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Kursgewinner des Jahres

Warum Deutsche Bank und Commerzbank einen Lauf haben

Von Hanno Mußler, Frankfurt
Aktualisiert am 19.02.2020
 - 08:00
Sonne über dem Bankenviertel: Für Deutsche Bank und Commerzbank läuft es derzeit.
Seit der Finanzkrise mussten Deutsche Bank und Commerzbank hohe Verluste einstecken. Anleger der lange verschmähten deutschen Bankaktien sind bisher aber die Gewinner des Jahres. Analysten halten das für übertrieben.

Gleichgültig, in welchen Aktienindex man schaut, plötzlich stehen deutsche Bankaktien ganz vorn: Die Deutsche Bank führt mit einem Kursgewinn von 44 Prozent seit Jahresanfang mit weitem Abstand vor Wirecard und RWE (jeweils plus 25 Prozent) den Dax an. Den ersten Schub erhielt die Deutsche Bank schon, bevor sie Ende Januar mit 5,7 Milliarden Euro einen riesigen und größer als erwartet ausgefallenen Verlust für das Jahr 2019 meldete. Doch das beendete keineswegs den Börsenaufschwung. Allein seit Anfang Februar hat die Deutsche-Bank-Aktie 20 Prozent zugelegt. Und auch die Commerzbank-Aktie kommt aus dem Tief. In der vergangenen Woche, in der die Commerzbank über einen Verlust im vierten Quartal und einen Gewinnrückgang um 25 Prozent im Gesamtjahr 2019 berichtete, kletterte sie mit 14 Prozent so stark wie keine andere im 98 Aktien umfassenden F.A.Z.-Index. Das macht allerdings die hohen Kursverluste beider Banken seit der Finanzkrise bei weitem nicht wett.

Auf dem europäischen Aktienmarkt spielen die deutschen Banken ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. Im Herbst 2018 flog die Deutsche-Bank-Aktie wegen ihrer schlechten Wertentwicklung aus dem Euro Stoxx 50, die Commerzbank war im Börsenclub der 50 wichtigsten europäischen Konzerne nie drin. Die vielen Bankaktien im Euro Stoxx 50, von der seit Jahresanfang besten (Italiens Intesa mit 11 Prozent Kursgewinn) bis zur schlechtesten (Hollands ING mit 2 Prozent Kursminus), haben sich 2019 im Gesamtmarkt eher unauffällig entwickelt. Die deutschen Banken ragen somit im europäischen Bankaktienindex heraus. Unter 25 Banken im Euroraum liegen sie mit ihrer Kursentwicklung seit Jahresanfang auf Rang zwei und drei – nur geschlagen von der viertgrößten italienischen Bank UBI, für die Konkurrent Intesa am Dienstag ein Kaufangebot abgab.

Allen Unkenrufen zum Trotz

Aktienanalysten, die regelmäßig Kursziele für sie nennen, schauen dem Lauf der Deutschen-Bank-Aktie auf 10 Euro und der Commerzbank auf 6,70 Euro fast wie Ungläubige hinterher. Zwar haben einige Skeptiker wie UBS-Analyst Daniele Brupbacher ihre Verkaufsempfehlungen inzwischen zurückgenommen. Aber noch stehen 14 „Halte“-Empfehlungen 15 „Verkaufen“-Empfehlungen gegenüber. Kaufempfehlungen kann zumindest der Datensammler Bloomberg für die Deutsche Bank keine entdecken. Auch für die Commerzbank-Aktie gibt es mit 15 Mal „Halten“ und achtmal „Verkaufen“ viele harte Analystenurteile, aber immerhin drei Kaufempfehlungen.

