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Geldpolitik

Gegen steigende Staatsausgaben

Von Markus Frühauf
 - 11:37
Die EZB betreibt  eine falsche Ausgestaltung der Anleihekäufe, sagt Invesco-Chefvolkswirt John Greenwood.

Von einer staatlichen Ausgabenpolitik zur Ankurbelung der Konjunktur hält der Chefvolkswirt der amerikanischen Kapitalanlagegesellschaft Invesco, John Greenwood, wenig. Wie er auf einer Presseveranstaltung in London ausführte, ist die entscheidende Antriebsfeder die Geldpolitik. Warum im Euroraum das Wachstum und damit auch die Inflation weiterhin so niedrig sind, dafür hat der Brite, der dem Schattenkabinett der Bank von England angehört und diese bei Zinsentscheidungen berät, einen wesentlichen Grund ausgemacht: die falsche Ausgestaltung der Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank.

Die EZB kaufe die Anleihen direkt von den Banken, aber diese erhöhten deshalb nicht ihre Kreditvergabe. Die Banken seien aufgrund der aufsichtsrechtlichen Anforderungen gezwungen, ihr Eigenkapital zu erhöhen. Deshalb könnten sie es sich nicht leisten, neue Kredite, die mit Eigenkapital unterlegt werden müssten, zu vergeben. Einen ähnlichen Fehler habe die Bank von Japan in ihren Anleihekäufen gemacht, sagte Greenwood.

Wachstum könne nur über eine höhere Geldmenge angekurbelt werden. Monetäres Wachstum schaffe mehr Inflation, die schließlich für höhere Zinsen sorge. Stattdessen versuche die EZB über die Zinsen die Inflation zu beeinflussen. Für Greenwood ist das der falsche Ansatz. Auch die negativen Zinsen kritisierte er scharf, weil sie nicht zu mehr Ausgaben und höheren Zinsen führten. Stattdessen würden Sparvermögen vernichtet. Anders seien die Bank von England und die amerikanische Notenbank Fed vorgegangen.

Sie hätten die Anleihen vor allem von Nichtbanken, also zum Beispiel von Versicherern oder Pensionsfonds, erworben. So sei die Geldmenge ausgeweitet worden. Stattdessen finde bei den Banken im Euroraum nur der Austausch von Vermögenswerten statt: weniger Anleihen, dafür mehr Zentralbankguthaben. Greenwood hat nach eigener Aussage den früheren EZB-Präsidenten Mario Draghi auf diesen Fehler hingewiesen, leider vergeblich.

Amerikas Wirtschaft in guter Verfassung

Den Befürchtungen vor einer Rezession in der amerikanischen Volkswirtschaft trat der Invesco-Chefvolkswirt entgegen. Die Vereinigten Staaten seien in einer sehr guten Verfassung. Die Verschuldung der Haushalte sei deutlich gesunken. Darüber hinaus habe sich das Geldmengenwachstum zuletzt wieder etwas beschleunigt, wenn auch von einem niedrigen Niveau aus. Greenwood erwartet eine Fortsetzung des Aufschwungs in den Vereinigten Staaten im kommenden Jahr und möglicherweise auch noch darüber hinaus.

Nicht ganz so zuversichtlich wie der Brite beurteilt Lyndon Man, leitender Portfoliomanager von Invesco, die amerikanische Wirtschaft. Der Anleihefachmann sieht die Konjunktur in einer späten Phase des Aufschwungs. Im Durchschnitt dauere ein Aufschwung in den Vereinigten Staaten 58 Monate. „Wir befinden uns nun im 120. Monat“, sagte er. Sorge bereitet ihm die Kreditqualität der Unternehmen. In einer Verlangsamung der Konjunktur sei verstärkt mit Herabstufungen der Bonitätsnoten durch die Ratingagenturen zu rechnen. Das könne am Markt für Unternehmensanleihen, insbesondere in den unteren Bonitätsklassen, Anspannungen hervorrufen. Invesco-Portfoliomanager

Man warnt vor allem vor den hochverzinslichen Anleihen (High Yield Bonds), die amerikanische Unternehmen mit geringer Kreditwürdigkeit begeben hätten. Diese seien hoch verschuldet und stammten häufig aus dem Energiebereich, der von einer schwächeren Konjunktur besonders betroffen wäre. Das Volumen an amerikanischen Unternehmensanleihen aus den unteren Bonitätsklassen sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, obwohl das amerikanische Wachstum im Vergleich zu früheren Aufschwungphasen niedrig sei. Er bevorzugt derzeit Anleihen von Unternehmen aus den hohen Bonitätsklassen (Investment Grade). Aufgrund der neuen Anleihekäufe der EZB erwartet er eine gute Entwicklung von Schuldtiteln bonitätsstarker europäischer Unternehmen. Aktien hält Man für ausgereizt, weil die Gewinnerwartungen zuletzt weiter gesunken seien.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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