Scherbaums Börse

Dividende ist nicht immer alles

26.03.2021
, 12:17
Daimler steht im Fokus.
Die Dividendensaison steht an. Überraschungen wird es wohl einige geben – und auch berichtigte Kritik. Beispielsweise an unveränderten Dividendenzahlungen von Konzernen, die wegen der Kurzarbeiterregelung gut durch die Corona-Krise gekommen sind.
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Es ist Frühjahr 2021 und viele Anleger dürften gespannt sein, was die demnächst nun beginnende Dividendensaison für sie nach dem Corona-Krisenjahr 2020 bereithält. War es für manchen Aktionär in den vergangenen Jahren fast schon zu einer gewissen Selbstverständlichkeit geworden, dass in Niedrigzinszeiten Dividendenwerte für regelmäßige Erträge standen, könnte es 2021 anders sein. Wer wird die Ausschüttung an die Anteileigner für das Corona-Jahr konstant halten, welcher Konzern zahlt weniger oder gar nichts? Darf man Profis glauben, so könnten Anleger einem positiven Jahr für Dividenden entgegenblicken.

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Das sagt unter anderem Ilga Haubelt von BNY Mellon. „Besonders Dividenden aus dem Gesundheits-, aber auch aus dem Technologiesektor werden aus strukturellen Gründen weiter ansteigen.“ Das größte Erholungspotenzial liegt jedoch in den konjunkturabhängigen Branchen, die im vergangenen Jahr von der Corona-Krise am stärksten betroffen waren. Dazu gehören zyklische Konsumgüter, aber auch die Sektoren, die von der Geschäfts-Wiederaufnahme und einer Erholung der angestauten Verbrauchernachfrage profitieren dürften.

Genauer auf die Unternehmenssubstanz schauen

Auf der anderen Seite hat die Corona-Krise strukturelle Trends wie das Online-Einkaufen oder das Arbeiten im Homeoffice beschleunigt und den Druck auf Dividendentitel in diesen Bereichen weiter erhöht, so Haubelt weiter. Er ergänzt aber auch, dass Dividenden zahlende Unternehmen genauso schnell die Wiederaufnahme von Ausschüttungen beschlossen bzw. in Erwägung gezogen hätten, wie sie im vergangenen Jahr schnell ausgesetzt oder gekürzt haben.

Nermin Aliti von Laureus Privat Finanz, eine Private-Banking-Tochter der Sparda-Bank West, tritt derweil ein bisschen auf die Euphoriebremse der Anleger und mahnt gleichzeitig, etwas genauer bei der Substanz der Unternehmen hinzuschauen: „Jeder Konzern will nach der Krise zeigen, dass er zu den robusten Unternehmen gehört und die Dividende möglichst stabil halten kann. Dieser Ansatz ist verständlich, kann aber auch zu viel des Guten sein.“

Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg. Bild: Christoph Scherbaum

Immer wieder neige das eine oder andere Unternehmen dazu, die Dividende aus der Substanz zu zahlen. Das hebt zwar die Stimmung der Aktionäre, doch langfristig können solche Ausschüttungen die Stimmung ziemlich eintrüben. „Das gilt vor allem dann, wenn die Mittel letztlich fehlen, um wichtige Investitionen in die Zukunft zu tätigen.“

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Kritik an Dividendenpolitik deutscher Konzerne

Es sei daher gerade in diesen Zeiten nicht verwerflich, wenn ein Unternehmen seine Dividende kürzt. Wichtig sei in diesem Zusammenhang nur die transparente Kommunikation, so Aliti weiter. Wer als Konzern eine kurzfristig für Anleger nachteilige Dividendenentscheidung in den richtigen Kontext setzen kann, dürfte folglich langfristig engagierte Aktionäre nicht groß verärgern.

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Das Thema Dividende ist in diesem Jahr aber auch aus einem anderen Grund – gerade bei manchen (deutschen Dax-) Konzernen ein heißes Eisen. Es gibt zuhauf Kritik an Unternehmen – speziell aus dem Automobilsektor, die während des Lockdowns im vergangenen Jahr ihre Beschäftigten auf Kosten der Allgemeinheit in Kurzarbeit und nun im Jahr danach Milliardensummen an ihre Aktionäre ausschütten wollen.

Nach Ansicht der Organisation „Finanzwende" geht das nicht. „Bei BMW, Daimler und Co. sollen letztlich auch Steuergelder als Gewinnausschüttungen an Aktionäre fließen", heißt es hier. Während viele Beschäftigte unter Einkommenseinbußen durch Kurzarbeit leiden würden, seien zahlreiche Aktionäre angesichts hoher Aktienkurse ohnehin schon nicht die Verlierer der Krise.

Wenn nächste Woche der Daimler-Konzern zu seiner Hauptversammlung einlädt, steht der erste Automobilkonzern zum Thema Dividende im Fokus. Der Autobauer habe zeitweise bis zu 80 Prozent der 170.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, 10.000 Stellen gestrichen und Subventionsprogramme gefordert, so die Organisation „Finanzwende" und kritisiert nicht ganz ohne Berechtigung: „Dennoch verbuchte der Konzern einen Gewinn und plant sogar, über 400 Millionen Euro mehr Gewinn auszuschütten als 2020.“ Am Ende dürfte Daimler seine Aktionäre wie geplant dennoch mit einer Ausschüttung erfreuen. Aller Kritik zum Trotz – und weil es keine staatlichen Regelungen gibt, die ein solches Verhalten verbieten würden. Lediglich bei anderen Corona-Hilfszahlungen wurde bereits bei der Ausgestaltung berücksichtigt, dass Gewinnausschüttungen erfolgen können.

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Nachhaltige Dividendenpolitik zahlt sich aus

Unter dem Strich dürften Anleger also ganz entspannt auf die neuerliche Dividendensaison schauen. Die DZ-Bank erwartet, dass die H-Dax-Unternehmen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2020 rund 40 Milliarden Euro Dividende ausschütten werden. Das wären nur rund drei Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Angesichts des gewaltigen Einbruchs durch die Corona-Krise eine Summe, die so nicht zu erwarten war.

Am Ende sollten Dividenden-fokussierte Anleger auch auf eines achten: „Nur wenn die fundamentale Entwicklung, ein auch in Zukunft tragfähiges Geschäftsmodell und solide Dividenden zusammenkommen, ist eine Aktie für Investoren vielversprechend“, sagt Nermin Aliti. Konzerne, die eine nachhaltige Dividendenpolitik fahren, gehören nach wie vor zu den ersten Kandidaten, wenn es um den langfristigen Vermögensaufbau mit Aktien geht.

In Deutschland dürften die Allianz, Deutsche Telekom, Siemens und BASF zu den dividendenstärksten Aktien in diesem Jahr gehören. Deutliche Rückgänge werden laut DZ-Bank-Research vor allem bei Bayer, VW und BMW erwartet. Aus der zweiten Reihe versprächen laut der DZ Bank Freenet und Telefonica Deutschland eine Dividendenrendite von rund acht Prozent. Ilga Haubelt von BNY Mellon erwartet allgemein, „dass die Dividenden weltweit 2021 wieder das Ausschüttungsniveau von 2019 erreichen.“ Aktionäre dürfen gespannt sein.

Quelle: FAZ.NET
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