geldpolitik verunsichern

11.10.2021
, 13:14
Anleger in Asien erwarten mit Spannung die bevorstehende US-Berichtssaison.
Die Aussicht auf eine Kursänderung in der Geldpolitik verstimmt deutsche Anleger. Angesichts der beginnenden Berichtssaison befinden sich die asiatischen Börsen hingegen im Aufwind.
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Dax-Anleger sind weiterhin auf der Hut. Der deutsche Leitindex fiel am Vormittag 0,1 Prozent auf 15.191 Punkte. Anleger wägten das Für und Wider der US-Arbeitsmarkzahlen vom Freitag ab. „Sie waren alles in allem zwar nicht unbedingt so schlecht, dass die US-Notenbank Fed die geplante Drosselung ihrer Anleihekäufe, auch 'Tapering' genannt, im November verschieben muss“, sagte Jochen Stanzl, Marktanalyst vom Handelshaus CMC Markets. Dennoch werde bereits über die Folgen eines späteren Eingreifens der Geldpolitik sowie höherer Inflationsrisiken diskutiert. „Die steigenden Ölpreise könnten einen späteren Kurswechsel in der Geldpolitik zu einem Risiko machen.“

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Die Aussicht auf eine Straffung der Geldpolitik setzt auch die Rentenmärkte weiter unter Druck. Anleger in der Euro-Zone werfen Anleihen aus ihren Depots; im Gegenzug ziehen die Renditen deutlich an. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe kletterte zum Wochenstart um mehr als zwei Basispunkte auf minus 0,117 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Mai. An den Geldmärkten wird mittlerweile eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) um zehn Basispunkte bis Ende 2022 voll eingepreist.

Für Unruhe an den Anleihemärkten sorgte zudem die Erwartung, dass die Bank of England (BoE) deutlich vor der EZB die Zinsen anheben werde. Das BoE-Führungsmitglied Michael Saunders sagte einem Zeitungsbericht vom Wochenende zufolge, Haushalte sollten sich angesichts des Inflationsdrucks auf eine „deutlich frühere“ Zinserhöhung einstellen. Auch der britische Notenbankchef Andrew Bailey zeigte sich in einem Interview am Wochenende besorgt über eine das Zwei-Prozent-Ziel übersteigende Inflation.

Renditen steigen sprunghaft

Die Rendite zweijähriger britischer Bonds sprang zum Handelsauftakt am Montag um sieben Basispunkte auf 0,603 Prozent nach oben. Die Rendite auf zehnjährige britische Bonds stieg auf 1,205 Prozent und markierte damit den höchsten Wert seit Mai 2019. Der Spread zwischen den zehnjährigen britischen Papieren und Bundesanleihen kletterte auf 132 Basispunkte und damit auf die größte Differenz seit 2016. „Die Anleiherenditen steigen weiter, die Inflationserwartung nimmt zu und eine Straffung der Geldpolitik wird immer wahrscheinlicher“, schreiben die Analysten der ANZ in einer Mitteilung. Auch die Renditen der US-Staatsanleihen hatten am Freitag stark angezogen. Am Montag bleiben die US-Anleihemärkte wegen des Columbus Day geschlossen.

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In den Fokus rücken auch Versorgungsunterbrechungen und steigende Produktionskosten, wie die Analysten der ANZ weiter ausführen. „Die globale Chip-Knappheit wird sich bis weit ins nächste Jahr hinein erstrecken und die ungleichmäßige Erholung weiter verunsichern.“ Hinzu komme die Energieknappheit. „Die wirtschaftliche Lage ist wesentlich nüchterner als der Optimismus, der die frühen Phasen der globalen Erholung begleitete.“ Diese Faktoren werden sich auf die bevorstehende Bilanzsaison in den Vereinigten Staaten auswirken. JPMorgan berichtet am Mittwoch, gefolgt von BofA, Morgan Stanley und Citigroup am Donnerstag und Goldman am Freitag.

Asiatische Märkte blicken auf Berichtssaison

In Erwartung der Wirtschaftsberichte nahmen asiatische Aktien am Montag fahrt auf. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 1,6 Prozent höher bei 28.489 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 1,5 Prozent und lag bei 1991 Punkten.

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Die Börse in Schanghai lag 0,3 Prozent im Plus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Schanghai und Shenzen gewann 0,4 Prozent. Im asiatischen Devisenhandel gewann der Dollar 0,4 Prozent auf 112,67 Yen und gab 0,1 Prozent auf 6,4373 Yuan nach. Zur Schweizer Währung notierte er 0,2 Prozent höher bei 0,9286 Franken. Parallel dazu blieb der Euro fast unverändert bei 1,1569 Dollar und zog um 0,1 Prozent auf 1,0744 Franken an. Das Pfund Sterling gewann 0,2 Prozent auf 1,3640 Dollar.

Quelle: Reuters
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