Finanzmärkte

Inflationsängste werden drückender

Von Martin Hock
18.01.2022
, 11:44
Ölförderung in Saudi-Arabien
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Die Renditen der Staatsanleihen erreichen Zwei-Jahres-Rekorde. Der Ölpreis klettert auf ein Sieben-Jahres-Hoch. Langsam nehmen die Märkte die Inflationsgefahr immer ernster.
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Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag deutlich schwächer eröffnet. Der den Markt in seiner Breite abbildende F.A.Z.-Index fällt um 1,2 Prozent auf 2724 Punkte, der Dax gibt ebenso deutlich auf zuletzt 15.747 Zähler nach. Vor dem Treffen der amerikanischen Notenbank Fed in der kommenden Woche habe sich die Zinserwartung der Investoren noch einmal deutlich verschärft, heißt es.

Entsprechend steigen die Renditen der Staatsanleihen. Für die zehnjährige Bundesanleihe bedeutet dies dass erstmals seit Mai 2019 eine positive Rendite in greifbare Nähe rückt. Zuletzt lag diese bei minus 0,02 Prozent. Allerdings erweist sich die Marke von 0 Prozent bislang noch als relativ hartnäckig. Einen neuen Rekordstand erreichte mit zuletzt 1,8145 Prozent auch die Rendite zehnjähriger amerikanischen Staatsanleihen. Dies ist der höchste Stand seit zwei Jahren. Auslöser war allerdings dass die Rendite der zweijährigen amerikanischen Staatsanleihen erstmals seit Februar 2020 wieder die Marke von 1 Prozent überstieg. Diese gilt als Indikator für die Zinserwartungen. Auch dass die japanische Notenbank von einer höheren Inflation ausgeht als bislang, trug nicht eben dazu bei, dass die Investoren nicht von steigenden Zinsen ausgehen. Derzeit gehen die Märkte schon für die USA von vier Zinserhöhungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte im laufenden Jahr aus.

Die Anleihenmärkte begännen der Realität der Inflation anzuerkennen und dass die Geldpolitik der Zentralbanken immer noch hinterherhinke, diese aber jetzt intensiv bemüht seien, aufzuholen, heißt es. Rentenmarktstrategen gehen zumindest bis zur ersten Zinserhöhung von weiter steigenden Renditen aus. Gleichzeitig scheint sich die Zinsstrukturkurve abzuflachen, was bedeutet dass derzeit die kurzfristigen Zinsen schneller steigen als die langfristigen. Dies gilt auch als mögliches Signal für eine Konjunkturabschwächung, da eine geringere Differenz zwischen lang- und kurzfristigen Zinsen die Margen der Banken und damit üblicherweise auch ihre Kreditvergabe negativ beeinflusst.

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Unterstützend für das Szenario höherer Zinsen ist auch die Entwicklung des Ölpreises. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent stieg seit Montag um mehr als einen Dollar zuletzt auf 87,59 Dollar. Der Preis für amerikanisches Leichtöl der Sorte WTI stieg um rund 1,10 Dollar auf zuletzt 85,22 Dollar. Dies ist jeweils der höchste Stand seit mehr als sieben Jahren.

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Anlass des jüngsten Anstieges sind Drohnen-Anschläge jemenitischer Freiheitskämpfer auf Ölproduktionsanlagen in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Zudem haben in Asien die Preise für physisch ausgeliefertes Rohöl deutlich angezogen. Hohe Margen der Raffinerien bewirkten eine größere Nachfrage. Dadurch gehen auch die globalen Lagerbestände zurück, die aktuell auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Corona Pandemie gesunken sind. Auch der Abstand der Preise für Erdöl zu sofortiger Lieferung zu den Terminpreisen ist zuletzt deutlich gestiegen.

Darüber hinaus könnte Russland womöglich nur etwa der Hälfte der für die kommenden 6 Monate geplanten Erhöhung seine Öllieferungen nachkommen. Analysten gehen davon aus, das nach der Verringerung der Bohraktivität im vergangenen Jahr der Produktionsanstieg nur 60.000 Barrel je Tag statt der geplanten 100.000 Barrel betragen kann. Die russische Produktion begann im September zu stagnieren und fiel im Dezember unter die von der OPEC plus geplante Förderquote, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

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Die russische Ölindustrie habe aufgrund der Unsicherheit um die Pandemie lange Zeit abgewartet, heißt das von der Nachrichtenagentur unter Berufung auf Analysten der Bank of America und von Vygon Consulting. Einige Unternehmen hätten im vergangenen Jahr die Produktion begrenzt, weil sie Steuererleichterungen verloren hätten und seien nun nicht willens zu investieren, solange das Finanzministerium diese Anreize nicht wieder gewährt, sagte Daria Melnik, leitende Analystin von Rystad Energy. Zuletzt hieß es von der russischen Regierung, Steuererleichterungen kämen frühestens wieder ab dem Jahr 2023 in Frage.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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