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Kosten für Übernahmeangebot

Die Comdirect wird immer teurer

Von Hanno Mußler
Aktualisiert am 11.10.2019
 - 09:14
Logo von Comdirect an dem Sitz der Bank in Quickborn
Muss die Commerzbank ihr Übernahmeangebot an die Aktionäre der Direktbank doch noch aufbessern? Bislang stehen 11,44 Euro je Aktie im Raum.

Vielleicht schon Ende Oktober, aber wohl auf jeden Fall noch vor Weihnachten werden die Aktionäre der Comdirect Post erhalten. Denn die Commerzbank, der 82 Prozent der Comdirect-Aktien gehören, will die Direktbank komplett übernehmen. Derzeit bereitet die Commerzbank ihr verbindliches Angebot im Detail vor, anschließend kann die Finanzaufsicht Bafin sich zehn Tage Zeit für die Prüfung nehmen, dann geben Vorstand und Aufsichtsrat ein Urteil zum Angebot ab. Es kann also auch Dezember werden, bis die Aktionäre das verbindliche Angebot erhalten. Dabei ist der Preis seit 20. September angekündigt: Die Commerzbank will 11,44 Euro je Comdirect-Aktie bieten.

Allerdings spekulieren mehr und mehr Anleger offensichtlich darauf, dass die Commerzbank ihr angekündigtes Angebot noch einmal aufbessern wird. Das hat der Vorstand mit dem Vorsitzenden Martin Zielke und dem für Finanzen verantwortlichen Stephan Engels eigentlich ausdrücklich ausgeschlossen. Doch wie ist zu erklären, dass die Aktie der Comdirect seit dem 20. September steigt und steigt?

Ein 25-Prozent-Aufschlag für die Aktionäre

Gegenüber dem Schlusskurs vom 19. September ist das Angebot der Commerzbank üppig: 11,44 Euro sind 25 Prozent mehr, als die Comdirect-Aktie kostete, bevor die Übernahmepläne bekanntwurden. Aber schon am ersten Handelstag nach Bekanntgabe der Übernahmepläne sprang die Comdirect-Aktie auf das Niveau des angekündigten Übernahmepreises – eine nachvollziehbare Reaktion. Weniger nachvollziehbar ist, dass der Kurs seither weiter gestiegen ist und am Donnerstag mit 12,24 Euro den höchsten Kurs seit Juli 2018 erreicht hat.

COMDIRECT

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Wirft man den Blick zurück auf den Beginn der wahrscheinlich bald endenden Börsengeschichte von Comdirect, sind Kurse zwischen 11 und 13 Euro wenig. Zu 31 Euro wurde die Comdirect-Aktie vor dem Börsengang im Juni 2000 ausgegeben, drei Monate zuvor hatten die Kurse am damaligen Neuen Markt ihre Höchststände erreicht. Comdirect profitierte noch von dieser Euphorie gegenüber den Unternehmen der ersten Internetgeneration, der Aktienkurs legte am ersten Börsentag 20 Prozent zu und erreichte in der Spitze 36 Euro. Wer damals zum Höchstkurs einstieg, hat also zwei Drittel seines Einsatzes verloren.

Viel schlimmer als heute sah es aber im Jahr 2002 aus, als der Comdirect-Kurs auf kaum mehr als 2 Euro fiel. Durch die Finanzkrise der Jahre 2007 bis 2011 ist die Comdirect-Aktie mit Kursen zwischen 13 und 4 Euro nicht gut, aber besser als andere Banken gekommen – nicht zuletzt als die Muttergesellschaft Commerzbank, die im Winter 2008/2009 nur dank 18 Milliarden Euro Staatshilfe überlebte und deren größter Aktionär der Bund noch immer ist.

Neue strategische Ausrichtung der Commerzbank

Im August 2018 fiel der Kurs der Commerzbank auf das Rekordtief von 4,72 Euro. Bis Mitte September erholte sich die Commerzbank-Aktie auf Kurse von mehr als 6 Euro, doch seither fällt sie – ganz im Gegensatz zur Comdirect – wieder. Offensichtlich überzeugt die Anleger die am 20. September vom Vorstand erläuterte neue strategische Ausrichtung nicht. Am Donnerstag zahlten Anleger für eine Commerzbank-Aktie 4,81 Euro, also nur 0,09 Euro mehr als zum Rekordtief im August.

