Yuan-Dollar-Kurs

Warum stürzt Chinas Währung ab?

Von Patrick Bernau
01.07.2018
, 16:22
Drachenbootrennen in Zigui.
Für chinesische Verhältnisse ist es ein Absturz: Die Landeswährung ist im Juni so schwach geworden wie noch in keinem Monat zuvor. Ist das Teil des Handelskriegs – oder gibt es eine ganz andere Erklärung?
ANZEIGE

Der Handelskrieg ist schon lange ausgebrochen: Donald Trump führt immer neue Strafzölle auf Produkte aus anderen Staaten ein, vor allem aus China. China wehrt sich seinerseits mit Strafzöllen – doch gleichzeitig geschieht etwas anderes, das mehr und mehr Leuten auffällt: Die Regierung schwächt ihre Währung in einem Tempo, wie es lange nicht mehr vorgekommen ist.

ANZEIGE

Nachdem der Juni vorbei ist, steht fest: In keinem Monat ist Chinas Währung gegenüber dem Dollar so schnell billiger geworden wie jetzt. Anfang des Monats gab es noch 6,42 Yuan für einen Dollar, Ende des Monats sind es schon 6,62.

Andere Gründe für eine Yuan-Schwäche

Die Folge: Mit der chinesischen Währung werden auch chinesische Produkte aus amerikanischer Sicht billiger. 3,3 Prozent hat das allein im Juni ausgemacht. Das ist viel weniger als die 15 bis 25 Prozent Zoll, die jetzt auf viele chinesische Produkte in Amerika fällig werden. Andererseits betrifft die Währungsschwächung alle chinesischen Produkte, nicht nur ausgewählte. Ist die Schwächung des Yuan tatsächlich Chinas Antwort auf Trumps Zölle? Die Diskussion beginnt gerade. Sicher ist das noch lange nicht. Es gibt noch andere Gründe, die China zu dem Schritt bewegen könnten.

Da ist zum Beispiel die allgemeine Stärke des Dollars. Weil die amerikanische Notenbank ihre Zinsen anhebt und Amerikas Wirtschaft in Schwung kommt, hat der Dollar in den vergangenen Monaten gegenüber vielen Währungen an Wert gewonnen – aus Sicht der Amerikaner sind die anderen Währungen also schwächer geworden. China will sich mit seiner Währung nicht nur am Dollar orientieren.

Gleichzeitig fürchten zumindest Teile von Chinas Regierung offenbar eine eigene Finanzkrise. Seit Jahresbeginn fallen die Aktienkurse, gleichzeitig werden nicht mehr alle Anleihen zurückgezahlt. Angesichts steigender Zinsen in Amerika sei das eine besondere Gefahr, hieß es Anfang der Woche in einem durchgesickerten Bericht eines regierungsnahen Forschungsinstituts. Die Studie verschwand schnell wieder von deren Webseite.

ANZEIGE

Das „Wall Street Journal“ spekuliert gleichzeitig darüber, dass Spekulanten auf eine Schwäche des Yuan gesetzt und ihn so in die Tiefe gedrückt hätten. Andererseits kontrolliert die chinesische Notenbank den Yuan-Kurs traditionell eng und hat im vergangenen Monat auch den Absturz teils gebremst – aber immer noch einen große Schwächung übrig gelassen.

Amerika achtet auf die Schwächung

Ihre Währung zu schwächen, das ist für alle Notenbanken der Welt leicht: Sie müssen nur ihr eigenes Geld, das sie im Überfluss besitzen können, gegen die Währungen anderer Länder verkaufen. Wenn eine Notenbank ihre Währung stärken will, müsste sie umgekehrt die Währungen anderer Länder verkaufen. Auch das ist für China kein Problem, die Notenbank hat enorme Devisenreserven. Während andere Notenbanken ihren Wechselkurs oft nicht beeinflussen, kontrolliert China seinen Kurs traditionell eng. Was immer mit Chinas Währung geschieht – man muss davon ausgehen, dass Chinas Regierung es zumindest zugelassen hat.

ANZEIGE

So viel ist sicher: Amerikas Aufmerksamkeit wächst, zumindest am Finanzmarkt. Im Fernsehsender CNBC deutete ein Analyst die Bewegung schon im Kontext von Trumps Zöllen: Vielleicht hätte China seine Währung sonst stärker gehalten, sagte Robert Siniche.

Sehr langsam kommt die Diskussion auch im politischen Raum an: „Im Moment ist es noch recht einfach, die Bewegung des Yuan als Management der Währung gegenüber mehreren anderen Währungen zu deuten“, sagt Brad Setser, ein ehemaliger Mitarbeiter des Finanzministeriums, der „Financial Times“. „Aber wenn das aussieht wie eine bewusste Abwertung als Gegenmaßnahme zu Zöllen, dann wird es wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit erregen.“

Quelle: FAZ.NET
Patrick Bernau  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Patrick Bernau
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
FacebookTwitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE