Anlageverhalten der Deutschen

Im Alter wird die Aktie zur heimlichen Liebe

Von Gerald Braunberger
20.10.2018
, 10:48
Die Deutsche Bank hat das Anlageverhalten der Deutschen unter die Lupe genommen.
Sind die Deutschen wirklich überdurchschnittlich risikoscheue Kapitalanleger? Die Deutsche Bank sieht das nicht so.
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Nach den zuletzt wieder von der Deutschen Bundesbank veröffentlichten Statistiken halten die Deutschen trotz der Niedrigzinsphase weiterhin einen recht hohen Anteil ihrer Geldvermögen in Form von Bankeinlagen, die zwar sicher, aber auch unrentabel sind – vor allem, wenn der bestenfalls mageren Verzinsung die Inflationsrate entgegengestellt wird.

In einer neuen Veröffentlichung über das Anlageverhalten der Deutschen bestreiten die Fachleute der Deutschen Bank diese These nicht. Aber sie wenden sich gegen eine verwandte These, die da besagt: Die Deutschen sind, zu ihrem Nachteil, im internationalen Vergleich besonders risikoscheue Kapitalanleger. „Ja, die Deutschen halten im Vergleich zu den Briten oder den Franzosen einen größeren Teil ihrer Ersparnisse auf Bankkonten“, heißt es in einer Untersuchung der Deutschen Bank. „Aber wenn wir alle Anlageprodukte mit einer Kombination aus niedrigen Erträgen und niedrigen Risiken, darunter zum Beispiel Versicherungen oder Pensionszusagen, berücksichtigen, haben die Deutschen ihre Ersparnisse heute nicht wesentlich anders aufgeteilt als die Briten oder die Franzosen.“

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Investmentfonds beliebter als Direktanlage in Aktien

In Deutschland entfallen rund 80 Prozent der Ersparnisse auf solche Kapitalanlagen, etwa so viel wie in Frankreich und nur etwas weniger als in Großbritannien. Und trotzdem unterscheiden sich die durchschnittlichen Geldvermögen je Kopf sehr stark: In Großbritannien belaufen sie sich auf 108.000 Euro, in Deutschland nur auf 60.000 Euro. Nach Ansicht der Deutschen Bank erklären sich diese Differenzen unter anderem mit einer unterschiedlichen Bewertung von nicht an Börsen gehandelten Anteilen an Unternehmen.

Als nicht außergewöhnlich empfinden die Autoren der Untersuchung auch das Anlageverhalten an Wertpapiermärkten: So sind die Deutschen im Durchschnitt mit 12 bis 13 Prozent in Wertpapiermärkten investiert: „Ihre riskanten Kapitalanlagen sind, zumindest aus einer europäischen Perspektive, nicht gerade gering.“ Im Einzelnen haben die Deutschen rund 6 Prozent ihrer Geldvermögen direkt in Aktien angelegt, was die Deutsche Bank zu dem Kommentar veranlasst: „Diese Zahl entspricht ziemlich genau dem Anteil in Frankreich, während er sogar höher liegt als in Großbritannien. Deutlich beliebter als die Direktanlage in Aktien ist in Deutschland der Erwerb von Investmentfonds.“

Warum aber ist der Eindruck so verbreitet, dass in Deutschland die Aktienanlage keine bedeutende Rolle spielt? Die Antwort lautet: Weil viele Menschen der Aktienanlage ausweichen. „Im Jahre 2017 hielten etwa 10 Millionen Deutsche Aktien direkt oder indirekt“, heißt es bei der Deutschen Bank. „3 Millionen besaßen unmittelbar Aktien, 5 Millionen Anteile an Aktienfonds und 2 Millionen hielten Aktien und Anteile an Aktienfonds.“

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Nicht erstaunlich wirkt, dass unter der arbeitenden Bevölkerung der Aktienanteil an den Geldvermögen umso höher ist, je höher das verfügbare Haushaltseinkommen liegt. Das ist ein Grund, warum der Aktienanteil im Osten Deutschlands niedriger ist als im Westen. Der zweite Grund ist damit verwandt: Jeder dritte Aktionär in Deutschland ist älter als 60 Jahre. Darunter befinden sich viele Menschen, die während ihrer Arbeitszeit Aktienbestände angesammelt haben. Darunter befinden sich nicht wenige Belegschaftsaktionäre deutscher Unternehmen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Braunberger, Gerald
Gerald Braunberger
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