Ausgefallener Winterurlaub

Ski-Aktien schlagen sich tapfer

Von Christian Siedenbiedel
12.01.2021
, 11:49
Während die Hersteller von Skibrettern Umsatzeinbußen haben, sind Heimtrainer und Ski-Simulatoren in der Corona-Pandemie gefragt. Die richtige Mischung hilft den Unternehmen.

Rund 20 bis 25 Prozent weniger Bestellungen von Händlern vermelden die Ski-Hersteller in diesem Jahr – lediglich bei Helmen und Mützen seien die Rückgänge weniger drastisch. Kein Wunder: Der Skiurlaub fällt für viele in diesem Jahr aus. Manche treiben stattdessen Wintersport in den Mittelgebirgen und sorgen mit ihrem Ansturm für Unmut der Anwohner.

Wieder andere beschränken sich auf das Trocken-Skifahren daheim in der Wohnung: Computerspiele wie „Family Ski“ für Nintendo Wii ermöglichen es, auf einem sogenannten „Balance Board“ stehend in vorbildlicher Ski-Haltung im eigenen Wohnzimmer eine Abfahrt oder einen Slalom auf dem Fernseher zu absolvieren – Skischule für die Kinder inbegriffen.

Die Aktien rund um das Geschäft mit dem Skiurlaub schlagen sich gleichwohl relativ tapfer. Das hängt auch damit zusammen, dass viele namhafte Skihersteller, deren Aktien früher an der Börse notiert waren, mittlerweile Teil von größeren Konglomeraten sind, in denen ein Jahr mit schlechtem Wintersportgeschäft weniger ins Gewicht fällt als früher. Der einst börsennotierte Skihersteller Völkl etwa ist heute im Eigentum der Investmentgesellschaft Kohlberg & Co. Atomic und Salomon gehören zur finnischen Amer Sports, die wiederum vom chinesischen Anbieter Anta Sports übernommen wurde.

Die Anta-Aktie hat sich zuletzt nicht schlecht entwickelt: Seit August vorigen Jahres ist der Kurs um mehr als 70 Prozent gestiegen, wenn auch mit einem kleinen Rücksetzer in der zweiten Dezemberhälfte. Analysten sagen, in dem großen Unternehmen, das bei Sportschuhen in China stark ist, falle das Wintersportgeschäft nicht besonders ins Gewicht.

Umsatzbringer Laufen und Fußball

Auch für die großen Sportartikelhersteller wie Nike oder Adidas spiele der Wintersport keine gewichtige Rolle, meint Thomas Jökel, Portfoliomanager bei der Fondsgesellschaft Union Investment. „Wesentliche Umsatzbringer sind die Bereiche Training, Running, Fußball und Basketball.“ Da das Wintersportgeschäft ohnehin „hart, saisonal und witterungsabhängig“ sei, seien die großen Spieler hier nur vorsichtig engagiert.

In Amerika ist Columbia Sportswear ein bekannter Anbieter von Skimode, der börsennotiert ist. Dessen Aktie hatte bereits Ende Oktober vorigen Jahres einen Kurseinbruch zu verzeichnen, konnte sich seither aber wieder etwas erholen. Seit August 2020 steht immerhin ein Kursplus von 17 Prozent zu Buche. Ähnlich war es bei dem börsennotierten französischen Betreiber von Skigebieten Compagnie des Alpes: Einen Kurseinbruch gab es im Oktober vergangenen Jahres - danach folgte wieder eine Erholung.

„Die großen Verlierer durch den ausgefallenen Skiurlaub sind die Skigebiete selbst – Hotels, Liftbetreiber, Skihütten und Skiverleiher“, sagt Eric Heymann vom Research der Deutschen Bank. Diese Hauptverlierer sind oftmals Familienbetriebe und andere kleinere regionale Unternehmen, nur in seltenen Fällen börsennotierte Aktiengesellschaften. „Im Vergleich dazu dürften sich bei den Skiausrüstern die Einbußen weniger stark bemerkbar machen, zudem können sie auf Nachholeffekte in der nächsten Saison hoffen“, meint Heymann.

Noch sei schließlich auch gar nicht ausgeschlossen, dass im weiteren Jahresverlauf noch etwas Skiurlaub möglich sein könnte. „Viele Skigebiete bereiten ihre Pisten derzeit beispielsweise durch künstliche Beschneiung auf, das spricht dafür, dass sie noch etwas Skisaison erwarten“, meint der Deutsche-Bank-Analyst. Das lasse hoffen.

„Insgesamt geht es den Sportartikelherstellern recht gut, da die Menschen während der Lockdowns weiterhin auf ihr Wohlbefinden achten und Sport im Freien auch in den am stärksten vom Virus betroffenen Gebieten erlaubt ist“, meint Aneta Wynimko, Managerin des Consumer Funds bei der Fondsgesellschaft Fidelity. Der Wintersport laufe in China gut, wo es den kältesten Winter der letzten 60 Jahre gebe: „In Europa genießen zwar nicht viele Menschen die traditionellen Wintersportarten wie Skifahren, aber viele Menschen laufen und trainieren draußen in einer wintergerechten Ausrüstung - alles in allem mag ich weiterhin die Sportartikelhersteller und habe mehrere entsprechende Papiere in meinem Fonds.“

An der Börse wird ohnehin zurzeit vor allem die Frage gehandelt, wie gut oder schlecht die unterschiedlichen Branchen aus der Corona-Krise herauskommen dürften. In dieser Hinsicht ist Heymann für das Ski-Business eher zuversichtlich. Er glaubt nicht, dass sich jetzt alle so an Computerspiele oder das Rodeln in der Heimat als Ski-Ersatz gewöhnen, dass sie auch in Zukunft auf das physische Erlebnis des Skifahrens verzichten wollen. „Während ich sehr skeptisch bin, dass nach der Pandemie die Geschäftsreisen so schnell wieder das alte Volumen erreichen, werden die Leute möglichst bald wieder verreisen und auch Ski fahren wollen“, meint Heymann.

Rund um den Skiurlaub in der eigenen Wohnung gibt es aber auch Gewinner. Internetunternehmen und Spielehersteller profitieren als „Stay-at-home“-Aktien ohnehin vom abermaligen Lockdown. Die Aktie des Spieleherstellers Nintendo etwa verzeichnete seit August vorigen Jahres ein Kursplus von mehr als 40 Prozent. Aber auch Heim-Fitnessgeräte sind laut Deutsche Bank als Skiurlaubersatz gesucht.

„Ein Teil des Budgets, das für den Skiurlaub nicht benötigt wird, fließt in solche Bereiche“, sagt Heymann. „Ich selbst musste gerade den Skiurlaub ausfallen lassen – hatte mir aber im vergangenen Jahr ein Indoor-Rudergerät angeschafft.“ Vom „Run„ auf die deutschen Mittelgebirge dagegen profitiere kaum ein Unternehmenszweig: „Es sind ja sämtliche gastronomischen Einrichtungen geschlossen.“

Quelle: F.A.Z.
Christian Siedenbiedel - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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