Analysten wie Kian Abouhossein (JP Morgan), Andrew Coombs (Citi) und Brupbacher (UBS) sind seit dem Investorentag der Deutschen Bank nicht mehr so besorgt, dass die Deutsche Bank für ihre Sanierung eine Kapitalerhöhung brauchen könnte. Nach den Gesprächen mit dem Vorstand im Dezember war für sie – anders als offenbar für einige Anleiheanalysten – die Ende Januar veröffentlichte starke Kernkapitalquote von 13,6 Prozent nur noch eine kleine Überraschung. Nicht nur für Brupbacher liegt der Schlüssel für die weitere Aktienkursentwicklung der Deutschen Bank in der Ertragsentwicklung vor allem der Kernbank. Dazu hat Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing Ende Januar gesagt, die Erträge seien im zweiten Halbjahr 2019 – im Anschluss an die im Juli gestartete Sanierung mit Einstellung des Aktienhandels und der Trennung von nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Wertpapieren – allen Unkenrufen zum Trotz stabil geblieben.

Sewing wertete es als Erfolg, dass die Erträge im Investmentbanking im vierten Quartal sogar erstmals seit drei Jahren gewachsen sind – allerdings bereinigt um Sondereffekte und gegenüber dem äußerst schwachen Vorjahresquartal. Mit 22 Prozent Ertragsplus, davon mit 30 Prozent überdurchschnittlich viel in der Sparte Festverzinsliche und Wertpapiere, blieb die Deutsche Bank hinter Rivalen wie Crédit Agricole zurück, die dort ihre Erträge um 60 Prozent steigern konnte.

Zeig-mir-Aktie Deutsche Bank

Analysten wie Michael Seufert (NordLB) lassen denn auch Zweifel anklingen, ob es der Deutschen Bank gelingt, bis 2023 wie geplant gleichzeitig die Kosten zu drücken und die Erträge zu steigern. Während Sewing die Kosten anscheinend im Griff hat, nennt Abouhossein die Deutsche Bank eine „Zeig-mir-Aktie“: Es brauche mehr Beweise für eine Ertragswende. Schließlich seien weite Teile der Kernbank – Investmentbanking, Vermögensverwaltung für Privatkunden und Unternehmenssparte – von Marktbedingungen abhängig. Auch die LBBW hält die Deutsche Bank für besonders anfällig für geopolitische Risiken wie den Welthandel, den Brexit und Italien, steckt aber wegen der niedrigen Substanzbewertung mit 8,30 Euro eines der höchsten Kursziele.

Noch niedriger an der Börse bewertet gemessen am Eigenkapital ist die Commerzbank. Während die Deutsche Bank auf einen Kurs-Buch-Wert von etwa 0,3 Prozent kommt, liegt dieser Substanzwert der Commerzbank nur bei 0,25 Prozent. Das liegt wohl daran, dass sich die Commerzbank für 2023 nur ein Eigenkapitalrenditeziel von 4 Prozent gesteckt hat, die Deutsche Bank von 8 Prozent. Diesen vielfach kritisierten geringen Ehrgeiz hat sich Commerzbank-Chef Martin Zielke offensichtlich zu Herzen genommen. Er sagte Mitte Februar, die Commerzbank komme mit der Umsetzung ihre Strategie besser voran als im September gedacht; setze sich dies fort, seien auch höhere Renditeziele denkbar. Damit begründet auch Nord-LB-Analyst Michael Seufert, warum er sein Kursziel von 5,75 auf 6,50 Euro anhob.

Ähnlich wie bei der Deutschen Bank loben Analysten auch die trotz Kosten für Abfindungen ausscheidender Mitarbeiter verbesserte Kapitalausstattung der Commerzbank. Der im September angekündigte Verkauf der M-Bank sei zum Risikoabbau nicht mehr nötig und werde nur erfolgen, wenn der Verkaufspreis stimme, sagt der Vorstand. Jochen Schmitt vom Bankhaus Metzler sieht nun eine steigende Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Commerzbank die M-Bank doch behält. Schmitt kann sich vorstellen, dass die Commerzbank dann für das Geschäftsjahr 2020 die Dividende ganz streichen muss, um die Kosten für ihren Umbau zu stemmen. Er steckt gleichwohl mit 8 Euro eines der höchsten Kursziele für die Commerzbank, weil die Ertragsperle M-Bank nach seiner Rechnung rund einen Euro zum Kurs der Commerzbank beiträgt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Mussler, Hanno
Hanno Mußler
Redakteur in der Wirtschaft.
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