Hohe Teuerung

Euro-Inflation steigt auf 8,6 Prozent

01.07.2022
, 11:02
Die EZB bei Tagesanbruch in Frankfurt – von Vögeln umkreist.
Die Preise in der Währungsunion steigen immer schneller. Dabei gibt es teils gravierende Unterschiede zwischen den Mitgliedsländern. Und auch der Druck auf die EZB wächst.
ANZEIGE

Die Teuerungsrate in der Europäischen Währungsunion ist von schon hohem Niveau aus weiter gestiegen: Im Juni erhöhten sich die Verbraucherpreise auf breiter Front um 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie das Europäische Statistikamt Eurostat am Freitag mitteilte. Damit fiel der Wert noch höher aus, als Fachleute ihn zuvor erwartet hatten. Im Mai betrug die Euro-Inflation schon 8,1 Prozent, im April bei 7,4 Prozent. Grund dafür sind weiterhin vornehmlich die deutlich gestiegenen Energiepreise. Sie sorgen dafür, dass die Euro-Inflation seit Monaten merklich über dem Niveau des vergangenen Jahres liegt.

Nach Angaben von Eurostat kletterten im Juni die Preise für Energie zum Vorjahr um 41,9 Prozent, nach einem Preisschub von 39,1 Prozent im Mai. Die Preise für unverarbeitete Lebensmittel zogen im Juni um 11,1 Prozent an, Dienstleistungen verteuerten sich um 3,4 Prozent. Die sogenannte Kernrate der Inflation, aus der die schwankungsanfälligen Preise für Energie und unverarbeitete Lebensmittel herausgerechnet sind, betrug im Juni den Angaben der Statistiker zufolge 4,6 Prozent; im Mai hatte die Kernrate noch 4,4 Prozent betragen.

ANZEIGE

Damit liegt die Teuerungsrate zugleich inzwischen weit über dem Zielwert, den die Europäische Zentralbank mittelfristig anstrebt. Die Währungshüter haben indes die Leitzinsen lange Zeit auf rekordniedrigem Niveau belassen. Für ihre Sitzung im Juli haben sie unlängst eine erste Erhöhung angekündigt, der weitere folgen sollen. Zudem haben sie die Anleihekäufe zurückgefahren.

„Mit 8,6 Prozent hat die Inflation im Euroraum wieder einen neuen Höchststand erreicht“, kommentierte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „Das würde auch für die Teuerungsrate ohne Energie, Nahrungs- und Genussmittel gelten, wenn Deutschland nicht das 9-Euro-Ticket eingeführt und Bahnfahrten deutlich verbilligt hätte.“ Die Währungsunion habe ein massives Inflationsproblem, das entschiedenes Handeln der EZB erfordere. „Sie sollte sich einen Ruck geben und die Zinsen auf der nächsten Sitzung im Juli nicht nur wie angekündigt um einen viertel Prozentpunkt, sondern um einen halben Prozentpunkt anheben.“

Die Preise steigen dabei durchaus teils deutlich unterschiedlich in der Währungsunion. Während sie in Ländern wie Deutschland, Italien oder Spanien zwischen 8 und 10 Prozent zulegten, verteuerte sich der tägliche Leben in den baltischen Staaten Lettland, Estland und Litauen um ungefähr 20 Prozent. Wie die Preisentwicklung weitergeht, hängt nach Einschätzung von Fachleuten nun wesentlich davon ab, wie viel Gas Russland im Rest des Jahres nach Europa liefert. Europas Volkswirtschaften stehen einem neuen „Schock“ gegenüber, führt die Deutsche Bank in einer neuen Analyse aus. Sollte die Gasdrosselung in den kommenden Wochen nicht behoben werden, sei zu befürchten, dass sich die Störungen in der Energieversorgung ausweiten – mit erheblichen umgehenden Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum und, so betont die Bank, „viel höherer Inflation“.

Quelle: FAZ.NET
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Tarifportal
Strom-Vergleich: Sparen mit günstigem Strompreis
Kapitalanlage
Pflegeimmobilien als Kapitalanlage der Zukunft
Immobilienbewertung
Verkaufen Sie zum Höchstpreis
Hypothekenrechner
Jetzt Zinsen vergleichen
Sprachkurs
Lernen Sie Englisch
ANZEIGE