Börsengang

Peking gibt Ant grünes Licht

Von Hendrik Ankenbrand
Aktualisiert am 19.10.2020
 - 14:54
Zentrale von Ant Financial
Die dunklen Wolken scheinen verzogen. Chinas Börsenaufseher haben ihre Genehmigung für die Börsenpläne des Fintech-Konzerns in Hongkong und Gründer Jack Ma gegeben. Es geht um bis zu 35 Milliarden Dollar.

Nach einem Warnschuss in der vergangenen Woche stehen die Zeichen zwischen Chinas Börsenregulator und dem Fintech-Konzern Ant Financial aus Hangzhou wieder auf Entspannung. Das Unternehmen, das einst aus Alibaba hervorging und weiter von dessen Gründer Jack kontrolliert wird, darf Unternehmenskreisen zufolge mit den Plänen für seinen Börsengang in Hongkong fortfahren. Dort muss nun ebenfalls die Wertpapieraufsicht zustimmen, was schon am Dienstag passieren könnte. Insgesamt will Ant mit seiner Emission bis zu 35 Milliarden Dollar einnehmen. Das wäre der größte Börsengang der bisherigen Geschichte.

Die Hälfte der Summe soll die zeitgleiche Erstnotiz am Technologiesegment „Star Market“ der Schanghaier Börse einspielen. Für diese hatte der Regulator bereits seine Bewilligung erteilt. Doch die Genehmigung für die Emission in Hongkong hatte plötzlich infrage gestanden, nachdem es Berichte gegeben hatte, dass Chinas Regierung das Gebaren von Ant Financial untersuchen wolle.

Fragwürdige Konditionen und Vorgehensweisen

Die Regulatoren sollen besonders Anstoß daran genommen haben, dass Ant für jene Anteil, die es in Festlandchina Kleinanlegern angeboten hat, keine klassischen Investmentbanken eingebunden hat. Stattdessen hatte der Konzern die Anteile zu sehr fragwürdigen Konditionen mithilfe von fünf Fonds auf seiner eigenen App Alipay an die eigenen Kunden verkauft. Diese erhalten jedoch nur für 10 Prozent der eingezahlten Summe Anteile an Ant, die sie zudem auch noch 18 Monate halten müssen. Während das Unternehmen dies damit begründet, dass durch die Haltefrist schnelle Verkäufe und folgende Kursschwankungen ausgeschlossen werden sollen, halten Kritiker dem Konzern vor, seine Marktmacht auszunutzen. In Chinas Finanzkreisen gibt es schon länger Kritik an Ant, das mit seiner App Alipay immer mehr klassische Finanzgeschäfte anbietet.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Ankenbrand, Hendrik
Hendrik Ankenbrand
Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.
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