Kandidaten für 2021

Die Bank of America sagt für Deutschland viele Börsengänge voraus

Von Hanno Mußler
09.01.2021
, 12:14
Der Deutschland-Chef der amerikanischen Bank setzt anders als die Deutsche Bank auf einen eigenen Aktienhandel. Das hat Gründe.

Gemessen an den zwölf Börsengängen verlief das vergangene Jahr für die Deutsche Börse und die bei der Aktienplazierung behilflichen Investmentbanker enttäuschend. Dagegen brummte seit einigen Monaten das lukrative Geschäft mit Unternehmenskäufen und Übernahmen (M&A).

Der Deutschland-Chef der Bank of America, Armin von Falkenhayn, rechnet damit, dass es auch dieses Jahr lebhaft auf dem M&A-Markt zugehen wird. „Die strategischen Dialoge sind intensiv wie selten, und Deutschland wird einen spannenden IPO-Markt haben.“

Viele IPO-Kandidaten

Das klingt zunächst einmal nach dem typischen Optimismus von Investmentbankern. Aber auch die Beratungsgesellschaft EY hält im Jahr 2021 eine Steigerung auf 16 Börsengänge (IPO) in Deutschland für wahrscheinlich. Die Verkaufsplattform Auto 1, die Lastwagen-Sparte von Daimler und der Laborkonzern Synlab bereiten dem Vernehmen nach ein IPO vor. Und Bank of America wird als Begleiter der zumindest angedachten Börsengänge des Software-Unternehmens Suse, der Funkturm-Sparte von Vodafone (Vantage-Towers) sowie des mehrheitlich im Besitz von BASF befindlichen Öl- und Gasförderkonzerns Dea-Wintershall genannt. Von Falkenhayn äußert sich zu diesen konkreten Börsenaspiranten im Gespräch mit der F.A.Z. nicht, fragt aber: „Wann hat man zu Jahresanfang schon so eine volle Pipeline möglicher Börsengänge?“

Gutes Kapitalmarktumfeld nötig

Als Voraussetzung für ein gutes IPO-Jahr am deutschen Aktienmarkt nennt Falkenhayns Kollege Thorsten Pauli: „Die Kurse müssen nur seitwärts laufen und möglichst wenig schwanken.“ Mit „nur seitwärts laufen“ meint der bei der Bank of America für das Aktiengeschäft im deutschsprachigen Raum verantwortliche Pauli, dass nach dem tiefen Sturz im März mit Verhängung des ersten Corona-Lockdowns sich die Aktienkurse so kräftig erholt haben, dass Verkäufer noch nicht börsennotierter Unternehmen jetzt attraktive Preise an der Börse wittern. Wichtig aber ist auch, dass die Kurse von Vergleichsunternehmen nicht allzu stark schwanken, während Börsenaspiranten mit ihren Preisspannen um Anleger werben.

Andere Strategie als Deutsche Bank

Anders als die Deutsche Bank, die den Aktienhandel eingestellt hat und sich im Investmentbanking auf ihre Kernkompetenz bei Anleihen und Währungen stützt, betreibt Bank of America weiter einen eigenen Aktienhandel und sieht sich dabei auf Rang zwei der wichtigsten Banken hierzulande. „Wenn man als Bank von einem Unternehmen Aufträge bekommen will, die auf einen Börsengang folgen, etwa Transaktionen wie zum Beispiel Kapitalerhöhungen oder Aktienpaketverkäufe, dann muss man wissen, was in der Aktie passiert. Wer kauft und wer verkauft, wissen natürlich in aller erster Linie die Betreuer der führenden Handelshäuser“, sagt Pauli.

Normalerweise schließen Aktien- und Anleihehändler schon Anfang Dezember ihre Bücher, und auch Investmentbanker werden kaum mehr mit Transaktionen befasst. Doch in diesem Jahr ist vieles anders. „Es gibt kaum noch No-go-Zeiträume. Wenn niemand beim Skifahren sein darf und alle ihr Smartphone neben sich auf dem Sofa liegen haben, spricht nichts gegen Transaktionen gleich zu Beginn des Jahres“, sagt Pauli. 2021 werde dank der Corona-Impfstoffe hoffentlich das Jahr der Wiederöffnung von Läden und Flughäfen. Die Wirtschaftserholung werde sich fortsetzen und an der Börse eine Rotation weg von Zu-Hause-bleiben- und Digitalisierungsaktien hin zu Aktien der Old Economy bewirken, ergänzt von Falkenhayn.

Corona-Trends bleiben

„Aber einiges aus dem Corona-Jahr wird bleiben, etwa der Trend zu Telemedizin und von Zu-Hause-lernen“, sagt Pauli. „Es wird noch eine ganze Weile weniger geflogen werden, die Video-Konferenz ist jetzt ganz akzeptiert, und damit kann auch langfristig mehr von zu Hause gearbeitet werden“, gibt von Falkenhayn zu, der sich selbst kaum vorstellen kann, dass er wieder so oft nach New York zur Unternehmenszentrale fliegen wird wie früher. Das zeigt: Ein Unternehmen wie die Deutsche Lufthansa mit hohem Anteil an Geschäftsleuten unter den Passagieren dürfte weiter Gegenwind spüren.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Mussler, Hanno
Hanno Mußler
Redakteur in der Wirtschaft.
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