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Handelskonflikt

Der Schrecken klingt wieder ab

Von Martin Hock
 - 13:28

Die Eskalation des amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt versetzte am Montagabend die Anleger an den amerikanischen Aktienmärkten in Aufregung. Der breit gefasste S&P-500-Index fiel um 2,41 Prozent auf 2811,87 Zähler. Es war nach Punkten der 15-stärkste Rückgang des Index an einem Tag. Prozentual aber war es nur Platz 218.

Härter traf es den Nasdaq-100-Index, der zu etwa der Hälfte aus Aktien der Technologiebranche besteht. Dieser fiel um 3,5 Prozent auf 7324 Punkte ab. Damit endete der Index mit dem höchsten Tagesminus seit Anfang Dezember.

Vor allem zyklische Werte wurden verkauft. „Darin spiegelt sich die Angst der Anleger wider, dass der Handelsstreit bald tiefere Kerben in der Weltwirtschaft hinterlässt“, sagte Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets. An den Börsen werde derzeit eine weitere Abkühlung des Wachstums einkalkuliert. „Donald Trump tut so, als seien Zollmehreinnahmen Nettogewinne. Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein“, so Stanzl.

Die Kurse von Apple, Boeing oder des Baumaschinen-Konzerns Caterpillar litten mit Kursverlusten von 5 bis 6 Prozent vergleichsweise stark. Die betroffenen Unternehmen machen in besonders großem Umfang Geschäfte mit China.

China hat am Montag angekündigt, ab dem 1. Juni die Zölle auf amerikanische Waren im Wert von 60 Milliarden Dollar anzuheben. Je nach Produkt gelten dann Zölle von bis zu 25 Prozent. Dies sei als Antwort auf entsprechende Entscheidungen der amerikanischen -Administration zu verstehen. Die Analysten von HSBC Global Research gehen davon aus, dass das Wachstum Chinas in den kommenden zwölf Monaten um gut 0,4 Prozentpunkte niedriger ausfallen wird. Ein angedrohter amerikanischer Zollsatz von 25 Prozent auf bisher unverzollte Produkte im Gegenwert von zusätzlichen 325 Milliarden Dollar würde die Wirtschaftsleistung der Volksrepublik wohl um weitere 1,2 Prozentpunkte abbremsen.

Die Vergeltungsmaßnahmen der chinesischen Regierung hätten zu einer „Risk off“-Stimmung an den internationalen Finanzmärkten geführt. So seien die Kurse amerikanischer Staatsanleihen kräftig gestiegen. Die Rendite 10-jähriger amerikanischen Schatzanweisungen fiel mit rund 2,4 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Ende März. Zum Jahresende 2019 rechnet HSBC sogar nur noch mit einer Rendite von 2,1 Prozent.

China sei der Wachstumstreiber der weltweiten Wirtschaft, meint HSBC-Chefanlagestratege Axel Cron. Ein solcher Einbruch würde auch auf die Weltkonjunktur durchschlagen, für die sich zuletzt die Stabilisierungszeichen gemehrt hätten. China könnte allerdings notfalls geld- und fiskalpolitisch gegensteuern.

USD/CNY

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Am Dienstag indes legt sich die „Risk-Off“-Stimmung wieder. Schon im asiatischen Handel wurden die starken Kursverluste an Wall Street nicht nachvollzogen. Der japanische Nikkei-Index fiel um 0,6 Prozent auf 21.067 Punkte. Der Hongkonger Hang-Seng-Index schloss 1,5 Prozent tiefer bei 28.122 Zählern. Der CSI 300 mit den 300 wichtigsten Werten an den chinesischen Festlandbörsen hingegen verlor wie der Nikkei 0,6 Prozent auf 3645 Stellen.

Ausschlaggebend waren die jüngsten Äußerungen von Amerikas Präsident Trump, der sich zuversichtlich zeigte, dass es eine Einigung geben werde. Dies führte auch zu einer kurzen Aufwertung des Yuan, der gegenüber dem Dollar in diesem Monat von rund 6,73 Yuan auf aktuell 6,91 Yuan deutlich abgewertet hat. Die neuen Verkäufe erfolgten zur Absicherung gegen mögliche weitere Nachrichten aus den Verhandlungen, sagte Gao Qi, Währungsstratege bei der Scotiabank der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die chinesische Zentralbank werde den Kurs aber unter 7 Yuan für den Dollar halten wollen, um einen Teufelskreis von Kapitalabflüssen und Abwertung zu vermeiden, heißt es laut Bloomberg von Macquarie Securities.

