Logitech mit guten Aussichten

Schweizer Börse zeigt sich robust

Von Johannes Ritter, Zürich
09.02.2021
, 08:25
Ein Mann geht vor dem Logo der Schweizer Börse SIX.
Noch können aus Deutschland Aktiengeschäfte in der Schweiz nur über Banken, nicht aber direkt getätigt werden. Woran das liegt und welche Unternehmen den Schweizer Börsenindex antreiben.
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Wenn Anleger in Deutschland Schweizer Aktien kaufen wollen, stoßen sie auf ein Problem: Seit Juli 2019 können sie Anteilsscheine von Nestlé oder Roche nicht an einer deutsche Börse erwerben, sondern müssen über ihre Bank auf einen Schweizer Handelsplatz ausweichen. In der Regel ist das die Börse in Zürich. Doch dieser Umweg führt zu deutlich höheren Gebühren. Im Moment gibt es keine Aussicht auf ein Ende dieses Ärgernisses. Die Europäische Union erkennt die Schweizer Börsenregulierung nach wie vor nicht als gleichwertig mit der eigenen an.

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Das hat politische Gründe: Brüssel will Bern dazu bewegen, das seit Ende 2018 auf dem Tisch liegende Rahmenabkommen zwischen der EU und der Schweiz zu unterzeichnen. Doch der innenpolitische Widerstand in der Schweiz ist groß, und eine Einigung derzeit nicht in Sicht. Im Verhältnis zu Großbritannien dagegen ist die Schweiz börsentechnisch wieder zu den guten alten Zeiten zurückgekehrt. Dies ist eine Folge des Brexits: Nach dem Abschied des Vereinigten Königreichs von der EU erkannte die britische Regierung die Schweizer Börsenregulierung als gleichwertig an, woraufhin im Gegenzug auch Bern die Handelsplätze auf der Insel für äquivalent erklärte. Nun können Schweizer Aktien also wieder in London gehandelt werden.

Aber für Peter Romanzina, Leiter Schweizer Aktienresearch der Bank Vontobel, braucht es keinen handelsbedingten Sondereffekt, um zufrieden und zuversichtlich auf den Schweizer Aktienmarkt zu blicken: „Wir haben hier eine Vielzahl global sehr gut positionierter und gut geführter Unternehmen.“ Tatsächlich ist auch die Schweizer Wirtschaft schwer von der Pandemie betroffen. Aber unter den börsennotierten Unternehmen finden sich vergleichsweise wenig Kandidaten aus den besonders gebeutelten Branchen wie dem Hotel- und Reisegewerbe oder der Luftfahrt. Die Airline Swiss zum Beispiel leidet „nur“ als Tochtergesellschaft der Lufthansa. Und die Basler Dufry AG, ein Betreiber von zollfreien Flughafen-Shops, deren Kurs besonders tief abgestürzt ist, spielt nicht in ersten Börsenliga.

Der Swiss Market Index (SMI), in dem die 20 wichtigsten Aktien vertreten sind, wird von drei Unternehmen dominiert, die wenig konjunktursensitiv sind: dem Nahrungsmittelriesen Nestlé sowie den Pharmakonzernen Roche und Novartis. Das verleiht dem SMI viel Stabilität. Mit 10.800 Punkten ist dieses Börsenbarometer nicht mehr so weit entfernt von dem Höchststand, der vor dem tiefen Sturz im März vergangenen Jahres erreicht worden war.

Anlagefachmann Romanzina verweist zudem auf die Dividendenstärke der Schweizer Unternehmen, die im laufenden Jahr in Summe wohl wieder mehr ausschütten werden als 2020. Zum Kreis der verlässlichen Dividendenzahler zählt auch Nestlé, das sich in der Krise prima geschlagen hat. Der Aktienkurs des Konzerns kam zuletzt aber nicht mehr richtig aus dem Knick. Dies könnte mit dem Schwenk der Investoren hin zu zyklischen Unternehmen zusammenhängen. Romanzina glaubt, dass die positiven Effekte aus dem laufenden Konzernumbau im Markt noch unterschätzt würden. Er hält die Aktie für kaufenswert.

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Unter den Pharma-Aktien bevorzugt Romanzina Roche. Dabei blickt er über die aktuelle, auch durch Corona bedingte Wachstumsschwäche hinweg auf die mittel- bis langfristigen Perspektiven des Unternehmens: „Roches Pipeline an neuen, vielversprechenden Medikamenten ist, basierend auf unserer Analyse, besser gefüllt als die von Novartis.“ Im Vergleich der Großbanken UBS und Credit Suisse (CS) hat der Analyst auch einen Favoriten. „UBS geht nach unseren Berechnungen effizienter mit dem vorhandenen Kapital um und generiert eine höhere Rendite als die CS.“ Im Moment lasteten aber noch die Altlasten aus der Vergangenheit, zu denen unter anderem der in Kürze weitergehende Gerichtsprozess um Geldwäsche und Beihilfe zur Steuerhinterziehung in Frankreich gehört, auf dem Aktienkurs.

Auf dem Feld der Luxuswarenanbieter setzt Romanzina eher auf Richemont als auf Swatch, weil Richemont von dem margenstarken Schmuckgeschäft (Cartier) profitiere, während Swatch im Uhrengeschäft zumindest im unteren Preissegment den scharfen Wettbewerb mit Smart Watches zu spüren bekomme. Zu den größten Gewinnern am Schweizer Aktienmarkt zählt Logitech. Der Computerzubehörhersteller hat den Aktienkurs binnen Jahresfrist mehr als verdoppelt. Trotzdem sieht Romanzina noch Luft nach oben. Der Trend zur Heimarbeit, von dem Logitech enorm profitiert, werde auch nach Ende der Pandemie nicht abbrechen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Ritter, Johannes
Johannes Ritter
Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.
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