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Aktienkurse im Sinkflug

Huawei-Affäre setzt Börsen unter Stress

Von Hanno Mußler, Tim Kanning
 - 17:06
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Die Festnahme der Finanzchefin des großen chinesischen Smartphoneherstellers und Netzwerkausrüsters Huawei hat die Furcht vor einer Eskalation des Handelsstreits zwischen den Vereinigten Staaten und China an den Börsen neu entfacht. Rund um den Globus gingen die Aktienindizes auf Talfahrt. Der Dax fiel am Donnerstag bis auf 10.840 Punkte, den tiefsten Stand seit zwei Jahren. In China ist der Aktienindex CSI 300 nach einem Tagesverlust von 2,2 Prozent nun allein in diesem Jahr 22 Prozent in die Tiefe gesaust. Und in Amerika hat sich der Börsenwert gewichtiger Chiphersteller wie Nvidia und Advanced Micro Devices in nicht einmal zehn Wochen um mehr als 30 Prozent verringert. Viele der großen amerikanischen Halbleiterunternehmen lassen ihre Chips in Taiwan (vor-)fertigen und könnten deshalb unter einer weiteren Eskalation des Handelskonfliktes leiden.

Kurz vor Handelsschluss wies der Dax am Donnerstag 10.880 Punkte auf, mit minus 2,8 Prozent der größte Tagesverlust seit zweieinhalb Jahren. Verkauft wurden nicht nur Technologie- und Autoaktien, sondern Titel quer durch alle Branchen. Der Technologieaktienindex Tec-Dax hielt sich am Donnerstag sogar etwas besser als der Dax. In den vergangenen zwölf Monaten haben sich die 30 deutschen Technologieaktien ohnehin besser geschlagen als die 30 größten deutschen Aktiengesellschaften. Der Dax steht heute – trotz eines erst im Januar erreichten Rekords von rund 13.600 Punkten – 14 Prozent tiefer als vor einem Jahr. Der Tec-Dax steht dagegen 3 Prozent höher.

Das liegt auch an der lange guten Kursentwicklung der amerikanischen Technologiewerte, deren Nasdaq-Index noch im August einen Rekord erreicht hatte. Doch jetzt lässt insbesondere die schwache Kursentwicklung der Halbleiterwerte in diesem Quartal auf große Unruhen an den Börsen schließen. An der Wall Street, wo die Börse am Mittwoch geschlossen war, eröffneten die amerikanischen Aktien den Handel am Donnerstag mit deutlichen Kursverlusten. Der Nasdaq-Index und der Dow Jones verloren rund 2 Prozent. Chipwerte wie Broadcom, ASML und Nvidia verloren mehr als 3 Prozent.

Ein Aufschwung stirbt nicht an Altersschwäche

Chiphersteller, darunter auch die Dax-Aktie Infineon und der Apple-Zulieferer Dialog Semiconductor im Tec-Dax, gelten als besonders konjunktursensibel. Passend zu den an der Börse um sich greifenden Rezessionsängsten waren am Donnerstag Anleihen gefragt. Wegen steigender Anleihekurse fiel die Rendite für Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit auf ein Sechs-Monats-Tief von 0,242 Prozent.

Bei der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank, DWS, möchte man noch nicht an einen starken Börsenabschwung glauben. Chefanlagestratege Stefan Kreuzkamp sieht bislang eher vage Zeichen dafür, dass die Spätphase des Börsenzyklus bevorstehe. Die aktuellen Rücksetzer an der Börse sieht er als Beleg dafür, dass die Vereinigten Staaten und China schleunigst eine Lösung für ihre Handelsstreitigkeiten finden sollten. Eine Rezession erwarte die DWS für 2019 nicht, höchstens eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums nach den Hochständen der vergangenen Jahre. Die Fundamentaldaten seien schlicht zu stabil, sagte Kreuzkamp. Außerdem sterbe ein Aufschwung nicht an Altersschwäche; in der Vergangenheit habe es stets eines starken Auslösers wie etwa die Schieflage am amerikanischen Häusermarkt im Jahr 2007 gebraucht.

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Kreuzkamp gab allerdings zu bedenken, dass mit dem Handelskonflikt, der Unsicherheit um den Brexit und Italien derzeit viele politische Risiken in der Luft hingen, die zu so einem Auslöser heranwachsen könnten. Für den Dax gibt er sich dennoch optimistisch. Den deutschen Leitindex sieht er Ende 2019 auf 12.500 Punkten, also ein ganzes Stück über dem heutigen Wert.

Bislang hat sich der deutsche Aktienmarkt in diesem Jahr deutlich schlechter entwickelt als der amerikanische. Laut Petra Pflaum, Ko-Leiterin des Aktiengeschäfts der DWS in Europa, stand allein das Schwergewicht Bayer für ein Minus von 600 Punkten im Dax. Hinzu kämen vor allem die Autowerte, bei denen die Investoren mögliche neue Zölle in Amerika und schwächere Absatzzahlen in China schon eingepreist hätten. Die Gefahr, dass nun mit einem Einbruch an der Wall Street auch der deutsche Aktienmarkt weiter runtergehen könnte, sieht Pflaum aufgrund dieses „Vorsprungs“ etwas gebannt. „Aber natürlich ist der deutsche Aktienmarkt nicht ganz unabhängig von dem amerikanischen“, sagte Pflaum.

Dies zeigte sich auch am Donnerstag, wo der Abwärtsrutsch nach Handelsbeginn noch an Dynamik gewann. Doch auch an diesem „schwarzen“ Börsentag gab es Krisengewinner. Weil die Vereinigten Staaten ihre Verbündeten drängen, wegen angeblicher Sicherheitsbedenken mit Huawei keine Geschäfte mehr zu machen, könnten mehr Netzwerke künftig von den nordeuropäischen Unternehmen Nokia und Ericsson ausgerüstet werden. Der Aktienkurs von Ericsson legte in Stockholm um 1,5 Prozent zu. Nokia wurden wegen eines Feiertages in Finnland am Donnerstag nicht gehandelt.

Quelle: F.A.Z.
Hanno Mußler
Redakteur in der Wirtschaft.
Tim Kanning
Redakteur in der Wirtschaft.
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