In Europa wiederum zeigt man sich derzeit her beruhigt. Trump hatte zuletzt gesagt, er habe noch nicht über eine weitere Verschärfung der Gangart entschieden und wolle am Rande des G-20-Gipfels Ende Juni mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping reden. Insgesamt müsse aber davon ausgegangen werden, dass der Streit noch längere Zeit für Unsicherheiten an den Märkten sorgen werde, fürchten die Experten der Helaba.

Auch die Terminkontrakte auf die amerikanischen Aktienindizes tendieren gut behauptet, ebenso wie die Kurse der Verlierer vom Montag, bei denen es keine Sondersituation gab, wie etwa beim Generikahersteller Mylan, der wegen Preisabsprachen von 40 amerikanischen Bundesstaaten verklagt wird.

Die zur Deutschen Bank gehörende Fondsgesellschaft DWS mahnt dennoch zu großer Wachsamkeit. Sie hält eine zeitnahe Einigung zwar immer noch für möglich, sieht die Wahrscheinlichkeit dafür aber von Tag zu Tag abnehmen. Wenn in den kommenden Wochen kein Abkommen zustande komme, müssten sich die Märkte auf eine längere Zeit der wirtschaftlichen Grabenkämpfe einstellen. Vor allem große börsennotierte amerikanische Unternehmen könnten in die Schusslinie geraten.

Warnung vor dem Handelskrieg-Hurra

Insbesondere in Washington scheine man zu unterschätzen, wie stark sich die Anreize für China, rasch ein Abkommen abzuschließen, schon verringert hätten. Dies erhöhe den Spielraum für Fehleinschätzungen mit potentiell weitreichenden Folgen.

Die Wahlen 2020 dürften sich zu einem Wettbewerb entwickeln, wer eine härtere Linie gegenüber China einschlägt – Trump oder seine demokratischen Herausforderer. Angesichts dieser Dynamik werde es immer schwieriger, irgendein Abkommen als hart genug darzustellen, um die China-Kritiker in den Vereinigten Staaten zufriedenzustellen. Sogar eine wach-sende Zahl von traditionell chinafreundlichen amerikanischen Unternehmenslenkern scheine zu denken, dass eine kurze Zeit schmerzhafter Zölle verkraftbar wäre, wenn dies zu langfristigen politischen Veränderungen in China führe.

In China hingegen sei man zögerlich, unter Zwang "Zugeständnisse" an Westmächte zu machen – ganz zu schweigen davon, einer ausländischen Macht zu erlauben, chinesische Gesetze zu schreiben. Die bloße Tatsache, dass Washington öffentlich solche Forderungen stelle, klinge schon nach nationaler Demütigung. Für die Führung in Peking müsse es daher verlockend sein, den Kurs zu ändern und kurzfristige Schmerzen für lohnend zu erachten, wenn sie Gewinne in 10 oder 15 Jahren versprächen.

Eine derartige, beidseitige aggressive Haltung trage oft zur Eskalation von Konflikten zwischen Staaten bei. Die Natur von Kriegen sei, nationalistische Stimmung und Hurrapatriotismus zu fördern. Die ersten Schüsse fielen in der Hoffnung auf einen schnellen Sieg. Oft jedoch befänden sich beide Seiten, bevor sie sich versehen, in einem Stellungskrieg, ohne machbaren Ausweg. Die DWS bereitet daher Notfallpläne und Analysen vor, falls die Kontrahenten nicht zur Vernunft finden. In der Zwischenzeit wolle man lediglich darauf hinweisen, dass besonders für amerikanische Aktien derzeit das Risiko nach unten überwiege.

Aktienmarkt könnte Trump zu Kompromissen zwingen

Auch Nathan Sheets, Chefökonom von PGIM Fixed Income, meint, es werde zunehmend schwieriger, von der derzeitigen Pattsituation zu einer konstruktiven Verhandlung zurückzukehren. Auch er stellt die Frage, ob die chinesischen Behörden in Anbetracht der besseren Wirtschaftslage derzeit überhaupt ein Abkommen wollten.

Weiter Importzölle könnten für Trump politisch kostspielig werden, weil sie die Verbraucher unmittelbar treffen würden. Die negativen Auswirkungen auf China dürften dennoch größer sein und hart gegen China zu sein, könnte eine erfolgversprechende Wahlkampfbotschaft sein. Verschlechtere sich die Marktstimmung weiter, werde die Volatilität zunehmen und die Kurse sinken. Trump werde einen nachhaltigen, starken Rückgang der Kurse aber vermeiden wollen. PGIM rechnet in den kommenden sechs Wochen zwar mit einem Abkommen. Dennoch bestehe das Risiko eines längeren Schwelens des Konflikts.

Quelle: FAZ.NET
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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