Zur neuen strategischen Ausrichtung gehört auch die Übernahme der Comdirect. 150 Millionen Euro im Jahr will die Commerzbank dadurch sparen, dass sie die Direktbank vollständig kauft, von der Börse nimmt und die Zwei-Marken-Strategie im Privatkundengeschäft einstellt. Natürlich lassen sich so Kosten senken – etwa wenn nur noch eine Hauptversammlung statt zwei Aktionärstreffen im Jahr organisiert werden muss, die Comdirect keine Abteilung für Anlegerbetreuung (Investor Relations) mehr vorhalten muss und die Werbemittel nicht mehr auf zwei Marken verteilt werden. Aber ein Großteil der Kostenvorteile wird die Commerzbank aufbringen müssen, das zeigen allein ein paar Größenordnungen:

Die Comdirect beschäftigt 1100 Mitarbeiter, die Commerzbank rund 45 000. Gerade Letztere zittern um ihre Arbeitsplätze, schließlich ist ein Grund für die Aufgabe der Comdirect, dass die Commerzbank sich dem Geschäftsmodell der Comdirect annähert: Weniger Filialen, dafür sollen die Kunden mehr über deren Smartphone angesprochen und zum Abschluss von Geldanlagen gebracht werden („Mobile first“). Das ist günstiger, die Verwaltungskosten von Comdirect betrugen im Jahr 2018 knapp 300 Millionen Euro, die der Commerzbank fast 6900 Millionen Euro.

Wie unser Bericht von der Comdirect-Zentrale in Quickborn bei Hamburg Anfang Oktober gezeigt hat, hoffen die Mitarbeiter dort, dass sich viel von der Comdirect-DNA in der neuen Privatkundenstrategie des Commerzbank-Konzerns wiederfinden wird – schließlich ist Comdirect noch nie über Filialen, sondern immer schon nur über Telefon und Internet für die 2,7 Millionen Kunden erreichbar gewesen.

COMMERZBANK AG

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Selbstbewusstsein zeigt sich auch darin, dass der Vorstand der Comdirect in dieser Woche unbeeindruckt von einer weiteren IT-Panne seine Gewinnprognose für dieses Jahr erhöht hat. Außerdem hat der aktivistische Aktionär Petrus Advisers, der auch in die Aareal Bank eingestiegen ist und den Vorstand mit Forderungen zum Verkauf von Tochtergesellschaften quält, seinen Anteil auf mehr als 3 Prozent aufgestockt. Das alles hat vermutlich dazu beigetragen, dass die Comdirect-Aktie inzwischen immerhin genau einen Euro und damit fast 9 Prozent mehr kostet als der von der Commerzbank in Aussicht gestellte Übernahmepreis. Doch wie realistisch ist es, dass die Commerzbank noch einmal nachbessert?

An der Börse driften die beiden Aktien gerade auseinander

Für eine Antwort muss man die Abläufe kennen: Die Commerzbank hofft, dass so viele Aktionäre das verbindliche Angebot annehmen werden, dass sie ihre Beteiligung an der Comdirect von derzeit 82 auf mehr als 90 Prozent ausbaut. Dann kann die Commerzbank in einem zweiten Schritt alle Aktionäre, die ihre Comdirect-Aktien noch nicht verkauft haben, zwangsweise abfinden. Der gewichtete Dreimonats-Durchschnitt des Aktienkurses bildet im Regelfall die Untergrenze für eine Abfindung in bar in einem solchen „Squeeze-out-Verfahren“.

Verfehlt dagegen die Commerzbank die Beteiligungsquote von 90 Prozent, dauert die dann geplante Zwangsverschmelzung der Comdirect länger, und am Ende werden die Comdirect-Aktionäre mit Commerzbank-Aktien abgefunden. Mit diesem Weg sind aber einige unbequeme Unwägbarkeiten für die Commerzbank verbunden. Sie muss zum Beispiel Aufträge an zwei Gutachter erteilen, die den Wert der Comdirect und den der Commerzbank ermitteln.

An der Börse driften die beiden Unternehmenswerte ja gerade auseinander. Aktionärsvereinigungen wie SDK und DSW halten es daher für möglich, dass die Commerzbank ihr in Aussicht gestelltes Angebot noch einmal nachbessert, um 90 Prozent der Aktien und dann ein Squeeze-out-Verfahren mit Barabfindung zu erreichen. Sicher ist das aber nicht. Wagemutige Aktionäre können ihre Comdirect-Aktien halten und auf ein besseres Angebot warten, für Neueinsteiger lohnt sich das vermutlich nicht.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Mussler, Hanno
Hanno Mußler
Redakteur in der Wirtschaft.
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