Commerzbank

Cerberus fletscht die Zähne

Von Klaus Max Smolka, Frankfurt
Aktualisiert am 10.06.2020
 - 11:25
Reinigungsarbeiten an einem Gebäuder der Commerzbank in Frankfurt
Der amerikanische Finanzinvestor verlangt zwei Sitze im Aufsichtsrat der Commerzbank. Cerberus hält rund 5 Prozent der Aktien. Ob er genug Unterstützer findet?

Der amerikanische Finanzinvestor Cerberus greift die Strategie der Commerzbank an und fordert neue Aufsichtsräte. In einem Brief an den Aufsichtsratsvorsitzenden Stefan Schmittmann, welcher der F.A.Z. vorliegt, bemängelt er hohe Kosten und eine schwache Wertentwicklung der Commerzbank. Cerberus will zwei Kandidaten für das Aufsichtsratsgremium benennen. Das Schreiben ist charakteristisch für einen Brief, wie ihn aktivistische Investoren an Aufsichtsräte ihrer Beteiligungen schreiben. Bekanntestes Beispiel dafür ist der Hedgefonds Elliott. Cerberus ist eine Private-Equity-Haus, das auch Züge eines aktivistischen Investors trägt.

Die Gesellschaft hält zwar ein überschaubares Paket – nämlich laut Investor-Relations-Seite der Commerzbank mehr als 5 Prozent. Doch setzen aktivistische Aktionäre in solchen Fällen auf die katalytische Funktion ihres Vorpreschens: Sie hoffen also darauf, dass sich andere Investoren davon mitreißen lassen.

Darauf setzt Cerberus im Fall Commerzbank auch explizit: „Wir sind davon überzeugt, dass auch andere Aktionäre unsere Bemühungen grundlegende Veränderungen im Aufsichtsrat, Vorstand und in Bezug auf die Strategie der Gesellschaft herbeizuführen, voll und ganz unterstützen werden“, heißt es in dem Brief, der als zeichnende Partei „Cerberus Capital Management, L.P.“ trägt, also keinen Manager namentlich. Das Schreiben kommt aus New York. Der deutsche Cerberus-Statthalter David Knower bemüht sich hierzulande eigentlich ansonsten, sich als weniger forscher Investor zu präsentieren, zudem mit gesellschaftlichem Engagement. Die Fondsgesellschaft Deka forderte bereits bei der Hauptversammlung im Mai stärkere Kosteneinsparungen und eine Verbesserung der Profitabilität.

Cerberus: Aufsichtsrat braucht „neue Sichtweisen“

„Die aktuelle Strategie der Gesellschaft beruht auf der fundamental fehlerhaften Annahme, dass die Gesellschaft in ihre aufgeblähte Kostenbasis hineinwachsen könne, indem sie sich auf die Steigerung des Umsatzes konzentriert“, analysiert Cerberus im Brief an Schmittmann. Dabei hätte man mit richtigem Vorgehen die Kosten und Schwierigkeiten beherrschen können. Die Commerzbank solle „in einem ersten unmittelbaren Schritt ihren Aufsichtsrat verstärken“. Und weiter: „Wir fordern daher, dass sowohl der Nominierungsausschuss als auch der gesamte Aufsichtsrat in Betracht ziehen, zwei von uns zu benennende, hochqualifizierte Kandidaten im Wege der gerichtlichen Bestellung zu Mitgliedern des Aufsichtsrats zu berufen. Es ist an der Zeit, neue Sichtweisen und Impulse in den Aufsichtsrat einzubringen.“

Die Commerzbank habe schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Vergleich zu Wettbewerbern beständig in nahezu allen Kennzahlen schlechter abgeschnitten und nicht einmal ihre eigenen „wenig ambitionierten“ Ziele erreicht. Cerberus führt dazu eine Liste mit Wettbewerbern und deren Entwicklung auf. Der Investor hat nach eigenen Angaben in mehr als 70 Treffen mit dem Aufsichtsrat, Commerzbank-Chef Martin Zielke und dem erweiterten Management-Team Verbesserungsvorschläge unterbreitet.

Commerzbank: Nehmen Kritik in unseren Planungen auf

Die Commerzbank reagierte am Mittwoch verhalten auf den Brief: „Meinungsäußerungen von Aktionären – auch kritischer Art – nimmt die Bank sorgfältig auf und wird diese auch künftig in interne Erörterungen und in den Dialog mit ihren Eigentümern einfließen lassen“, erklärte das Institut. Mit Cerberus seien in der Vergangenheit intensive Gespräche geführt worden. "Dieser Austausch wird selbstverständlich in einem angemessenen Rahmen fortgeführt." Die Frankfurter betonten in der Antwort auf das Schreiben von Cerberus auch, bei der Umsetzung ihres Strategieprogramms gute Fortschritte zu erzielen. Mit der Veröffentlichung der Zahlen zum zweiten Quartal werde sie eine Weiterentwicklung der Strategie vorstellen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Smolka, Klaus Max
Klaus Max Smolka
Redakteur in der Wirtschaft.
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